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Julius-Maximilians-Universität Würzburg, 13.02.07

Würzburger Juristen gründen neues Forschungszentrum

Seit Herbst 2006 verfügt die Juristische Fakultät über eine neue Forschungseinrichtung: Das "Zentrum für rechtswissenschaftliche Grundlagenforschung". Sein Ziel ist es, in fakultätsübergreifender Zusammenarbeit mit Einrichtungen im In- und Ausland gewichtige und aktuelle Themen aus dem Bereich der juristischen Grundlagenfächer zu diskutieren.

Rechtsgeschichte, Rechtsphilosophie, Römisches Recht, Methodik des Rechts und Rechtssoziologie heißen die Grundlagenfächer in Jura. Vertreten werden diese vier Fächer in Würzburg von vier Lehrstühlen. Deren Inhaber (Prof. Horst Dreier, Prof. Jan Harke, Prof. Eric Hilgendorf und Prof. Jürgen Weitzel) haben sich im vergangenen Herbst zur Gründung eines neuen Forschungszentrums entschieden. Ihr Ziel ist es, den Bestand der Grundlagenfächer im Kanon der juristischen Teildisziplinen zu sichern und etwas mehr Gewicht zu verleihen, und aktueller Forschung in diesem Bereich eine organisatorische und finanzielle Basis zu verschaffen.


Interdisziplinarität heißt eines der Leitmotive des neuen Zentrums. So denken die Juristen beispielsweise an eine Zusammenarbeit mit Lehrstühlen aus der Medizin, der Theologie und der Philosophie. Denn viele Themen, mit denen sich Juristen beschäftigen, berühren auch Fragen aus diesen Fachbereichen - so zum Beispiel, wenn es um Euthanasie und Eugenik zwischen 1850 und dem Ende der NS-Zeit geht, wie auf der ersten Tagung des Zentrums, die in 2008 stattfinden soll.

Internationalität heißt das zweite Stichwort: Dank zahlreicher bereits bestehender Kontakte ins Ausland will das Zentrum nicht nur mit Lehrstühlen in Deutschland kooperieren. Eingebunden werden sollen auch in einem ersten Schritt Universitäten in Belgien, Spanien, Argentinien und Korea. Weitere können folgen.

Auch Studierende sollen im Zentrum für rechtswissenschaftliche Grundlagenforschung ihren Platz finden. Für sie wollen die Initiatoren beispielsweise spezielle Workshops anbieten, mit denen sie auf Prüfungen in den Grundlagenfächern vorbereiten. Eine Exkursion nach Bologna, an die "Wiege der Rechtswissenschaft", in diesem Jahr will das Zentrum unterstützen. Geplant ist außerdem eine Fahrt nach Rothenburg, wo sich im Kriminalmuseum die Geschichte des Strafens anschaulich studieren lässt.

Weitere Themen des Forschungszentrums sind unter anderem: Recht und Religion in Vergangenheit, Gegenwart und europäischer Zukunft; Fragen des Zusammenhangs von Philosophie, Recht und Literatur in der europäischen Geschichte; theologische, moralische, rechtliche Fragen im Rahmen der aktuellen Entwicklungen in Medizin und Biologie; vergleichende Geschichte der Rechts- und Verfassungsinstitutionen in Europa seit dem hohen Mittelalter, Rechtsgeschichte in der NS-Zeit, die Behandlung des Privatrechts in der Philosophie, die Methoden großer Juristen, die Strafrechtsgeschichte sowie kulturelle Grundlagen des Rechts.

Um eine dauerhafte Finanzierung des Zentrums zu gewährleisten, haben die Initiatoren des Forschungszentrums parallel die "Gesellschaft zur Förderung des Zentrums für rechtswissenschaftliche Grundlagenforschung an der Universität Würzburg" gegründet. Mit den Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen soll die Gesellschaft die Arbeit des Zentrums finanziell unterstützen.

Ansprechpartner: PD Dr. Ignacio Czeguhn, T: (0931) 312979, E-Mail: iczeguhn@jura.uni-wuerzburg.de


Gunnar Bartsch, Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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