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Hans-Böckler-Stiftung, 03.02.04

WSI-Tarifbilanz für das Jahr 2003

Aus Verteilungssicht kann sich das vergangene Jahr für die Arbeitnehmer auf den ersten Blick durchaus sehen lassen.Die tariflichen Grundvergütungen sind im Schnitt um 2,5 % gestiegen. Aber effektiv fiel die Steigerung deutlich geringer aus.

Die tarifliche Abschlussrate für das Jahr 2003 betrug im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt 2,0 %. Berücksichtigt man zusätzlich auch die höheren, bereits im Vorjahr für 2003 vereinbarten Tarifanhebungen, dann ergibt sich eine jahresbezogene Tarifsteigerung der tariflichen Grundlöhne und -gehälter für 2003 gegenüber dem Vorjahr von durchschnittlich 2,5 %. Diese Erhöhung fiel in den neuen Ländern mit 3,0 % höher aus als in den alten Ländern mit 2,4 %.

Damit ist es der gewerkschaftlichen Tarifpolitik 2003 wie bereits im Vorjahr gelungen, über den Ausgleich der Steigerung der Lebenshaltungskosten von 1,1 % hinaus auch eine deutliche reale Steigerung der Tarifeinkommen sicherzustellen. Der kurzfristig kostenneutrale Verteilungsspielraum von rund 2,0 % (Arbeitsproduktivität + 0,9 %, Preise + 1,1 %) wurde mehr als ausgeschöpft. Gemessen an der trendmäßigen Entwicklung dieser Größe von 3 % (Arbeitsproduktivität und Preise jeweils + 1,5 %) liegen die Tarifsteigerungen etwas unterhalb dessen, was verteilungspolitisch kostenneutral möglich gewesen wäre. Allerdings: Aufgrund der starken negativen Lohndrift sind jedoch die effektiven Bruttoeinkommen je Arbeitnehmer im vergangenen Jahr lediglich um 1,2 % gestiegen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Bilanz der Tarifpolitik des Jahres 2003, die das Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts in der Hans-Böckler-Stiftung (WSI) am Montag in Berlin vorlegte.


Insgesamt schlossen die DGB-Gewerkschaften in Deutschland im vergangenen Jahr Lohn- und Gehaltstarifverträge für rund 8,9 Mio. Beschäftigte ab, darunter 7,7 Mio. in den alten und 1,2 Mio. in den neuen Bundesländern. Für rund 82 % dieser Beschäftigten gab es Tarifabschlüsse mit verzögerter Anpassung der Lohn- und Gehaltserhöhungen. Als Ausgleich vereinbarten die Gewerkschaften für rund 49 % der davon betroffenen Beschäftigten Pauschalzahlungen, die durchschnittlich 35 Euro (West: 33 Euro, Ost: 48 Euro) im Monat betrugen. Die Laufzeit der Verträge beläuft sich durchschnittlich auf 20,5 Monate (2002: 18,3). Für weitere fast 9 Mio. Beschäftigte traten Erhöhungen in Kraft, die bereits 2002 oder früher vereinbart wurden.

Am höchsten fiel die jahresbezogene Tarifsteigerung, auf ganz Deutschland bezogen, mit 3,0 % in den Bereichen Gebietskörperschaften, Sozialversicherung sowie im Baugewerbe aus, gefolgt vom Nahrungs- und Genussmittelgewerbe (2,7 %), dem Bereich Verkehr und Nachrichtenübermittlung (2,6 %) und den Bereichen Grundstoff- und Produktionsgütergewerbe sowie Gartenbau, Land- und Forstwirtschaft (beide 2,5 %). Dann schließt sich das Investitionsgütergewerbe (2,4 %) und das Verbrauchsgütergewerbe (2,3 %) an sowie die Bereiche Energie- und Wasserversorgung, Bergbau (2,2 %), Handel sowie private Dienstleistungen, Organisationen ohne Erwerbszweck (ebenfalls 2,2 %). Das Schlusslicht bilden Kreditinstitute und Versicherungen (2,1 %).

In den neuen Bundesländern hat sich das Tarifniveau im Vergleich zum Westen gegenüber dem Vorjahr um gut einen halben Prozentpunkt erhöht. Das Tarifniveau Ost/West betrug Ende 2003 bezogen auf die tariflichen Grundvergütungen 93,4 % gegenüber 92,8 % zum Ende des Vorjahres.

Weitere Informationen:


Karin Rahn, Hans-Böckler-Stiftung
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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