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ISO Institut zur Erforschung sozialer Chancen Köln, 13.04.04

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ISO Institut zur Erforschung sozialer Chancen Köln, 13.04.04

Wege in die "neue" Selbständigkeit

Guter Rat bei Gründung ist nicht nur teuer, sondern nach wie vor für Gründerinnen und Gründer nicht in gleichem Umfang und in gleicher Qualität zu haben. Mehr zu diesem Ergebnis und weiteren Erkenntnissen zum Thema Chancengleichheit im regionalen Gründungsgeschehen bietet die Broschüre "Wege in die "neue" Selbständigkeit".

Gründer/-innen und Vertreter/-innen gründungsrelevanter Institutionen als Kenner des regionalen Gründungsgeschehens kommen in der Broschüre "Wege in die "neue" Selbständigkeit - Erfahrungen und Handlungsempfehlungen von Akteuren im regionalen Gründungsgeschehen" zu Wort. Die Broschüre bündelt Ergebnisse, die das Institut zur Erforschung sozialer Chancen (ISO) in Köln im Rahmen des durch das BMBF geförderte Forschungsprojekt "Existenzgründungen im wirtschaftlichen Strukturwandel. Eine regionalvergleichende Analyse von Existenzgründungen durch Frauen" gewonnen hat. Ziel des Projekts war es, Ansatzpunkte für Chancengleichheit im Gründungsgeschehen aufzudecken und zu ergründen, welches Potential sie für strukturelle Veränderungen in den Chancenstrukturen von Gründerinnen und Gründern bereithalten. Das Projekt hat sich darauf konzentriert, das Gründungsgeschehen unter Bedingungen wirtschaftlichen Strukturwandels, aus einer Geschlechter- und aus einer Regionenperspektive in drei Untersuchungsregionen mittels qualitativer Analysemethoden zu rekonstruieren.

Zu den Fallregionen zählten die Städte Duisburg (NRW), Halle/Saale (Sachsen-Anhalt) sowie der Kreis Heinsberg (NRW). Einen Schwerpunkt der Untersuchung bildete die Befragung von Vertreterinnen und Vertretern gründungrelevanter Institutionen zur Einschätzung und Bewertung regionaler Gründungspotentiale und -hemmnisse. Darüber hinaus wurden Gründerinnen und Gründer nach ihren persönlichen Erfahrungen im Gründungsprozess, nach Gründungsmotiven, der Standortwahl, der Gründungsfinanzierung und Gründungsberatung sowie nach der Einbindung in Netzwerken befragt.
Die Regionenfallstudien zeigen im Ergebnis, dass zwischen den Einschätzungen und Bewertungen des regionalen Gründungsgeschehens von gründungsrelevanten Institutionen und von GründerInnen eine deutliche Diskrepanz besteht: Trotz erheblicher Strukturprobleme in den Untersuchungsregionen ist ein Großteil der ExpertInnen an einem Leitbild des "Gründers" als "Hoffnungsträger" im Sinne eines Innovators für die Wirtschaft und Schaffers von Arbeitsplätzen orientiert. In dieser Sicht gilt es in erster Linie technologieorientierte und innovative Unternehmen am Standort anzusiedeln, um den Strukturwandel voranzutreiben. Kleinstgründungen werden Potentiale zur Bewältigung des Strukturwandels abgesprochen und bleiben somit ungenutzt. Augenfällig ist, dass diese Akteure vielfach die veränderte Wirklichkeit, in der sich Selbständigkeit heute abspielt, noch nicht realisiert haben. Dies hat zur Folge, dass Gründungsideen und Segmente sogenannter "neuer" Selbständigkeit, zu denen beispielsweise Sologründungen, Gründungen in Teilzeit oder aus der Arbeitslosigkeit zählen, eine Abwertung erfahren.
Die Fallbeispiele der GründerInnen verdeutlichten schließlich, dass Arbeitslosigkeit ein häufig genanntes Gründungsmotiv darstellt. Aufgrund fehlender regionaler Beschäftigungsmöglichkeiten erfolgt die Entscheidung für die Selbständigkeit, um sich auf diese Weise einen Arbeitsplatz in der gewohnten räumlich sozialen Umgebung zu schaffen.
Zu den "Mühen der Ebene" zählt nach wie vor das Thema Frauenförderung im Gründungsgeschehen bzw. Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern. Dabei scheinen indirekte zumeist subtile Ausschlussmechanismen gegenüber direkter Benachteiligung an Bedeutung zu gewinnen: Indirekte Ausschlussmechanismen wirken beispielsweise in einem männlich geprägten Gründerleitbild und in einer Beratungspraxis, die die spezifischen Ausgangsbedingungen von Frauen zumeist nicht in den Blick nimmt.
Die von den befragten Expertinnen und Experten in den Untersuchungsregionen formulierten Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen bei Gründung durch Frauen, beschränkten sich schließlich mehr oder weniger auf den Aspekt der Vereinbarkeit von Kindererziehung und beruflicher Selbständigkeit und mündeten in der Empfehlung, die ganztägigen Betreuungskapazitäten für Kinder zu erhöhen. Dass Frauen in der beruflichen Selbständigkeit noch einer Reihe anderer Widrigkeiten gegenüberstehen, sei es in Bezug auf finanzielle Ressourcen oder Auftragsvergabe, wird häufig ausgeblendet.
Die Broschüre steht als Download auf den Internetseiten des ISO Köln (www.iso-koeln.de) zur Verfügung bzw. kann unter folgender Adresse angefordert werden:
Institut zur Erforschung sozialer Chancen (ISO)
Kuenstr. 1B
50733 Köln
Ansprechpartner: Dr. Hermann Groß (Tel. 0221/97304322); email: hermann.gross@iso-koeln.de)

Weitere Informationen:


Dr. Michael Schwarz, ISO Institut zur Erforschung sozialer Chancen Köln
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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