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Universität Duisburg-Essen, 14.02.05

Uni DuE: Studierende beraten Politiker - China-Studie für Auswärtiges Amt und Böll-Stiftung

Sie haben den Studienabschluss noch nicht in der Tasche, aber ihre Fachkompetenz ist bereits gefragt: Fünfzehn Studierende der Ostasienwissenschaften unter Leitung von Professor Thomas Heberer und Christian Göbel haben jetzt in Berlin die Ergebnisse einer Studie für das Auswärtige Amt und die Heinrich-Böll-Stiftung vorgestellt.

"Bildet sich in China eine Zivilgesellschaft heraus?" wollten die beiden gewichtigen Auftraggeber aus der Hauptstadt wissen und hatten dabei konkrete Aspekte im Blick: Nichtregierungsorganisationen (NGOs) in China, Partizipation der Stadt- und Landbewohner, Wahlen und soziale Sicherung in den Nachbarschaftsvierteln chinesischer Großstädte, die Rolle des Internets, Förderung von Bürger- und Unternehmenskulturen sowie Entwicklungszusammenarbeit Deutschland-China - all das sollten die jungen Wissenschaftler der Uni Duisburg-Essen berücksichtigen.


Für die Studierenden ist es nicht das erste Mal, dass sie ihr Wissen weitergeben können. Solch anspruchsvolle Aufgaben sind seit sechs Jahren Standard am Institut für Ostasienwissenschaften. In so genannten "Task-Force-Seminaren" geht es in jedem Semester um Politikberatung - und das nicht nur als nette Übung auf dem Papier, sondern ganz seriös und für einen reellen Auftraggeber aus Wirtschaft, Politik oder für eine Institution. Die Studierenden erhalten ein aktuelles Thema, erarbeiten eine Expertise und präsentieren die Ergebnisse anschließend in Staatskanzleien, Bundesämtern oder bei Wirtschaftsverbänden. "Werbung in China" und "Biotechnologie in Japan" waren u.a. Themen vergangener Semester.

Dass die Ostasienwissenschaftler in vielen Bereichen gefragte Experten sind, hat für Prof. Heberer vor allem mit der praxisnahen Ausbildung zu tun: "Wir sozialwissenschaftliche Chinaforscher etwa betreiben im Gegensatz zu anderen chinabezogenen Ausbildungs- und Forschungsinstitutionen in Deutschland - für unsere Lehre und Forschung regelmäßig Feldstudien in China. Die Studierenden sind immer beteiligt. So lassen sich dann aktuelle Kenntnisse über das "Reich der Mitte" zu einer qualitativ hochwertigen und in Deutschland einmaligen Chinaberatung verdichten", sagt der China-Fachmann.

Ende Januar bekamen die Auftraggeber von der "Task-Force" aus Duisburg nun die gewünschte Expertise präsentiert. Mit am Tisch saßen der Bundesvorsitzende der Grünen Reinhard Bütikofer, der stellvertretende Leiter des Planungsstabes des Auswärtigen Amtes Dr. Kreft und der Duisburger Bundestagsabgeordnete Johannes Pflug als Vertreter des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages. Die Ostasienwissenschaftler empfehlen den Politikern, in der Entwicklungszusammenarbeit Projekte mit NGOs und sozialen Problemgruppen (Aidskranke, Straßenkinder und Prostituierte) stärker zu berücksichtigen, ebenso sollen sie soziale Mitgestaltung in Nachbarschaftsvierteln, Regierungshandeln mit Hilfe des Internets (E-Government), die soziale Verantwortung von Privatunternehmern oder lokale Rechtsberatungsstellen fördern. Zu diesen Vorschlägen entspann sich anschließend eine rege Diskussion auch mit Vertretern des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit.

Auswärtiges Amt wie Böll-Stiftung erklärten in ihren Schlussbemerkungen, sie wünschten, von den Ostasienwissenschaften der Uni DuE bei ihren China-Aktivitäten auch in Zukunft weiter beraten zu werden.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Thomas Heberer, Tel. 0203/379-3727


Ulrike Bohnsack, Universität Duisburg-Essen
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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