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Fachhochschule Göttingen im DRK, 11.04.05

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Fachhochschule Göttingen im DRK, 11.04.05

Studie zu "Vorkommen, Ursachen und Vermeidung von Pflegemängeln in Nordrhein-Westfalen" erschienen

Die Studie "Vorkommen, Ursachen und Vermeidung von Pflegemängeln in Nordrhein-Westfalen" von Prof. Dr. Vjenka Garms-Homolová, Institut für Gesundheitsanalysen und soziale Konzepte (IGK), Berlin und Prof. Dr. Günter Roth, Fachhochschule im DRK, Göttingen im Auftrag der Enquetekommission "Situation und Zukunft der Pflege in NRW" im Landtag von Nordrhein-Westfalen bringt Mängel ans Licht. Sie zeigt aber auch Hintergründe und Ansätze, wie man diese Mängel vermeiden kann.

Nachgewiesen wurden in der Studie zum Teil gravierende Defizite bei der 'Ergebnisqualität', also den tatsächlichen Zuständen von Pflegebedürftigen, die erstmals unter Verwendung neuester wissenschaftlicher Assessment-Instrumente umfassender wissenschaftlich untersucht wurden. Die Studie zeigt, dass die Pflegekräfte nur teilweise fähig sind, Probleme und Ressourcen der Pflegebedürftigen angemessen einzuschätzen. Es gibt eine ganze Reihe von Symptomen, die nicht erkannt und falsch interpretiert werden. Wenn der Zustand der Klientinnen richtig eingeschätzt wird, so hat er in den untersuchten Einrichtungen eine sehr geringe Relevanz für die Pflegeplanung und die Gestaltung des Pflegeprozesses. Die Mehrheit der Symptome wird weder angemessen dokumentiert, noch hat sie irgendeine Relevanz für die Pflegeplanung. Mangelhaft ist auch die geringe Aktualität der Pflegeplanung.


Die Studie nennt fünf Hauptursachen für diese Zustände:
1. Es herrscht weitgehendes Unverständnis für die Bedeutung der Pflegedokumentation und Pflegeplanung. Sie werden nicht als Maßnahmen für die Klientinnen und die Erleichterung der eigenen Arbeit verstanden, sondern als Erfüllung bürokratischer Anforderungen.
2. Die Pflegedokumentations- und Pflegeplanungsinstrumente, die in den Einrichtungen verwendet werden, eignen sich nur mangelhaft.
3. Die Pflegekräfte sind nur beschränkt klinisch qualifiziert. Sie verstehen viele wichtige Symptome nicht.
4. Für den ambulanten Bereich stellt der Zeitmangel ein erhebliches Problem dar.
5. Das Interesse an einer "positiven" Pflegewirkung fehlt. Das liegt nicht zuletzt an den gesetzlichen Bestimmungen und der Kostenerstattung. Diese folgen dem Konzept der leistenden und verwahrenden, weniger der präventiven oder rehabilitativen Pflege. Der Schwerpunkt der Kontrolle liegt auf der Erledigung der anstehenden Verrichtungen, nicht auf dem Ergebnis der Tätigkeit Pflege. Diese Haltung hat sich in einer fatalen Weise im gesamten System durchgesetzt.

Die Pflegekräfte versorgen also verwahrend und konservierend, was unnötigerweise zur Immobilität oder Inkontinenz und anderen zum Teil gravierenden Befunden führt. Da hat die ursachenorientierte systematische und präventive Pflegeplanung keinen Platz. Zudem fehlt den Pflegekräften das Verständnis für die systematische Eigenkontrolle und ebenso die geeigneten Instrumente. Deshalb sind sie nicht in der Lage, ihre eigene Tätigkeit als ein potentiell risikoreiches Handeln zu sehen. Sie sind dazu ausgebildet, sich einer Fremdkontrolle zu unterziehen, anstatt sich selber kontrollieren zu lernen. Hinzu kommt, dass die Fähigkeit, Risikopersonen rechtzeitig zu identifizieren und den Risiken individuell vorzubeugen, begrenzt ist. Auch hier spielen die Mängel des Dokumentationshandelns und die völlig ungeeigneten Instrumente in der Praxis eine entscheidende Rolle. Ansonsten sind auch die Defizite des Fachwissens des Pflegepersonals von entscheidender Bedeutung.

Ein wesentlicher Beitrag der Studie "Vorkommen, Ursachen und Vermeidung von Pflegemängeln in Nordrhein-Westfalen" von Prof. Garms-Homolová und Prof. Roth besteht nicht zuletzt darin, dass diese belegt, wie man mit einer Maßnahme nicht nur die Pflegeleistung - durch die konsequente Vorgehensweise des Pflegeprozesses - künftig verbessern, sondern auch andere Schritte zur Qualitätsverbesserung schaffen könnte. Diese wären angesichts der Situation der Pflege dringend notwendig.
Die Studie besteht aus einer Literaturanalyse und einer empirischen Primärerhebung und kann mit dem gesamten Abschlussbericht der Kommission bezogen werden bei:
Landtag Nordrhein-Westfalen
Referat I.1
Frau Gisela Lange
Platz des Landtags 1
40221 Düsseldorf
http://www.landtag.nrw.de/....1/EK/EK3/Abschlussbericht.jsp

Vor zwei Jahren, im April 2003, hat die Fachhochschule im DRK ihren Lehrbetrieb aufgenommen. Die sechssemestrigen Studiengänge bilden Managementkompetenzen für den Gesundheits- und Sozialbereich aus und führen zum international anerkannten Abschluss "Bachelor of Arts". Weitere Informationen zu den Studiengängen und zur Bewerbung unter: www.drk-fachhochschule.de .

Weitere Informationen:


Christine Siemens, Fachhochschule Göttingen im DRK
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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