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Hans-Böckler-Stiftung, 06.11.06

Studie - Bei Entlassungen: Erfolgsprämien für Manager bremsen Engagement der Beschäftigten

Wenn Unternehmen Beschäftigte entlassen oder Löhne und Gehälter kürzen, wollen sie damit Kosten senken. Doch nicht immer geht die Rechnung auf. Empfinden die verbleibenden Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Entscheidungen als ungerecht, mindert das ihr Engagement - mit negativen Folgen für ihr Unternehmen. Wie stark dieser Effekt ist, hängt wesentlich davon ab, ob sich das Management aus Sicht der Beschäftigten fair verhält oder nicht. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Erhebung der Universitäten Jena und Hannover, die die Hans-Böckler-Stiftung gefördert hat.


Wie die Befragung von mehr als 3000 Beschäftigten ergibt, hat fast die Hälfte aller Ostdeutschen und gut ein Drittel aller Westdeutschen zwischen 1999 und 2004 im eigenen Betrieb Entlassungen erlebt. Dabei können Entlassungen durchaus unterschiedlich wahrgenommen werden. Kündigungen wegen eines allgemeinen Absatzeinbruchs bewerten Beschäftigte als weitaus "gerechter" als solche, die Folge gestiegener Produktivität sind, etwa weil eine neue Produktionstechnik eingeführt wurde. "Aus Sicht der Befragten sind Unternehmensentscheidungen, die Entlassungen nach sich ziehen, also eher dann gerechtfertigt, wenn dringende betriebliche Gründe vorliegen, die über eine bloße Gewinnsteigerung hinausgehen", folgert das Wissenschaftlerteam.

Das Urteil der Beschäftigten ist für Unternehmen relevant, denn es wirkt sich auf die Leistungs- und Kooperationsbereitschaft der verbliebenen Mitarbeiter aus: So gibt etwa jeweils ein Drittel der Befragten an, nach Entlassungen habe sich die Zusammenarbeit unter den Beschäftigten verschlechtert. Gut 40 Prozent sagen, das Engagement für das Unternehmen habe sich verringert. Ein Viertel spricht von einer größeren Bereitschaft, bei Gelegenheit die Firma zu verlassen. Noch gravierender fallen die Folgen für die Kooperation nach einer Lohnkürzung aus.

Einen zentralen Einfluss auf die Reaktionen der Belegschaft hat das Verhalten des Managements. Wenn die Unternehmensleitung glaubhaft versucht hat, Entlassungen zu vermeiden oder großzügige Abfindungen bewilligt, wirke sich das positiv aus, so die Wissenschaftler. Besonders negativ erscheine dagegen, wenn die Unternehmensleitung im Zuge von Entlassungen eine Erfolgsprämie oder eine Erhöhung der Bezüge erhält. "Erfolgsprämien für das Management werden mit heimlichem Protest quittiert, wenn der Unternehmensgewinn auf Kosten der Arbeitnehmer verteilt wird", analysiert PD Dr. Olaf Struck von der Universität Jena.

Weitere Informationen:


Rainer Jung, Hans-Böckler-Stiftung
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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