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Rheinisch-Westfälisches Institut für..., 24.03.06

Stahlproduktion 2005 rückläufig, für 2006 Anstieg erwartet

In Deutschland wurde 2005 4% weniger Rohstahl als im Vorjahr erzeugt. Dennoch war es kein schlechtes Jahr für die Stahlindustrie: Die Auslastung der Werke lag mit 86% über dem langfristigen Durchschnitt und die Gewinnsituation der Unternehmen verbesserte sich. Bereits gegen Ende 2005 zog die Stahlproduktion in Deutschland wieder an. Für 2006 erwartet das RWI Essen einen Anstieg der Rohstahlproduktion um 2,4%.

Der Rückgang der Produktion im vergangenen Jahr war offensichtlich eine technische Reaktion auf den ungewöhnlich starken Anstieg 2004 - damals erreichte die deutsche Stahlproduktion mit 46,4 Millionen Tonnen das höchste Niveau seit der Wiedervereinigung. Aufgrund der starken Nachfrage aus dem asiatischen Raum, insbesondere aus China, stiegen die Exporte außergewöhnlich stark. Zudem hatten die Stahlhändler und -verwender Engpässe befürchtet und daher ihre Lager deutlich aufgestockt. Im abgelaufenen Jahr wurden die Lagerbestände wieder reduziert, zudem ging die Ausfuhr zurück.


Inländische Stahlnachfrage wird 2006 spürbar zunehmen

Die Stahlnachfrage im Inland blieb 2005 lebhaft und nimmt 2006 voraussichtlich spürbar zu. Da das RWI Essen erwartet, dass das Wirtschaftswachstum von den Exporten und den Investitionen getragen sein wird, dürften die stahlintensiven Industrie- und Gewerbezweige in Deutschland ihre Produktion 2006 um 3,7% ausweiten. Ein großer Teil des heimischen Stahlbedarfs wird jedoch erfahrungsgemäß aus Einfuhren bedient. Außerdem dürften die Stahlhändler- und -verbraucher den Lagerabbau noch nicht abgeschlossen haben. Der höhere Stahlbedarf wird deshalb nicht in vollem Umfang in eine gesteigerte Produktion umgesetzt. Daher erwartet das RWI Essen für 2006 einen Anstieg der Rohstahlerzeugung um 2,4 und für 2007 einen Zuwachs um 1,8 %. Im Jahresdurchschnitt 2005 arbeiteten in der Stahlbranche rund 91.100 Beschäftigte und damit 1,2% weniger als im Vorjahr. Trotz des erwarteten Produktionszuwachses dürfte der Personalabbau wegen des Produktivitätsfortschritts anhalten, wenn auch in moderatem Tempo.

China ist mittlerweile Netto-Stahlexporteur

Weltweit wurde 2005 5,9% mehr Rohstahl produziert als im Vorjahr, womit sich die seit 2000 beobachtete Tendenz fortsetzte. Zuletzt waren ähnlich hohe Steigerungen in den fünfziger und sechziger Jahren beobachtet worden. Die enorm hohe Nachfrage aus China prägt weiterhin den Weltmarkt für Stahl - dort wird inzwischen ein Drittel der weltweiten Produktion verbraucht. Allerdings wurden die Produktionskapazitäten allein 2005 um fast 25% ausgeweitet, so dass sich China vom Netto-Stahlimporteur zum -exporteur wandelte. Dies gilt jedoch vor allem für einfachere Qualitäten. Bei Qualitätsprodukten wie Flach- und Edelstahl ist China weiterhin auf Importe angewiesen.

Die Stahlnachfrage dürfte auch 2006 weltweit spürbar wachsen. Allerdings ist mit einem weiteren Kapazitätsausbau zu rechnen. Hieraus resultieren Risiken für die deutsche Stahlindustrie: Einerseits dürften bei weiter steigender Stahlproduktion Eisenerz, Koks und andere Einsatzstoffe teuer bleiben. Andererseits könnten die Produktpreise, die immer noch hoch sind, sinken, wenn die neuen Kapazitäten stärker in den Weltmarkt drängen als angenommen. Als Folge daraus kämen die Margen der deutschen Produzenten unter Druck.

Ihre Ansprechpartner dazu:
Dr. Roland Döhrn Tel.: (0201) 8149-262
Sabine Weiler (Pressestelle) Tel.: (0201) 81 49-213

Dieser Pressemitteilung liegt der "RWI : Stahlbericht" aus dem aktuellen Konjunkturbericht des RWI Essen zugrunde, unter www.rwi-essen.de/kb als pdf-Datei erhältlich.

Weitere Informationen:


Joachim Schmidt, Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung e.V.
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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