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Julius-Maximilians-Universität Würzburg, 27.09.05

Sozialverträglicher Vorschlag zum Abbau der Arbeitslosigkeit

Wie lässt sich die Arbeitslosigkeit verringern, ohne dass gleichzeitig die Nettolöhne der Arbeitnehmer und die Einkommen der Arbeitslosen sinken? Die Wirtschaftswissenschaftler Klaus Wälde von der Uni Würzburg und Jörg Lingens aus Regensburg glauben, auf diese Frage eine Antwort gefunden zu haben.

"Wir schlagen zwei kleine und leicht umzusetzende Änderungen vor, die sowohl die Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften als auch die Regierung zufriedenstellen sollten", sagt Professor Wälde. Nur wenn diese drei Gruppen von einem Reformvorschlag profitieren, sei eine Neuerung politisch durchsetzbar. Die Idee der Forscher besteht darin, die Lohnersatzquote zu senken und bei Geringverdienern die Lohnnebenkosten zu reduzieren.

Wer seinen Job verliert, bekommt im ersten Jahr der Arbeitslosigkeit derzeit 60 Prozent seines letzten Nettolohns als Arbeitslosengeld. Die Senkung dieser so genannten Lohnersatzquote läuft den Wissenschaftlern zufolge darauf hinaus, dass die Arbeitnehmerseite bei Tarifverhandlungen Lohnkürzungen eher in Kauf nehmen werde. Das senke die Lohnkosten der Arbeitgeber, was wiederum eine höhere Beschäftigung nach sich ziehe. "Dafür sprechen viele theoretische und empirische Gründe", schreiben die zwei Volkswirte in der neuen Ausgabe der Zeitschrift "Wirtschaftswissenschaftliches Studium".

Für die Arbeitnehmer aber bedeutet das niedrigere Nettolöhne und für die Arbeitslosen geringere Lohnersatzleistungen. Um dem entgegenzusteuern, soll laut Wälde und Lingens der Abgabensatz (Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge) bei den unteren Einkommensgruppen gesenkt werden. "Die Sozialbeiträge könnten progressiv verlaufen, wie beim Steuersystem", sagt Wälde, der an der Uni Würzburg den Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Internationale Makroökonomie innehat.

Diese zwei Maßnahmen würden "sicherstellen, dass die Nettolöhne und die Einkommen der Arbeitslosen auf dem Niveau vor der Reform gehalten werden", so die Autoren in ihrem Beitrag. Alles in allem: Nettolöhne und Lohnersatzleistungen bleiben stabil, für die Arbeitgeber verringern sich die Lohnkosten, dadurch steigt die Beschäftigung.

Zudem werde das Budget der Regierung durch eine solche Reform nicht belastet. Zwar gebe es Ausfälle bei Steuer- und Sozialversicherungseinnahmen, doch zugleich müsse für die Arbeitslosen insgesamt weniger gezahlt werden, da sich deren Anzahl reduziert. Eine ausführliche Darstellung des Vorschlags ist unter dem Link "Mehr Arbeit bei gleichem Nettolohn" auf der Homepage von Professor Wälde in englischer Sprache abrufbar: http://www.waelde.com

Weitere Informationen: Prof. Dr. Klaus Wälde, T (0931) 31-2950, Fax (0931) 888-7025, E-Mail: klaus.waelde@mail.uni-wuerzburg.de


Robert Emmerich, Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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