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Ruhr-Universität Bochum, 11.07.05

RUB-Forscher schließt Lücke in der Krupp-Forschung: Das Jahrhundertfest des Krupp-Imperiums

Beinahe hemmungslos erwies Kaiser Wilhelm II. dem Unternehmen Krupp seine Gunst. Grund waren die wirtschaftlichen Erfolge des größten deutschen Stahlkonzerns, seine Rolle als wichtigster, international hochangesehener deutscher Waffenproduzent und seine sozialpolitischen Leistungen. Das Bündnis zwischen Kaiser und Krupp sicherte beiden Parteien Macht, es war wechselseitiger Schutz und Schirm. Gleichzeitig ist die Allianz aber auch Spiegelbild der Blütezeit des Kaiserreichs: So gratulierte der Kaiser persönlich zum 100-jährigen Krupp-Jubiläum. Die Feier war also mehr als ein beliebiges Firmenfest. Prof. Dr. Klaus Tenfelde zeigt in seinem soeben im Klartext-Verlag erschienenen Buch "Krupp bleibt doch Krupp. Ein Jahrhundertfest - das Jubiläum der Firma Fried. Krupp AG in Essen 1912" erstmalig, welche Symbolik die Kumpanei zwischen Kaiser und Krupp beherrschte.

Bochum, 11.07.2005
Nr. 221

Feiern für den Machterhalt
Das Jahrhundertfest des Krupp-Imperiums
Kanonen und des Kaisers Gunst

Beinahe hemmungslos erwies Kaiser Wilhelm II. dem Unternehmen Krupp seine Gunst. Grund waren die wirtschaftlichen Erfolge des größten deutschen Stahlkonzerns, seine Rolle als wichtigster, international hochangesehener deutscher Waffenproduzent und seine sozialpolitischen Leistungen. Das Bündnis zwischen Kaiser und Krupp sicherte beiden Parteien Macht, es war wechselseitiger Schutz und Schirm. Gleichzeitig ist die Allianz aber auch Spiegelbild der Blütezeit des Kaiserreichs: So gratulierte der Kaiser persönlich zum 100-jährigen Krupp-Jubiläum. Die Feier war also mehr als ein beliebiges Firmenfest. Prof. Dr. Klaus Tenfelde zeigt in seinem soeben im Klartext-Verlag erschienenen Buch "Krupp bleibt doch Krupp. Ein Jahrhundertfest - das Jubiläum der Firma Fried. Krupp AG in Essen 1912" erstmalig, welche Symbolik die Kumpanei zwischen Kaiser und Krupp beherrschte.


Buch schließt Lücke in der Kruppforschung

Die Geschichte der Firma Krupp ist jüngst wiederholt Gegenstand von Überblicksdarstellungen und monographischen Abhandlungen gewesen, jedoch ohne sich mit dem großen Firmenjubiläum von 1912 zu beschäftigen. Prof. Tenfelde schließt diese Lücke. Die Feier des überragenden deutschen Industrie- und Rüstungskonzerns spiegelt in vielerlei Hinsicht die Festkultur des Kaiserreichs auf dem Höhepunkt seiner Macht. Bei Festen verdichten sich soziale, politische und mentale Zustände und Befindlichkeiten, sie sind ein treffender Spiegel ihrer Zeit. In seinem neuen Buch zeigt der Autor zudem, wie sehr die symbolischen Übersteigerungen des Festes das unbedingte Streben nach Machterhalt widerspiegeln.

Firmenfeier als Spiegelbild der Kultur

Prof. Tenfelde geht diesen Zusammenhängen nach und bezieht die reiche Bildüberlieferung mit ein. "Im Wechselbezug zum erläuternden und analysierenden Text kann die Betrachtung des Bildes manches erklären, was im Wort unerläutert bleibt", so Tenfelde. Die Abbildungen des Bandes entstammen beinahe ausnahmslos der Historischen Archiv Krupp. Die reiche Dokumentenlage beweist den hohen Stellenwert des Festes. Neben zahlreichen Fotografien zeigt der Band auch beispielsweise Dokumente, wie das Programm zum Festakt, Korrespondenzen und Redemanuskripte.

Organisatorische Planspiele

In dem Kapitel "Planungen und Vorbereitungen für ein Großereignis" recherchierte Tenfelde genau, welche organisatorischen Planspiele für das Großereignis notwendig waren. Für das einhundertjährige Jubiläum der Firmengründung und das Geburtsjahr des Industriepioniers Alfred Krupp war kein Aufwand zu groß; Krupp feierte eines der größten je inszenierten Firmenjubiläen. Der Konzern korrespondierte ab Januar 1911 regelmäßig mit dem kaiserlichen Gerichtshof in Berlin, um das genaue Festdatum festzulegen. Die Essener "Kaisertage" fielen auf den 8. und 9. Juli 1912 - nicht, weil es ein markantes Datum in der Chronik des Krupp-Imperiums so wollte, sondern weil Wilhelm II. in seinem Terminkalender Platz für den Besuch fand.

Repräsentationskultur ohne Frauen

Wie in einem Brennglas offenbart das Firmenjubiläum zugleich die Kultur jener Zeit: Das war eine Repräsentationskultur ohne Frauen, ohne die Gebildeten aus Wissenschaft, Erziehung, Kunst und Kultur. Ebenso sucht man vergebens Geistliche unter den Gästen. Das Fest kam ohne Religion aus - sieht man von den hehren Beschwörungen wie "Gott und Vaterland" einmal ab. "Der militärisch eingefärbte Machtwille durchtränkte den Alltag in einem heute schwer nachvollziehbaren Maße", lautet ein Fazit Tenfeldes. "Krupp bleibt doch Krupp. Ein Jahrhundertfest - das Jubiläum der Firma Fried. Krupp AG in Essen 1912" zeigt, wie sehr in den Spätjahren des Kaiserreichs militärische Traditionen und Machtrituale das öffentliche Leben bestimmten.

Titelaufnahme

Klaus Tenfelde: Krupp bleibt doch Krupp. Ein Jahrhundertfest - Das Jubiläum der Firma Fried. Krupp AG in Essen 1912. Klartextverlag Essen, 29,95 Euro (ISBN 3- 89861 - 364 - x).

Weitere Informationen

Prof. Dr. Klaus Tenfelde, Institut für Soziale Bewegungen der Ruhr-Universität, Clemensstraße 17-19, 44789 Bochum, Tel. 0234/ 32 - 14249, E-Mail: klaus.tenfelde@ruhr-uni-bochum.de


Dr. Josef König, Ruhr-Universität Bochum
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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