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Union der deutschen Akademien der Wissenschaften, 03.08.06

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Union der deutschen Akademien der Wissenschaften, 03.08.06

Recht auf Wissen

Um den freien Zugang zu den im Akademienprogramm erarbeiteten Grundlagenwerken zu sichern und die Interessen der Forschung im Publikationswesen zu wahren, ist die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften der sogenannten "Göttinger Erklärung zum Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft" beigetreten.

Sie betont, dass es für Bildung und Wissenschaft immer wichtiger werde, Wissen und Information auch auf elektronischem Wege zu verbreiten und zu erschließen. In einem fortlaufenden kommunikativen Prozess nutzten Forscher den Stand des bisherigen Wissens und bauten darauf auf. Dieser offene Austausch von Erkenntnissen dürfe laut der "Göttinger Erklärung" nicht durch restriktive Regelungen im Urheberrecht behindert werden, da die Leistungsfähigkeit der Wissenschaft direkt davon betroffen wäre. Dennoch müsse der freie Zugang zu Information und Wissen nicht vergütungsfrei sein. Es gelte vielmehr, faire gesetzliche Bedingungen zu finden, so dass die Nutzung von geschützten Werken angemessen vergütet, aber gleichzeitig deren Zugänglichkeit für Bildung und der Wissenschaft gewahrt werde.


Außerdem wurde Professor Dr. Gerald Spindler von der Akademienunion zu ihrem Urheberrechtsbeauftragten ernannt. Er wird sich im Namen der Mitgliedsakademien dafür einsetzen, dass bei der geplanten Novelle des Urheberrechts ihre Bedenken berücksichtigt werden. Dabei geht es den Akademien vor allem um § 137l UrhG-E. Die hier geplante Rechtsübertragungsfiktion hätte zur Folge, dass bislang unbekannte Nutzungsrechte automatisch den Verlagen zufallen würden, ohne dass die Interessen der Urheber und der intermediären Wissenschaftsorganisationen hinreichend beachtet würden.

Darüber hinaus hat die Arbeitsgruppe Elektronisches Publizieren der Akademienunion die "Münchener Empfehlungen" verabschiedet und auf dem Workshop "Vernetzungsstrukturen" den Teilnehmern vorgelegt. Ganz im Sinne der "Göttinger Erklärung" empfiehlt sie darin den in der Union zusammengeschlossenen Akademien, ihre Forschungsergebnisse - sofern nicht bereits geschehen - auch in elektronischer Form verfügbar zu machen. Dabei solle das Vernetzungspotential der elektronischen Medien so weitgehend wie möglich genutzt werden, sei es nun die Verknüpfung von Wörterbüchern mit ihren Quellen und digitalen Textarchiven, von kritischen Editionen mit ihren Überlieferungszeugen oder von Wörterbüchern untereinander. Als Primärpublikation könne man zwar auch in Zukunft nicht auf das Buch verzichten, schließlich sei die Buchform eine feste Referenzgröße und das wichtigste Langzeitarchivierungsmedium. Jedoch sollten die Daten für den Buchsatz von Anfang an in medienneutraler Form gespeichert und bereitgehalten werden, so dass eine Parallelpublikation als Buch und im Netz prinzipiell möglich sei. Auf dem Workshop "Vernetzungsstrukturen" trafen sich kürzlich in München über 50 Wissenschaftler aus Akademievorhaben und aus anderen repräsentativen Projekten unter anderem mit Vertretern der DFG, der Deutschen Nationalbibliothek und Archiven, um die Möglichkeiten der Vernetzung zu diskutieren.

Ihre Ansprechpartner

Prof. Dr. Kurt Gärtner,
Vorsitzender der Arbeitsgruppe Elektronisches Publizieren der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften
Tel.: 06421 / 35356; E-Mail: gaertnek@staff.uni-marburg.de

Prof. Dr. Gerald Spindler,
Beauftragter für Urheberrechtsfragen der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften
Tel.: 0551 / 39 53 38

Dr. Dieter Herrmann,
Generalsekretär der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften
Tel.: 06131 / 21 85 28 12, E-Mail: dieter.herrmann@akademienunion.de

Die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften ist die Dachorganisation von sieben Wissenschaftsakademien, die sich zur Umsetzung gemeinsamer Interessen zusammengeschlossen haben. Unter dem Dach der Union sind mehr als 1600 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen verschiedenster Fachrichtungen vereint, die zu den national und international herausragenden Vertretern ihrer Disziplinen gehören. Die Union koordiniert das "Akademienprogramm", das eines der größten und bedeutendsten geisteswissenschaftlichen Forschungsprogramme der Bundesrepublik Deutschland darstellt. So ist die Union zuständig für die Koordinierung und Durchführung gemeinsamer Forschungsvorhaben ihrer Mitgliedsakademien. Sie empfiehlt die Bildung von Schwerpunkten für verwandte Projekte, fördert die Kommunikation zwischen den Akademien und betreibt Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Sie kommuniziert mit Wissenschaftsorganisationen des In- und Auslandes und entsendet Vertreter in nationale und internationale Wissenschaftsorganisationen. Eine organisierte Zusammenarbeit der deutschsprachigen Akademien der Wissenschaften gibt es bereits seit über 100 Jahren. Sie geht zurück auf das sogenannte "Kartell", das 1893 in Leipzig für die Betreuung von über 30 gemeinsamen Akademie-Forschungsvorhaben gegründet wurde.

Weitere Informationen:


Myriam Hönig, Union der deutschen Akademien der Wissenschaften
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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