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Ruhr-Universität Bochum, 29.07.04

Vom "Städtekampf" bis zur "Gummistiefelgeneration": Gründung und Aufbau der RUB

Als am 30. Juni 1965 die Ruhr-Universität Bochum mit einem feierlichen Festakt im Bochumer Schauspielhaus eröffnet wurde, war nicht nur eine politische Intrige zwischen den Städten Bochum und Dortmund vorläufig zu Ende gegangen; auch enorme Summen waren schon geflossen, um den Bau dieser ersten Universität im Ruhrgebiet zu sichern. Nach nunmehr fast 40 Jahren ist jetzt die erste umfassende Gründungsgeschichte unter dem Titel "Euphorische Jahre - Gründung und Aufbau der Ruhr-Universität Bochum" im Essener Klartext-Verlag erschienen.

Bochum, 29.07.2004
Nr. 240

Vom "Städtekampf" bis zur "Gummistiefelgeneration"
Über die euphorischen Jahre zwischen Hochschulreform und Intrigen
Erste umfassende Geschichte über Gründung und Aufbau der RUB

Als am 30. Juni 1965 die Ruhr-Universität Bochum mit einem feierlichen Festakt im Bochumer Schauspielhaus eröffnet wurde, war nicht nur eine politische Intrige zwischen den Städten Bochum und Dortmund vorläufig zu Ende gegangen; auch enorme Summen waren schon geflossen, um den Bau dieser ersten Universität im Ruhrgebiet zu sichern. Nach nunmehr fast 40 Jahren ist jetzt die erste umfassende Gründungsgeschichte unter dem Titel "Euphorische Jahre - Gründung und Aufbau der Ruhr-Universität Bochum" im Essener Klartext-Verlag erschienen. Darin schildert der Bochumer Historiker Dr. Hans Stallmann in gut lesbarem Stil den Aufbau der ersten und größten Hochschulansiedlung der Bundesrepublik vor dem Hintergrund nationaler und regionaler Entwicklungen.


Im Archiv geforscht und Interviews geführt

Die ersten Jahre der RUB waren von Euphorie und Aufbruchstimmung geprägt. Geld spielte keine Rolle. Die RUB sollte die überlaufenen Hochschulen in NRW (Köln, Aachen und Münster) entlasten und Bildungsreserven im Ruhrgebiet mobilisieren. Ihre Ansiedlung im damals noch grauen, von Kohle und Stahl geprägten Industrierevier kam geradezu einer Kulturrevolution gleich. Wie es zur Entscheidung für Bochum kam, welche Aufgaben der RUB zugedacht waren und welche sie dann tatsächlich angenommen hat, darüber berichtet nun Dr. Stallmann. Zwei Jahre lang hat er dafür das mittlerweile sehr umfangreiche Archiv der RUB durchforstet und zudem zahlreiche Interviews mit ehemaligen Professoren und Politikern wie Kurt Biedenkopf und Paul Mikat geführt.

Konkurrierende Revierstädte

Insbesondere die harten Auseinandersetzungen, die sich die konkurrierenden Revierstädte Bochum und Dortmund um den Standort lieferten, zeichnet der Autor äußerst spannend nach. Dabei entzaubert er so manchen bis heute bestehenden Mythos um den "Städtekampf". So weist er u.a. nach, dass die Entscheidung für Bochum keineswegs in erster Linie auf Ruhrbischof Hengsbach oder die Tatsache zurückzuführen ist, dass Dortmund zu "rot" für die damalige Alleinregierung der CDU in Nordrhein-Westfalen war. Stattdessen glaubte der damalige Kultusminister Schütz sich die Hochschulgründung nur mit einer Ansiedlung in Bochum an die eigene Fahne heften zu können. Stallmann beleuchtet auch die entscheidende Rolle, die der damalige NRW-Innenministers Hermann-Josef Dufhues gespielt hat, immerhin ein Bochumer Bürger. Dadurch ist es ihm gelungen, eine sehr anschauliche, durch manche Anekdote angereicherte Gründungsgeschichte zu verfassen, die dem Leser viel Neues über die Entwicklung der Universität und des Ruhrgebiets bietet. Man erfährt ebenso Wissenswertes über die architektonische Gestaltung und den äußerst rasant vorangetriebenen Aufbau wie über die inhaltliche Konzeption und die Auswirkungen der Hochschulansiedlung für die Region.

Euphorie beim Aufbau

Vor allem gelingt es Hans Stallmann, dem Leser die heute kaum noch nachvollziehbare Euphorie beim Aufbau vor Augen zu führen. Mit enormen Summen trieb die Regierung von Ministerpräsident Meyers die rasante Verwirklichung dieses Prestigeprojekts voran, wovon man sich auch nicht durch erhebliche Bergschäden auf dem Gelände in Querenburg abbringen ließ. Auch als man direkt zu Baubeginn förmlich in ein Loch fiel, weil der über hundert Meter lange Flöz Sonnenschein direkt unter dem Baugelände lag, ließen sich die Verantwortlichen nicht lange irritieren und verschoben das gesamte Bauwerk kurzerhand um 60 Meter nach Süden. Viele Probleme löste man damals so unbürokratisch, so dass bereits 18 Monate nach Baubeginn der Lehrbetrieb beginnen konnte. Bereits 1970 waren an der Ruhr-Universität mehr als 10.000 Studenten eingeschrieben, womit die Hochschule über genauso viele Kommilitonen verfügte, wie alle anderen 13 Universitätsgründungen in der Bundesrepublik zusammen. Da viele aus dem Ruhrgebiet und insbesondere aus Arbeiterhaushalten kamen, trug die Ruhr-Universität schon früh ganz erheblich zum Strukturwandel des Ruhrgebiets bei.

Titelaufnahme und Rezensionsexemplare

Hans Stallmann, "Euphorische Jahre. Gründung und Aufbau der Ruhr-Universität Bochum", Klartext Verlag, Essen 2004, ISBN 3-89861-318-6. Rezensionsexemplare sind beim Verlag direkt zu bestellen: Klartext Verlag Essen, Heßlerstraße 17, 45329 Essen, 0201/86206-31, Fax: 0201/86206-22, http://www.klartext-verlag.de

Weitere Informationen

Dr. Hans Stallmann, Tel. 0211/6214-420, E-Mail: hans_stallmann@yahoo.de

Weitere Informationen:


Dr. Josef König, Ruhr-Universität Bochum
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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