"Sonderbehandlung" für Arzneimittel in Tablettenform
Preisträgerin Nadine Walther studierte von 1999-2004 am Fachbereich Ingenieurwissenschaften (Institut für Verfahrenstechnik) und seit März 2004 wissenschaftliche Mitarbeiterin der ChemiePark Institut GmbH Bitterfeld mit Arbeitsplatz am Institut für Verfahrenstechnik/Ther-mische Verfahrenstechnik der Martin-Luther-Universität um bei Prof. Dr.-Ing. Joachim Ulrich zu promovieren. "Danach ist geplant, endgültig nach Bitterfeld zu wechseln" sagt Frau Walther. Für sie sei es durchaus vorstellbar in einigen Jahren die eigene Firma zu gründen und den Sonderpreis dafür zu nutzen. Denn dieser beinhaltet die Zusicherung, dass ihr als Existenzgründerin für 6 Monate mietfrei Büro- und Laborfläche zur Verfügung gestellt wird.
Bereits in ihrer Diplomarbeit hat sich die junge Verfahrenstechnikerin mit den Problemen, die bei der Tablettierung von Arzneistoffen auftreten, beschäftigt. Zu diesem Zweck weilte Nadine Walther 2003 zwei Monate an der Universität im ungarischen Szeged, wo sie am Institut für pharmazeutische Technologie ihre Forschungen durchführen konnte. Die fruchtbare Zusammenarbeit wurde vom DAAD tatkräftig unterstützt.
So reifte bei der jungen Wissenschaftlerin der Entschluss, die Ergebnisse der Diplomarbeit im Rahmen ihrer Promotion weiter auszuloten und nach einem Verfahren zu suchen, das die Probleme bei der Tablettierung von Arzneistoffen - trotz moderner Methoden - vermindert. Etliche Materialien sind temperaturempfindlich und beim Standardtablettenverpressen entstehen unter anderem sehr starke Drücke und häufig auch hohe Temperaturen. Die Folge ist, dass die in den Medikamenten vorhandenen Enzyme in ihrer Wirkung gehemmt werden. Deswegen kommt es häufig zu einem Funktionalitätsverlust.
"Um diese negativen Einflüsse aufzuhalten", erklärt Nadine Walther, "hatten wir die Idee, ein Verfahren, welches bisher nur in der Keramikherstellung verwendet wurde, für Pharmazeutika anzuwenden. Hierbei handelt es sich um das Freeze-Casting (Sol-Gel-Prozess), welches das Gefrieren einer wasserhaltigen Suspension (Aufschwemmung) und die anschließende Trocknung darstellt. Bei den Keramiken hat sich dabei als Vorteil erwiesen, dass der apparative Aufwand gering und das Verfahren umweltfreundlich ist, weil keine giftigen Substanzen verwendet werden müssen. Bei den Versuchen haben wir dann nachgewiesen, dass diese Herstellungsform auch im pharmazeutischen Sektor anwendbar ist. Der Gewinn für die Pharmaindustrie besteht darin, dass zuvor nicht tablettierbare Materialien nun auch in fester Darreichungsform hergestellt werden können."
Kontakt:
Prof. Dr.-Ing. Joachim Ulrich
Tel.: 0345 55-28400
E-Mail: joachim.ulrich@iw.uni-halle.de
Nadine Walther
Tel.: 0345 55-28409
E-Mail: nadine.walther@iw.uni-halle.de



