Hilfe: Sie befinden sich auf...

Private Universität Witten/Herdecke gGmbH, 20.08.04

Archiv

... einer Artikelseite. Sie zeigt den vollständigen Text einer Nachricht.
Sie können auf die im Artikel enthaltenen Bilder klicken, um eine größere Version des Bildes angezeigt zu bekommen.

Am Fuß der Seite finden Sie drei Boxen mit weiteren Aktionsmöglichkeiten:
Über die linke Box können Sie zum vorhergehenden, bzw. nachfolgenden Artikel in diesem Bereich navigieren.
In der mittleren Box können Sie diesen Artikel bewerten.
In der rechten Box kommen Sie zu einer Druckversion dieses Artikels, Sie können den Link dieses Artikels an einen E-Mail-Empfänger verschicken und Sie können diesen Artikel auf einen Merkzettel legen, um ihn leichter wiederzufinden.

Hilfe: Generell zu dieser Seite

Bei NETZGUT finden Sie Nachrichten aus dem Netz.
Zu der Nachricht Ihres Interesses können Sie auf drei Wegen gelangen:

Im Archiv sind die Nachrichten nach Bereichen getrennt.
Unter Themen finden Sie Nachrichten bereichsübergreifend zu einem bestimmten Thema.
Über die Schlagworte gelangen Sie zu den Artikeln, denen eben jene Schlagworte zugeordnet wurden. Auch diese Einordnung ist bereichsübergreifend.

Übrigens: Der Hilfe-Button gibt Ihnen zu jeder Seite die passenden Informationen.

Private Universität Witten/Herdecke gGmbH, 20.08.04

"Nicht chinesischer sein wollen als ein Chinese"

"Forschungsoffensive", Teil 6: Unterschiedliche Kommunikationsbedürfnisse der Manager können Zusammenarbeit zwischen Ost und West erschweren

Christoph Daniel Jungermann interviewte Top-Manager eines chinesisch-deutschen Jointventures

Woran liegt es wohl, dass deutsche, wie auch andere westliche Firmen in China bisher nicht so recht Fuß fassen konnten? Ein Grund besteht sicherlich in den unterschiedlichen Kulturen. Sollten deutsche Manager nun so weit wie möglich die chinesische Mentalität annehmen? Nein, sagt Christoph Daniel Jungermann, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Witten/Herdecke. Diese Strategie könne sogar kontraproduktiv wirken. Viel Erfolg versprechender sei es, die Unterschiede zu benennen und damit fruchtbar zu machen.


Folgende Erfahrungen haben viele deutschen Firmen in China gemacht: Obwohl die Produktionskosten billiger erschienen und der Absatzmarkt ein riesiges Wachstumspotenzial versprach, lassen Rentabilitätsschwelle, Gewinnerwartung und das Erreichen deutscher Qualitätsvorstellungen nach wie vor auf sich warten. Zudem erwiesen sich die chinesischen Mitarbeiter als sehr viel schwerer zu motivieren, als von Deutschland aus prognostiziert. Der Grund: "Es gab Kosten, mit denen keiner gerechnet hat, nämlich Beziehungskosten", so der Wittener Wirtschaftswissenschaftler Daniel Christoph Jungermann. Entstanden seien diese Kosten vor allem wegen unterschiedlicher Kommunikationsbedürfnisse zwischen chinesischen und deutschen Managern.

Wie westliche und östliche Führungskräfte miteinander umgehen und was dabei verbessert werden kann, untersuchte Jungermann in einer interviewbasierten Fallstudie zu den Beziehungen zwischen Top-Managern eines chinesisch-deutschen Jointventures in Shanghai. Der Diplomand der Wittener Wirtschaftsfakultät befragte sowohl chinesische als auch aus Europa stammende Mitarbeiter des Unternehmens. Ein - zumindest auf den ersten Blick - paradoxes Ergebnis: Am ineffektivsten und kostspieligsten für das Unternehmen agierte eine Zweiergruppe, in der der Chinese möglichst westlich handeln wollte und der Europäer sehr bemüht war, einen eher östlichen Kommunikationsstil zu praktizieren. Ein wichtiger Faktor für erfolgreiche und nachhaltige Zusammenarbeit, so Jungermann, ist Authentizität: "Man sollte gar nicht erst versuchen, chinesischer als ein Chinese sein zu wollen." Das provoziere nur immer mehr Missverständnisse.

Gleichwohl ist das Wissen um die generellen Kommunikationsgewohnheiten der Kulturen Voraussetzung für eine gelingende Kooperation. Europäer neigen dazu, Sachverhalte möglichst schnell und deutlich auf den Punkt zu bringen. Chinesen hingegen nähern sich dem Kern ihrer Aussage nur Schritt für Schritt, wobei sie manche Punkte nur andeuten. Jungermann rät in seiner Studie zur "Chamäleonitis". Beide Seiten sollten sich einander anpassen, ohne aber den eigenen kulturellen Hintergrund zu verleugnen. Weitere interkulturelle Kompetenzen bestehen im Aufbau von Vertrauen auf sachlicher und persönlicher Ebene und dem Respekt vor der Verschiedenheit der Kulturen ohne Veränderungs- und Beeinflussungsanspruch.

Bei allem gegenseitigen Bemühen: Eine Fähigkeit können Europäer von Chinesen auf jeden Fall lernen: das Zuhören. Daniel Christoph Jungermann: "In China ist prinzipiell der Zuhörer für die Verständigung verantwortlich. Er muss sich bemühen, das Gehörte einzuordnen und die Nachricht zu entschlüsseln." Im Westen hingegen werde erwartet, dass der Sprecher sich klar und eindeutig ausdrückt.

Referenz: Daniel Christoph Jungermann: Wie ist Beziehungsdesign in kulturell vielfältigen Begegnungen möglich?, Eine Analyse möglicher Potentiale/Fallstricke von Diversity Management anhand einer Interview-basierten Fallstudie in einem chinesisch-deutschen Joint Venture in der Volksrepublik China 2003, unveröffentlichte Diplomarbeit im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Universität Witten/Herdecke, Juni 2004

Weitere Infos:
Christoph Daniel Jungermann, Tel.: 02302/285741, Mail: cdjung@web.de


Dr. Olaf Kaltenborn, Private Universität Witten/Herdecke gGmbH
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

Weitere Artikel in diesem BereichBewerten Sie diesen ArtikelToolbox
Szenarien der Agrarpolitik - Liberalisierung und umweltpolitische Zielsetzungen 
 Uni Erlangen-Nürnberg: Rentenabschläge haben nur begrenzte Wirkung auf Renteneintrittsalter