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Bertelsmann Stiftung, 02.07.04

Global operierende Konzerne erkennen ökonomische Relevanz der Unternehmenskultur

Bertelsmann Stiftung legt Ergebnisse einer internationalen Manager-Befragung vor

Berlin, 2. Juli 2004. Führungskräfte global agierender Konzerne erkennen immer mehr die ökonomische Relevanz der Unternehmenskultur. Dennoch scheitern Firmenzusammenschlüsse und -übernahmen in den USA und Japan oftmals am Tunnelblick auf die viel versprechenden Marktchancen. Interkulturelle Probleme werden zwar zunehmend erkannt, aber bei wichtigen Entscheidungen noch zu wenig berücksichtigt. Darüber hinaus hält der Großteil der Instrumente zur Gestaltung von Unternehmenskultur mit dem beschleunigten und komplexen Globalisierungsprozess nicht mehr Schritt. Dies ist das zentrale Ergebnis einer Studie der Bertelsmann Stiftung zu den unternehmenskulturellen Unterschieden und Proble­men in Europa, Japan und den USA, die heute in Anwesenheit der CDU-Bundesvorsitzenden Angela Merkel in Berlin vorgestellt wurde.


Im Rahmen der Untersuchung wurden rund 200 Führungskräfte der Top-Management-Ebene in den Firmen BASF AG, Bertelsmann AG, Deutsche Lufthansa AG, Deutsche Post World Net (Danzas, DHL), Henkel KGaA, Nestlé AG, Pfizer GmbH, Toyota Deutschland GmbH und Volkswagen AG nach ihren Erfahrungen mit unterschiedlichen Unternehmenskulturen befragt. Autoren der Studie sind Professor Wolfgang Dorow, Europa-Universität Viadrina, Frankfurt/Oder und Professor Gerhard Reber, Johannes Kepler Universität, Linz.

Die Untersuchung zeigt, dass in Japan die große Loyalität mit dem nationalen Unternehmen nur selten auch dem globalen Unternehmensverbund gilt. Ursache für die mangelnde Identifi­kation ist die international rückläufige "Face-to-face-Kommunikation" und die Zunahme for­maler schriftlicher Kommunikation. Dieses "Management by E-Mail" führe häufig zu Missverständnissen und Konflikten. Ein konstruktiver Umgang mit solchen Konflikten werde wiederum durch die übliche japanische Haltung erschwert, offene Auseinandersetzungen zu vermeiden.

Bei amerikanischen Managern zeichnet sich erfolgreiche Führung durch schnelle Entschei­dungen, die Übernahme individueller Verantwortung, hohe Risikobereitschaft und offene Kommunikation mit den Teammitgliedern aus. Dominante Einflussgröße ist die von ausländi­schen Muttergesellschaften stark unterschätzte Wettbewerbsorientierung - auch unter den Führungskräften innerhalb eines Unternehmens. Werden diese Merkmale der amerikanischen Führungskultur durch Standardisierungsbemühungen ausländischer Muttergesellschaften ein­geebnet, sind Leistungseinbußen der amerikanischen Niederlassung die Folge.

Die Befragung zeigt, dass die deutsche Unternehmenskultur die traditionellen Elemente der japanischen mit den modernen Merkmalen der amerikanischen Unternehmenskultur in gemä­ßigter Form verbindet. Auf der einen Seite dominieren, wie in Japan, formelle Strukturen und langfristige Beschäftigungsverhältnisse. Andererseits entsprechen Leistungsorientierung, höhere Anteile an variabler Vergütung und individuelle Handlungsspielräume eher der amerikanischen Unternehmenskultur. Aufgrund der starken Rezentralisierungstendenzen deutscher Mutterkonzerne bezweifeln die befragten Führungskräfte jedoch das Integrationspotenzial der deutschen Unternehmenskultur.

Rückfragen an: Simone Lippisch, Telefon: 0 52 41 / 81-81 295

Julia Schormann, Telefon: 0 52 41 / 81-81 495

Weitere Informationen:


Julia Schormann, Bertelsmann Stiftung
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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