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Niedersächsisches Institut für..., 11.05.07

Forschung und Entwicklung in Deutschland: Stagnation oder vor einem neuen Aufschwung?

In der Unternehmensforschung hat es weltweit in den letzten Jahren kräftige Verschiebungen gegeben, der Staat hat allenthalben seine FuE-Ausgaben wieder kräftig gesteigert. Deutschland hat seine sehr gute Position im internationalen FuE-Standortwettbewerb, die es sich in den 70er und 80er Jahren erarbeitet hatte, seit Beginn der 90er Jahre nicht halten können.

Das NIW ist im Auftrag des BMBF im Rahmen der Berichterstattung zur technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands den weltweiten Verschiebungen in der Industrieforschung der letzten Jahre sowie den Veränderungen im staatlichen FuE-Verhalten nachgegangen. Deutschland hat seine ursprünglich gute Position nicht halten können.
Weltwirtschaftlich hat sich die Ausweitung der Industrieforschungskapazitäten im vergangenen Jahrzehnt deutlich zu Gunsten asiatischer Länder (Japan, Korea, seit einigen Jahren aber vor allem auch einiger Schwellen- und Aufholländer wie China und Indien) sowie Nordeuropas verschoben. Das Teilnehmerfeld am internationalen Innovationswettbewerb ist erheblich breiter geworden und dichter zusammen gerückt. Gleichzeitig hat es Anfang dieses Jahrhunderts bei IuK-Technologien, Nachrichtentechnik und Elektronik einschneidende Strukturbrüche gegeben, was die FuE-Aktivitäten abrupt gebremst hatte. Dies traf Länder, in denen FuE auf diesen Feldern eine herausragende Rolle spielt, besonders hart. Insbesondere der US-Wirtschaft ist es bis heute nicht gelungen, ihre einstige Dynamik in der Industrieforschung wiederzuerlangen.

Aber auch in anderen westlichen Industrieländern engagiert sich die Wirtschaft trotz Überwindung der IuK-Krise und trotz deutlich verbesserter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen bei FuE insgesamt noch immer eher zurückhaltend, so auch in Deutschland: FuE ist nur Mitläufer in der Konjunktur, keineswegs aber treibende Kraft im Wachstumsprozess. Langfristig hat die deutsche Wirtschaft im internationalen FuE-Wettbewerb sogar klar an Boden verloren: Ihr Beitrag zum FuE-Aufkommen der Weltwirtschaft hat sich bis zum Jahr 2005 gegenüber Anfang der 80er Jahre auf unter 7 % fast halbiert. Es bleibt abzuwarten, ob die deutschen Unternehmen im Sog des unerwartet steilen und stabilen Wirtschaftsaufschwungs 2006/7 ihre Innovations- und FuE-Aktivitäten wieder stärker ausweiten als es in ihren ursprünglichen, sehr verhaltenen Plänen für 2007 vorgesehen war. Es wäre dringend erforderlich, um international den Anschluss zu halten.
Hochwertige Dienstleistungen und Spitzentechnologien wie IuK-Hardware und Pharmazie bestimmen immer mehr das Innovationsgeschehen. Die deutsche Wirtschaft kann dort das global angeschlagene Tempo nicht mithalten, hingegen hat der Automobilbau mit seiner weltweit einzigartigen FuE-Expansion stark dominiert. Das "deutsche Innovationssystem" steht jedoch praktisch auf einem Bein, technologische Alternativen kommen nicht schnell genug voran. Lediglich die Pharmaindustrie konnte in letzter Zeit im FuE-Wettbewerb wieder etwas aufholen.
Bemerkenswert ist weiterhin: Der Staat hat in fast allen hochentwickelten Industrieländern wieder mehr Verantwortung für Wissenschaft, Forschung und Entwicklung übernommen und meist anders als im langfristigen Trend allenthalben beobachtet gar eine höhere FuE-Dynamik entwickelt als die Wirtschaft. Leistungsfähige öffentliche Wissenschaft und Forschung erweitert die technologischen Optionen der Wirtschaft. Insbesondere in den USA wurden öffentliche FuE-Kapazitäten enorm ausgeweitet mit besonderem Gewicht auf "life sciences" und Militärforschung. In Deutschland hat sich die öffentliche Hand hingegen eher bedeckt gehalten; die bewährte und von den Unternehmen sehr geschätzte Vernetzung zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung könnte darunter leiden. In Deutschland ist zudem der staatliche Finanzierungsbeitrag zu privater FuE kontinuierlich zurückgegangen ganz im Kontrast zu den wichtigsten Konkurrenzländern. Ein Zusammenhang mit den stagnierenden FuE-Aktivitäten der Wirtschaft lässt sich daher nicht ausschließen. Die Bundesregierung hat als Reaktion hierauf eine "High Tech-Strategie" entworfen, die Deutschland wieder näher an die international führenden Volkswirtschaften heranbringen soll.

Ansprechpartner:
Dr. Harald Legler
0511/12 33 16-40
legler@niw.de

Weitere Informationen:


Olaf Krawczyk, Niedersächsisches Institut für Wirtschaftsforschung
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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