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Deutsches Jugendinstitut e.V., 04.04.06

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Deutsches Jugendinstitut e.V., 04.04.06

DJI Online Thema 4/06: Familie als Standortfaktor für Kommunen

Zeit ist knapp, Geld ist knapp - und jetzt gehen uns auch noch die Kinder aus. Ganze Landstriche drohen zu entvölkern, vor allem in den östlichen Bundesländern, aber auch große Städte im Ruhrgebiet oder idyllische Dörfer in Bayern sind davon betroffen. Zu wenige Kinder, das bedeutet auch zu wenige künftige Steuerzahler. Vielen Kommunen droht dann der finanzielle Kollaps. Was in den 1980er Jahren längst hätte diskutiert werden müssen, steht heute endlich auf der Agenda von Kommunen, die mittlerweile Kreißsaal oder Kindergarten wegen mangelnder Auslastung schließen mussten: Familienfreundlichkeit ist jetzt angesagt.


Die Kommunen haben Familien als wichtigen Standortfaktor erkannt. Denn wer hier zu spät kommt und nicht investiert, den bestraft der kostbar gewordene Nachwuchs. D.h. Heranwachsende ziehen weg, vor allem die gut ausgebildeten jungen Frauen, und suchen sich Orte mit flexiblen Arbeitsplätzen, familienfreundlichen Unternehmen, ausreichender Kinderbetreuung, preiswerten Wohnungen und einem kindgerechten Wohnumfeld.

Das klingt gut ... Aber die Wirklichkeit sieht anders aus. Städte mit vermeintlich besseren Bedingungen bieten Familien zwar ein offenes Ohr, wie die bayerische Landeshauptstadt. Sie lädt die Familien ein mit zu diskutieren. Unter dem Motto "Gute Aussichten für Familien!" wird gefragt: Was ist in München gut für Kinder und Familien? Was müsste noch besser werden? (Details dazu unter "Veranstaltung".) Aber aus Elternsicht sind die Antworten auch hier nur allzu bekannt. Im Stadtinnenraum eine bezahlbare Vier-Zimmer-Wohnung zu finden, ist wie ein Sechser im Lotto. Sektkorken knallen auch, wenn man einen der begehrten Krippen- oder Hortplätze ergattert hat, obwohl es in München sogar zehnmal mehr Krippenplätze gibt als im restlichen Bayern. Mit zwei oder mehr Kindern in den Zoo oder ins Kino? Ein kostspieliges Unterfangen, das sich viele Familien nur an Festtagen leisten. Zwei Mütter mit fünf Kindern - auf eine Familienkarte? Nein, das geht nicht, heißt es im Museum. Da muss schon der Vater dabei sein. Malutensilien für Kinder im Restaurant? Auch hier meist Fehlanzeige. Dies sind nur einige weniger familienfreundliche Beispiele

Es sind nicht allein finanzielle Leistungen gefragt, sondern noch viel mehr eine passende Infrastruktur. Auch der 7. Familienbericht enthält entsprechende Empfehlungen für mehr Familienfreundlichkeit. Annemarie Gerzer-Sass, Jürgen Sass und Hiltrud Bayer vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) waren mit der Geschäftsführung, der fachlichen Zuarbeit und Fertigstellung des Berichts betraut. Karin Jurczyk, Leiterin der Abteilung Familienpolitik hat als ständiger Gast am Bericht mitgearbeitet. Die wichtigsten Erkenntnisse zum Thema "Familie im kommunalen Kontext" haben wir in "Auf einen Blick" zusammengefasst.

Annemarie Gerzer-Sass vom DJI weist im "Interview" unter anderem auf einen zu beobachtenden Wechsel in der familienpolitischen Diskussionsstrategie hin. An die Stelle der sozialmoralischen Argumente sind harte ökonomische Fakten getreten, die kurz gefasst so lauten: Egal ob Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Länder und Kommunen oder das Individuum - letztlich profitieren alle von der Institution Familie.

Was Kommunen ganz konkret tun können, um Familien zu unterstützen, darüber berichtet Karin Garlichs, Gleichstellungsbeauftragte des ostfriesischen Landkreises Wittmund, im "Blick von Außen".

In den weiteren Rubriken finden Sie einschlägige Hinweise zu relevanten Publikationen, Netzwerken und Veranstaltungen rund ums Thema "Familienfreundliche Kommune".

Weitere Informationen:


Andrea Macion, Deutsches Jugendinstitut e.V.
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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