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Hans-Böckler-Stiftung, 08.02.05

Bilanz der Tarifrunde 2004

Die tarifliche Abschlussrate für das Jahr 2004 betrug im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt 1,6 %. Berücksichtigt man zusätzlich auch die höheren, bereits im Vorjahr für 2004 vereinbarten Tarifanhebungen, dann ergibt sich eine jahresbezogene Tarifsteigerung der tariflichen Grundlöhne und -gehälter für 2004 von durchschnittlich 2,0 %. Dies ergibt sich aus der Bilanz der Tarifpolitik des Jahres 2004, die das Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts in der Hans-Böckler-Stiftung (WSI) am Donnerstag in Berlin vorlegte.

Damit ist es der gewerkschaftlichen Tarifpolitik 2004 zwar gelungen, die Steigerung der Lebenshaltungskosten von 1,6 % auszugleichen, der kostenneutrale Verteilungsspielraum von rund 2,8 % (Arbeitsproduktivität + 1,2 %, Preise + 1,6 %) wurde dagegen nicht ausgeschöpft. "Ein Beitrag zur Stabilisierung der Binnennachfrage ist daher von der Tarifpolitik nicht ausgegangen" sagte der Leiter des WSI-Tarifarchivs Dr. Reinhard Bispinck.

Zu berücksichtigen ist darüber hinaus: Die effektiven Bruttoeinkommen je Arbeitnehmer sind im vergangenen Jahr mit einem Plus von 0,1 % nahezu gleich geblieben. Damit ergibt sich auch für das vergangene Jahr eine starke negative Lohndrift. Darin kommen mehrere Faktoren zum Ausdruck: Die Tarifverträge prägen trotz relativ stabiler formaler Tarifbindung einen rückläufigen Teil der Branchen und Betriebe. Tariflose Zustände in manchen Wirtschaftszweigen, die zunehmende Zahl von tariflichen Öffnungsklauseln, der weitere Abbau übertariflicher Leistungen und auch der wachsende Lohndruck durch die Arbeitsmarktreformen trugen zum Auseinanderklaffen von tariflicher und effektiver Einkommensentwicklung bei. Außerdem wirkt sich auch die steigende Zahl von Mini-Jobs senkend auf das durchschnittliche effektive Bruttoeinkommen aus.

Insgesamt schlossen die DGB-Gewerkschaften in Deutschland im vergangenen Jahr Lohn- und Gehaltstarifverträge für rund 7,9 Mio. Beschäftigte ab, darunter 6,9 Mio. in den alten und 1,0 Mio. in den neuen Bundesländern. Für rund 88 % dieser Beschäftigten gab es Tarifabschlüsse mit verzögerter Anpassung der Lohn- und Gehaltserhöhungen. Als Ausgleich vereinbarten die Gewerkschaften für rund 20 % der davon betroffenen Beschäftigten Pauschalzahlungen, die durchschnittlich 45 ¤ (West: 46 ¤, Ost: 37 ¤) im Monat betrugen. Die Laufzeit der Verträge beläuft sich durchschnittlich auf 21,8 Monate (2003: 20,5). Für weitere fast 8 Mio. Beschäftigte traten Erhöhungen in Kraft, die bereits 2003 oder früher vereinbart wurden.

Am höchsten fiel die jahresbezogene Tarifsteigerung, auf ganz Deutschland bezogen, mit 2,4 % bei den Kreditinstituten und Versicherungen aus, gefolgt vom Investitionsgütergewerbe mit 2,3 % und dem Bereich Verkehr und Nachrichtenübermittlung mit 2,2 %. Das Schlusslicht bilden die Bereiche Gartenbau, Land- und Forstwirtschaft sowie Energie- und Wasserversorgung, Bergbau mit 1,7 %. In den neuen Bundesländern hat sich das Tarifniveau im Vergleich zum Westen gegenüber dem Vorjahr um gut einen halben Prozentpunkt erhöht. Das Tarifniveau Ost/West betrug Ende 2004 bezogen auf die tariflichen Grundvergütungen 94,0 % gegenüber 93,4 % zum Ende des Vorjahres.

Weitere Informationen:


Karin Rahn, Hans-Böckler-Stiftung
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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