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Leibniz Universität Hannover, 03.05.05

Eine Beurteilung von Hartz IV

Wissenschaftler der Universität Hannover mit Deutschem Studienpreis ausgezeichnet

Der diesjährige Deutsche Studienpreis der Körber-Stiftung wurde am Montag, 2. Mai 2005 an 50 junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem gesamten Bundesgebiet vergeben. Dipl.-Ök. Tim Lohse, M.Sc. vom Lehrstuhl für Öffentliche Finanzen der Universität Hannover wurde dabei mit einem zweiten Preis ausgezeichnet. Unter 350 eingereichten Arbeiten zum Thema "Mythos Markt? Die ökonomische, rechtliche und soziale Gestaltung der Arbeitswelt" konnte Lohse mit seinem Beitrag "Die sozial- und arbeitsmarktpolitischen Reformen im Zuge von Hartz IV - Chancen auf mehr Beschäftigung" die Jury überzeugen. Die Bandbreite an eingereichten Arbeiten reichte von ökonomischen über künstlerische bis hin zu psychologischen Betrachtungen. Der seit 1996 stattfindende Wettbewerb richtet sich an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die nicht älter als 30 Jahre sind.


Mit einem steuertheoretischen Modell analysiert Dipl.-Ök. Tim Lohse in seiner Arbeit das Verhältnis von Arbeitslosengeld II und der neuen Sozialhilfe. "Das Nebeneinander von Arbeitslosen- und Sozialhilfe war ökonomisch kaum begründbar und zu teuer", urteilt er. Aus der Summe der staatlichen Leistungen hätten sich Einkommen ergeben, die wenig dazu anreizten, wieder eine Arbeit anzunehmen. "Der Sozialstaat selbst bewirkte Arbeitslosigkeit - Reformen waren da Pflicht", verteidigt der Doktorand der Volkswirtschaftslehre die viel kritisierten Hartz-IV-Gesetze.

Besonders lobt er die bessere Unterscheidung zwischen erwerbsfähigen und erwerbsunfähigen Arbeitslosen durch die neuen Gesetze. Menschen, die aufgrund von Krankheit oder Behinderung nicht arbeiten können, müssen demnach mehr Geld vom Staat bekommen als erwerbsfähige Leistungsbezieher. Somit rechtfertigt er die Absenkung der Bezüge für erwerbsfähige Arbeitslose. Lohse untersucht, wie die neuen Sozialleistungen Beschäftigungseffekte erzielen: "Damit werden erwerbsfähigen Leistungsbeziehern Anreize gegeben, möglichst bald wieder eine Beschäftigung aufzunehmen."

Der Kritik, die neuen gesetzlichen Regelungen führten zu Lohndumping, entgegnet Lohse: "Arbeit ist ein Wert an sich. Selbst gering vergütete Tätigkeiten sind alle Mal erstrebenswerter als ein durch die Solidargemeinschaft alimentiertes Nichtstun". Er hält die Reformen jedoch noch nicht für ausreichend. Der Volkswirt empfiehlt beispielsweise bessere Hinzuverdienstmöglichkeiten für Leistungsempfänger. Zugleich warnt er vor der Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns. "Der Arbeitsmarkt muss ein Markt im streng ökonomischen Sinn bleiben. Nur dann stehen die Chancen für mehr Beschäftigung gut."

Hinweis an die Redaktion:
Für nähere Informationen steht Ihnen Dipl.-Ök. Tim Lohse, M.Sc vom Lehrstuhl Öffentliche Finanzen unter Telefon 0511/762-5176 oder per E-Mail unter lohse@fiwi.uni-hannover.de gern zur Verfügung.


Dr. Stefanie Beier, Leibniz Universität Hannover
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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