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Rheinisch-Westfälisches Institut für..., 18.09.07

Belastungen für den Aufschwung durch Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten

Bis zur Jahresmitte deutete alles darauf hin, dass sich der Aufschwung in Deutschland - wie in den Industrieländern insgesamt - kräftig fortsetzen würde. Durch die Hypothekenkrise in den USA haben sich diese Erwartungen aber deutlich eingetrübt. Gleichwohl geht das RWI Essen davon aus, dass die Krise beherrscht werden kann und sich nicht zu einer allgemeinen Finanzkrise ausweitet. Unter dieser Voraussetzung dürfte das BIP-Wachstum 2008 mit 2,3% nur wenig niedriger ausfallen als zuletzt prognostiziert. Für 2007 halten wir an unserer Prognose vom Juni mit 2,5% fest. Allerdings sind die Risiken hoch, und die Geldpolitik steht vor einer enormen Herausforderung: Einerseits muss sie stabilisierend auf die Finanzmärkte einwirken, was für sich genommen einen expansiveren Kurs erfordert, andererseits bestehen weiter Inflationsgefahren, wohl auch, weil in der Vergangenheit - ebenfalls in Reaktion auf diverse Krisen - die Liquidität kräftig ausgeweitet wurde.

In Deutschland setzte sich der Aufschwung im ersten Halbjahr 2007 fort, wenn auch verlangsamt. Dies war aufgrund der Erhöhung der Mehrwertsteuer, die insbesondere die Bauinvestitionen und den privaten Konsum belastete, allgemein auch so erwartet worden. Hingegen wurden die Ausrüstungsinvestitionen kontinuierlich und kräftig ausgeweitet; sie bestimmten die Expansion des BIP fast zur Hälfte. Auch die Außenwirtschaft lieferte unverändert einen hohen Beitrag zum Wachstum. Der Aufschwung scheint um die Jahreswende 2006/07 einen vorläufigen Höhepunkt erreicht zu haben, aber auch danach standen die Zeichen für eine Fortsetzung gut. Nun aber haben sich die Aussichten hierzulande aufgrund der Hypothekenkrise in den USA eingetrübt.

In unserer vorliegenden Prognose gehen wir aber davon aus, dass die Probleme beherrscht werden können, d.h., dass es zu keiner Rezession in den USA kommen und die Hypotheken- sich nicht zu einer Finanzkrise verschärfen wird. Unter dieser Voraussetzung werden zwar die Weltwirtschaft etwas schwächer expandieren und sich die Finanzierungsbedingungen der Unternehmen verschlechtern. In Deutschland dürfte dies die Konjunktur aber lediglich abschwächen und keinen Abschwung auslösen. Für 2007 prognostizieren wir deshalb einen Anstieg des BIP um 2,5%, für 2008 um 2,3%. Damit nehmen wir unsere Prognose vom Juni für 2008 leicht zurück. Die Jahresdurchschnittsraten sind allerdings wesentlich von Überhängen sowie Kalendereffekten beeinflusst und unterzeichnen die Verlangsamung; die Verlaufsraten liegen bei 2,2% bzw. 1,6%.
Insbesondere bei den Investitionen ist 2008 ein langsamerer Anstieg zu erwarten, mit verursacht durch dann ungünstigere Abschreibungsregeln. Kräftiger als bisher dürften die privaten Konsumausgaben steigen, da die realen verfügbaren Einkommen wohl rascher zunehmen. Dämpfend wirkt hier die Teuerung: Zunehmende Arbeitskosten und deutlich höhere Weltmarktpreise für viele Agrargüter dürften auf die Verbraucherpreise (1,9% 2007 bzw. 2,0% 2008) durchschlagen. Bei alledem erwarten wir, dass sich die Besserung am Arbeitsmarkt fortsetzt.
Die Finanzpolitik dürfte 2008 expansiv ausgerichtet sein. Die Reform der Unternehmensbesteuerung führt zu Einnahmeausfällen, während die Staatsausgaben wohl verstärkt zunehmen. Wir erwarten eine um 0,4%-Punkte höhere "strukturelle" Defizitquote. Gleichwohl dürfte aufgrund konjunkturbedingter Mehreinnahmen in diesem Jahr ein leichter Überschuss im Staatshaushalt erzielt werden, der 2008 auf 10 Mrd. ¤ steigen könnte.

Tabelle: Eckwerte der Prognose für 2007 und 2008

Die Prognose für Deutschland hängt diesmal besonders stark vom internationalen Hintergrund ab. Die Weltwirtschaft expandierte im ersten Halbjahr 2007 kräftig. In den Schwellenländern Asiens und Lateinamerikas sogar rascher als im Vorjahr. In den Industrieländern hingegen verlangsamte sich die Expansion; in den USA folgte auf ein ausgesprochen schwaches erstes ein recht starkes zweites Quartal. Im Euro-Raum und in Japan war die Konstellation genau umgekehrt.
Seit der Jahresmitte haben sich die Erwartungen jedoch eingetrübt. Die Krise am Immobilienmarkt in den USA hat nun die Finanzmärkte erreicht. Als Folge davon dürften sich u.a. die privaten Haushalte in den USA wohl nicht mehr so leicht wie bisher für Konsumzwecke verschulden können. Damit fällt eine wichtige Triebfeder des dortigen Aufschwungs weg. Dämpfend dürften weltweit zudem höhere Zinsen wirken. Die Zentralbanken konzentrierten sich bisher mit Erfolg darauf, kurzfristig Liquidität bereitzustellen, um den Bankensektor zu stabilisieren. Für Europa ist zu erwarten, dass die Geldpolitik zunächst auf diesem Kurs bleiben und erst später die Zügel wieder anziehen wird. Sollte es gelingen, das Vertrauen auf den Finanzmärkten wieder herzustellen, so dass sich die Krise am US-Hypothekenmarkt nicht verschärft, dürfte sich der seit Jahren beobachtete Aufschwung der Weltwirtschaft fortsetzen, wenn auch langsamer als bisher (3,0% 2007). Im kommenden Jahr dürfte die weltwirtschaftliche Produktion dann nur wenig langsamer wachsen (2,9%).
Allerdings ist die Prognose für Deutschland ebenso wie die für die Weltwirtschaft mit großen Risiken behaftet. Sollte es in den USA zu einer Rezession kommen oder der Bankensektor in eine Krise geraten - und es gibt durchaus Indizien, die auf diese Möglichkeit hinweisen -, wäre mit beträchtlichen negativen Folgen für die Konjunktur zu rechnen. Ob diese eintreten, hängt wesentlich von der Geldpolitik ab. Diese befindet sich in einem Konflikt: Einerseits muss sie stabilisierend auf die Finanzmärkte einwirken, was für sich genommen einen expansiveren Kurs erfordert, andererseits bestehen weiter Inflationsgefahren, wohl auch, weil in der Vergangenheit - ebenfalls in Reaktion auf diverse Krisen - die Liquidität kräftig ausgeweitet wurde.

Tabelle: Eckwerte zur internationalen Konjunktur

(veröffentlicht in "RWI : Konjunkturberichte", Heft 2/2007)
Ihre Ansprechpartner dazu:
Dr. Roland Döhrn, Tel.: (0201) 81 49-262
Joachim Schmidt (Pressestelle), Tel.: (0201) 81 49-292

Weitere Informationen:


Joachim Schmidt, Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung e.V.
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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