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Institut Arbeit und Technik, 21.04.04

Mit dem Alter in die Dienstleistungsgesellschaft?

Perspektiven des demographischen Wandels für Wachstum und Gestaltung des tertiären Sektors

Das Altern der Gesellschaft bedeutet in Deutschland immer mehr einen Wirtschaftsfaktor, dessen Chancen für Arbeit und Beschäftigung allerdings noch zu wenig genutzt werden. In den Wirtschaftszweigen Gesundheit und Soziales mangelt es an Vernetzung und Kooperation, so dass viele Möglichkeiten zur Entwicklung neuer Dienstleistungen brach liegen und auch Effizienzpotentiale, die durch eine verbesserte Arbeitsteilung entlang der Wertschöpfungskette erreicht werden könnten, ungenutzt bleiben. Zu diesen Schlussfolgerungen kommt die Gelsenkirchener Seniorenwirtschafts-Expertin Karin Scharfenorth in der jetzt erschienenen Veröffentlichung "Mit dem Alter in die Dienstleistungsgesellschaft?". Das Buch basiert auf einer Dissertation an der Fakultät für Sozialwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum, in der die Wissenschaftlerin Ergebnisse aus ihrer langjährigen Forschungsarbeit am Institut Arbeit und Technik (IAT/Gelsenkirchen) verarbeitet.


Ausgehend von der Frage, wie sich die Alterung der Gesellschaft auf das Wachstum des Dienstleistungssektors in Deutschland auswirkt, werden die wesentlichen dienstleistungstheoretischen Ansätze zu diesem Thema sowie die Entwicklungstrends der Seniorenwirtschaft dargestellt. Die Erfahrungen mit dem IAT-Modellprojekt "Virtuelles Altenheim" sind im Praxisbeispiel, an dem die theoretischen Erkenntnisse überprüft werden. Schlussfolgerungen für die Entwicklungsbedingungen altenbezogener Dienstleistungen runden den Band ab.

In der Bundesrepublik ist die professionelle Altenhilfe in den letzten Jahrzehnten zwar erheblich gewachsen, dennoch wird das Gros unterstützender und pflegender Leistungen für ältere Menschen immer noch informell, d.h. vor allem von Familien erbracht - "und damit entsteht eine überlastete informelle Dienstleistungsökonomie", stellt die Wissenschaftlerin fest. Auch für die Zukunft sei hier keine grundsätzliche Veränderung zu erwarten. "Klar ist, dass die zunehmende Belastung der traditionellen Familienhilfe auch zu einer weiter wachsenden Ausweitung des Bedarfs an erwerbsmäßig erbrachten Hilfs- und Pflegeleistungen für ältere Menschen führen wird", so Scharfenorth.

Die Entwicklung einer solchen Seniorenwirtschaft ist jedoch kein Selbstläufer, sondern braucht zumindest in Teilbereichen eine dienstleistungspolitische Flankierung. Das gilt sowohl für die weitere Professionalisierung der Altenhilfe wie auch für die Förderung privater Hilfsnetzwerke. Damit könnten gleichzeitig zwei Ziele verfolgt werden, nämlich die Förderung der Dienstleistungswirtschaft und der Abbau der Überlastung der informellen Helfer in den Familien. Bei der Entwicklung und Vermarktung von neuen Dienstleistungen für ältere Menschen, die über die Kernleistungen der Altenhilfe hinausgehen, hält Scharfenorth eine gezielte Innovationsförderung für erforderlich. Ähnliches gilt auch für die Förderung des Technikeinsatzes in den altenbezogenen Dienstleistungen. Dabei sollte es allerdings weniger um die Schaffung technischer Grundlagen für diesen Bereich gehen, sondern sehr viel mehr um den Abbau von Hindernissen der Verbreitung, meint die Wissenschaftlerin. Das gilt auch insgesamt für eine bessere Vernetzung im Bereich Gesundheit und Soziales: Hier ist vor allem an eine bessere Abstimmung der unterschiedlichen Finanzierungsweisen, Qualitätsanforderungen und Leistungspaletten der verschiedenen Anbietergruppen zu denken.

Karin Scharfenorth: Mit dem Alter in die Dienstleistungsgesellschaft? - Perspektiven des demografischen Wandels für Wachstum und Gestaltung des tertiären Sektors. Bochum 2003
ISBN 3-8316-0323-5 * 2004
20,5 x 14,5 cm * broschiert
400 Seiten * 15 Abb. * 42 Tab.
54,00 EUR


Für weitere Fragen steht
Ihnen zur Verfügung:

Karin Scharfenorth
Durchwahl: 0209/167-1365
E-Mail: scharfenorth@swz-net.de

Pressereferentin
Claudia Braczko
Munscheidstraße 14
45886 Gelsenkirchen
Tel.: +49-209/1707-176
Fax: +49-209/1707-110
E-Mail: braczko@iatge.de
WWW: http://iat-info.iatge.de

Weitere Informationen:


Claudia Braczko, Institut Arbeit und Technik
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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