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Fachhochschule Worms, 30.05.00

Stereoskopisches Röntgen bei der Hüftendoprothetik

Röntgenaufnahme einer implantierten Hüftgelenksprothese

Rheuma, Arthrose oder ein Unfall: die Ursachen, die eine Hüftgelenksoperation notwendig machen können, sind vielfältig. Die einzige Lösung besteht in vielen Fällen darin, ein künstliches Hüftgelenk einzusetzen.
In Deutschland werden pro Jahr 130 000 solcher Eingriffe durchgeführt.
Die Operationsmethoden, mit denen diese neuen Gelenke eingesetzt werden, haben sich in den letzten Jahren
entscheidend verändert. Das Ziel ist dabei eine möglichst patientenschonende Operation, d.h. ein möglichst kleiner Eingriff mit möglichst kleinen "Schnitten". Die Vorteile dieser sog. "minimalinvasiven" Methode liegen auf der Hand:

kleine Wunden verheilen schneller, die Patienten erholen sich in kürzerer Zeit von ihrer Operation, die stationäre
Nachbehandlung dauert nicht mehr so lange und der Patient kommt früher in den Genuss seiner neuen Hüfte und das
heißt für viele Patienten: sie können sich - oft zum ersten Mal nach Jahren - wieder schmerzfrei bewegen. In Zeiten
leerer Kassen sei auch der Hinweis darauf erlaubt, dass kürzere Rehabilitationszeiten neben den Vorteilen für den
Patienten auch finanziell positiv zu Buche schlagen. Aber es gibt auch Probleme: Ein kleiner Schnitt gibt dem
Operateur ein nur kleines "Fenster", durch das er sich die Hüfte ansehen kann. Er braucht aber die genauen
Abmessungen und die genaue Lage des Gelenks, um ein passendes künstliches Gelenk auswählen und einsetzen zu
können. Aus diesem Grunde werden bei diesen Hüftgelenksoperationen neben den normalen Röntgenbildern auch viele Computertomografie-Aufnahmen gemacht, die die notwendige räumliche Ansicht der Hüfte ermöglichen. Der Nachteil: die Strahlenbelastung des Patienten in der Hüftregion ist durch die CT-Aufnahmen relativ hoch, eine Schädigung der Erbinformationen ist somit nicht auszuschließen. Dieser Nachteil ist um so besorgniserregender, da das Alter der Hüftgelenkspatienten zunehmend sinkt, und somit gerade junge Frauen einer großen Gefahr ausgesetzt sind.
Im Rahmen eines Projekts zur Verbesserung der Hüftgelenksoperationen arbeitet die Technologietransferstelle der FH Worms unter der Leitung des Autors daran, eine räumliche Ansicht der Hüfte bei deutlich verringertem Strahlenrisiko für den Patienten möglich zu machen. Dabei werden nur zwei Röntgenaufnahmen der Hüfte aus unterschiedlichen Perspektiven gebraucht. Die dahinter stehende Idee ist dem menschlichen Sehen nachempfunden.
Wir haben schließlich auch nur zwei Augen um dreidimensional, also räumlich zu sehen. Die notwendige und
ausgesprochen komplexe "Rechenleistung", die ein räumliches Sehen erlaubt, vollbringt bei uns das Gehirn. Die
Technologietransferstelle entwickelt derzeit Computerprogramme, die diese Rolle des Gehirns übernehmen sollen, um aus zwei Röntgenaufnahmen aus unterschiedlichen Perspektiven eine räumliche Ansicht zu erstellen. Damit wäre
es dann möglich die hohe Strahlenbelastung einer Computertomografie durch die vergleichsweise geringe von nur
zwei Röntgenaufnahmen zu ersetzen: ein weiterer Schritt zu einer patientenschonenden Methode bei der Hüftgelenksprothetik. Abzusehen ist dabei übrigens, dass die hierbei gewonnen Erfahrungen sich dann auf andere Bereiche der medizinischen Diagnostik übertragen lassen.

Die Technologietransferstelle der FH Worms arbeitet hier eng mit den anderen an dem Projekt beteiligten Personen und Institutionen zusammen, insbesondere mit Prof. Dr. med F. Kerschbaumer, dem Leiter der Abteilung für Rheumaorthopädie an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main, der als ein Pionier auf dem Gebiet der minimalinvasiven Hüftgelenksoperationen gilt. Außerdem sind das Institut für Kernphysik der Universität Frankfurt, die Abteilung für Medizinische Physik des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg, das Institut für Regelungs- und Steuerungstechnik der Universität Siegen, der Fachbereich Physik der Universität Bergen, Norwegen, und diverse Industriepartner in das Forschungsprojekt involviert.

Kontakt:
Prof. Dr. Ralf Keidel,
Technologietransferstelle der FH Worms,
Erenburgerstr. 19, 67549 Worms,
Tel.: 06241/509-172

Weitere Informationen:


Stefan Nickel, Fachhochschule Worms
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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