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Universität Dortmund, 16.03.99

Qualifikationen auf dem Prüfstand - oder: Import von Kompetenzen

Zuwandererlnnen aus den Staaten des ehemaligen Ostblocks gelten als schwer in den Arbeitsmarkt vermittelbar. Da eine große Zahl von ihnen über eine wissenschaftliche Ausbildung, oft als Ingenieur oder Naturwissenschaftler verfügt, bedeutet das Vergeudung von Humanressourcen. Um diesen qualifizierten Arbeitskräften die berufliche Integration zu erleichtern oder überhaupt zu ermöglichen, ist Transparenz über ihre mitgebrachten Qualifikationen und Kenntnisse erforderlich. Diese herzustellen war das Ziel eines Forschungsprojekts an der Universität Dortmund während der letzten zwei Jahre.

Es führte einen Vergleich der einschlägigen Studiengänge in der ehemaligen Sowjetunion und in Polen mit denen in der Bundesrepublik durch, und es befragte eine Gruppe von 30 (meist) arbeitslosen (Spät)Aussiedlern und jüdischen Kontingentflüchtlingen aus diesen Herkunftsgebieten über ihre im Studium erlernten und während der Berufstätigkeit erworbenen Qualifikationen. Eine möglichst weit verbreitete Klarheit und Kenntnisse über ihre Kompetenzen in der Öffentlichkeit sollen die Vermittlungsfähigkeit von Ost-West-Migranten aus diesen Berufsgruppen verbessern.


Was sie anzubieten haben, kann sich sehen lassen:

· Eine exzellente Ausbildung in den naturwissenschaftlichen Grundlagen ihrer Fächer führt zu sehr guten Kenntnissen und Kompetenzen in diesen Bereichen.

· Eine oft langjährige Berufspraxis geht einher mit kumulierten praktischen Erfahrungen, Routine in der Anwendung von theoretischem Wissen, Flexibilität beim Angehen und Lösen von Aufgabenstellungen und Problemen. Projektplanung und -leitung sowie Schlüsselqualifikationen wie Personalführung, Kooperation und Organisation waren häufig Teil der Arbeitserfordernisse.

· Die oft schlechte Ausstattung der östlichen Hochschulen und Betriebe mit Computern hat auch ihre gute Seite: Diese Ingenieure haben selbst all die Aufgaben übernommen und Probleme gelöst, für die in Deutschland moderne Rechner eingesetzt werden. So verfügen sie nicht nur über deren "Denkfähigkeiten", sondern können durch ihr Wissen, ihre Kenntnisse, ihren Ideenreichtum und ihre Kreativität diesen Mangel kompensieren.

· Durch ihre Herkunft beherrschen sie mindestens eine der slawischen Sprachen, was für Betriebe, Organisationen und Hochschulen mit (geplanten) Ostkontakten von Vorteil ist. Ihre interkulturelle Kompetenz kann manche Geschäftsbeziehung erleichtern und unterstützen.

· Auch wenn die vorliegende deutsche Sprachkompetenz gelegentlich noch zu wünschen übrig läßt, ist doch ihr Interesse und ihre Bereitschaft, diese zu verbessern, so groß, daß sich mancher Mangel schnell ausbügeln läßt.

· Die hohe Motivation, wieder im erlernten Beruf arbeiten zu können, ist nicht nur dem Wunsch nach eigenem Einkommen, sondern in vielen Fällen dem starken Interesse an der Tätigkeit selbst geschuldet. Damit einher geht die Bereitschaft zu großer Mobilität und Weiterbildung.

· Reflektierter Umgang mit Frage- und Problemstellungen, große Bereitschaft zu Kooperation, eine offene, freundliche und direkte Art sowie ein oft humorvolles Wesen und große Zurückhaltung in der persönlichen Selbstdarstellung zeichnet zumindest diejenigen Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion aus, die Mitglieder dieser Berufsgruppen sind.

Angesichts der guten Grundlegenden Kenntnisse und der hohen Motivation dürfte es diesem Personenkreis keine großen Probleme bereiten, sich in neue Arbeitsgebiete und das hierzulande erforderliche Computer-Know-how einzuarbeiten.


Ole Lünnemann, Universität Dortmund
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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