Hilfe: Sie befinden sich auf...

Freie Universität Berlin, 04.08.08

Archiv

... einer Artikelseite. Sie zeigt den vollständigen Text einer Nachricht.
Sie können auf die Schlagworte zum Artikel klicken, um (andere) Artikel zu den jeweiligen Schlagworten anzuzeigen.

Am Fuß der Seite finden Sie drei Boxen mit weiteren Aktionsmöglichkeiten:
Über die linke Box können Sie zum vorhergehenden, bzw. nachfolgenden Artikel in diesem Bereich navigieren.
In der mittleren Box können Sie diesen Artikel bewerten.
In der rechten Box kommen Sie zu einer Druckversion dieses Artikels, Sie können den Link dieses Artikels an einen E-Mail-Empfänger verschicken und Sie können diesen Artikel auf einen Merkzettel legen, um ihn leichter wiederzufinden.

Hilfe: Generell zu dieser Seite

Bei NETZGUT finden Sie Nachrichten aus dem Netz.
Zu der Nachricht Ihres Interesses können Sie auf drei Wegen gelangen:

Im Archiv sind die Nachrichten nach Bereichen getrennt.
Unter Themen finden Sie Nachrichten bereichsübergreifend zu einem bestimmten Thema.
Über die Schlagworte gelangen Sie zu den Artikeln, denen eben jene Schlagworte zugeordnet wurden. Auch diese Einordnung ist bereichsübergreifend.

Übrigens: Der Hilfe-Button gibt Ihnen zu jeder Seite die passenden Informationen.

Freie Universität Berlin, 04.08.08

Schlagworte

Marsmond, Phobos

Dem Marsmond ganz nah - Raumsonde Mars Express fotografiert Phobos aus bisher kürzester Distanz

So nah kam ihm noch keiner: Am 23. Juli 2008 um 06:49 Uhr Mitteleuropäischer Zeit flog die Raumsonde Mars Express in nur 93 Kilometern Entfernung an Phobos, dem größeren der beiden Marsmonde, vorbei. Bei einer relativen Geschwindigkeit der Raumsonde von 3 km pro Sekunde konnte die an Bord befindliche High Resolution Stereo Camera (HRSC) Aufnahmen von noch nie gesehenen Oberflächendetails des Mondes schießen. Die Kamera wurde am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) unter Leitung des Principal Investigators Prof. Dr. Gerhard Neukum von der Freien Universität Berlin entwickelt und in Kooperation mit industriellen Partnern gebaut.

Der nur 27 km x 22 km x 19 km große Mond gehört zu den am schwächsten reflektierenden Körpern im Sonnensystem. Es wird vermutet, dass es sich bei Phobos um einen eingefangenen Asteroiden oder um ein Objekt handelt, das sich noch aus der Zeit der Planeten-Entstehung erhalten hat. Die Bilddaten, welche in fünf verschiedenen Kanälen für die bestmögliche stereografische und photogrammetrische Analyse aufgenommen wurden, zeigen bei einer Auflösung von 3,7 Metern/Pixel noch nie gesehene Details der Oberfläche des Mars-Mondes. Die Daten der zusätzlichen photometrischen Kanäle mit einer Auflösung von 7,4 Metern/Pixel bieten die Möglichkeit, den auf Phobos vorhandenen Regolith (lockere Mischung aus zermahlenem Gestein und Gesteinsschmelzen) bezüglich seiner physikalischen Struktur genauestens zu untersuchen.

Die Daten bieten völlig neue Möglichkeiten, Phobos zu untersuchen, da Daten älterer Vorbeiflüge der Viking Sonden oder der Mars Reconnaissance Orbiter-Mission (MRO) der NASA entweder keine Stereodaten lieferten oder die Auflösung der Bilder geringer war. Neuere hoch aufgelöste Aufnahmen von der MRO-Mission zeigen nur die marszugewandte Seite des Mars-Mondes, während beim Mars Express-Vorbeiflug überwiegend die marsabgewandte Seite beobachtet werden konnte. Dieser Vorbeiflug hatte die größte Annäherung an Phobos von den insgesamt fünf geplanten Vorbeiflügen im Juli und August dieses Jahres. Die gezeigten Bilder sind die besten Gesamtaufnahmen von Phobos, die jemals gemacht wurden.

Die speziellen Beobachtungsmöglichkeiten von Phobos verdankt Mars Express seiner sehr elliptischen Umlaufbahn. Da Phobos, wie auch der Erdmond der Erde, dem Planeten immer die gleiche Seite zuwendet, sind Aufnahmen der marsabgewandten Seite nur möglich, wenn sich Mars Express außerhalb des Phobosorbits befindet.

Besonders eindrucksvoll erkennt man auf den neuesten Bildern die außergewöhnlichen Riefen auf der Oberfläche des Mondes. Der Ursprung dieser Riefen ist umstritten. Es könnte sich um Spuren handeln, die durch den Einschlag von ausgeworfenem Material im Zuge von Einschlägen auf dem Mars entstanden sind. Möglicherweise sind auch durch Gezeiten oder Einschläge auf Phobos Spalten erzeugt worden, die durch den Regolith, der die Oberfläche von Phobos bedeckt, teilweise gefüllt sind. In den Bildern können mindestens zwei verschiedene Riefensysteme mit unterschiedlichen Orientierungen unterschieden werden. Eine gewundene Kraterkette, möglicherweise durch Einschläge erzeugt, ist ebenfalls zu erkennen.

Im Jahr 2009 will die russische Raumfahrtbehörde die Mission "Phobos Grunt" (Phobos-Boden) zu dem Marstrabanten schicken, um Bodenproben eines bestimmten Areals auf der marsabgewandten Seite zu sammeln und zur Erde zu bringen. Dieses Gebiet wurde zuletzt in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts von den Viking-Sonden aufgenommen. Die Beobachtungen der HRSC-Kamera wurden sehnlichst erwartet, um die mögliche Landestelle besser festlegen und untersuchen zu können. Möglicherweise führen die Untersuchungen zu einer Änderung der Planung für eine etwas nördlich verlagerte Landestelle.

Weitere Informationen im Netz:
www.geoinf.fu-berlin.de
Fotos in Printqualität zum Herunterladen finden Sie unter:
http://www.fu-berlin.de/presse/fup/2008/fup_08_249

Nähere Auskünfte erteilen Ihnen gern:
o Prof. Dr. Gerhard Neukum, Principal Investigator HRSC Experiment, Freie Universität Berlin, Institut für Geologische Wissenschaften, Fachrichtung Planetologie und Fernerkundung, Telefon: +49 30-83870-579, Mobil: +49 171-7647177, Fax.: +49 30-83870-188, E-Mail: gneukum@zedat.fu-berlin.de

o Heike Balthasar, Freie Universität Berlin, Institut für Geologische Wissenschaften, Fachrichtung Planetologie und Fernerkundung, Telefon: +49 30-83870-555, E-Mail: heike.balthasar@fu-berlin.de


Carsten Wette, Freie Universität Berlin
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

Weitere Artikel in diesem BereichBewerten Sie diesen ArtikelToolbox
"Jena-Swimmer" verbessert Delfinschlag beim Schwimmen 
 OFFIS unterstützt Offshore-Windpark alpha ventus