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Philipps-Universität Marburg, 23.02.05

Marburger Forscher auf der Cebit 2005

Auf der Cebit 2005, der internationalen Leitmesse für Informationstechnik, Telekommunikation, Software und Services vom 10. bis 16. März 2005 in Hannover, werden Wissenschaftler der Philipps-Universität Marburg ihre Entwicklungen vorstellen. Mit "Data Mining mittels datenbionischer Methoden in einer Musiksammlung (Signaltheoretische Musikanalyse)" ist Professor Dr. Alfred Ultsch vom Fachbereich Mathematik und Informatik vertreten. Die Arbeitsgruppe um Professor Dr. Norbert Hampp vom Institut für Physikalische Chemie des Fachbereichs Chemie stellt "Biologische Datenspeicher für Sicherheitsanwendungen" vor. Die Exponate werden auf dem Gemeinschaftsstand der hessischen Hochschulen in Halle 9, Stand C22, zu sehen sein.


Hampps Arbeiten basieren auf dem biologischen Pigment Bakteriorhodopsin und sollen beispielsweise dazu dienen, Banknoten oder Reisepässe vor Vervielfältigung zu schützen. Dies gelingt, weil die Farbe des Pigments abhängig von der Lichteinstrahlung von lila nach gelb wechselt und es so als Sicherungselement leicht erkennbar ist. Optische Kopierverfahren mit Hilfe von Scannern und Farbkopierern werden dadurch unmöglich gemacht. Gleichzeitig kann das Bakteriorhodopsin als optischer Datenspeicher genutzt werden. "Selbst mit einfachen Mitteln erreichen wir dabei Speicherkapazitäten in der Größenordnung von Megabit pro Quadratzentimeter" berichtet Hampp - weit mehr also, als Magnetstreifen und Speicherchips fassen. Seine Forschungsarbeiten betreibt der Chemiker gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Dr. Martin Neebe im Industrieverbundprojekt, sie werden gefördert im Rahmen des Förderprogramms Nanobiotechnologie des Bundesforschungsministeriums (BMBF).

Alfred Ultsch indessen wird gemeinsam mit seinem wissenschaftlichen Mitarbeiter Fabian Mörchen eine Software namens "MusicMiner" vorstellen. "Diese erlaubt es persönlichen Musikdateiensammlungen, sich selbst zu organisieren", so Ultsch. Als Datenbioniker, der Prinzipien der Informationsverarbeitung in biologischen System auf die technische Datenverarbeitung überträgt, nutzt er "eine der hervorstechendsten Eigenschaften der Natur: die Selbstorganisation". Musikdateien im mp3-Format werden vom MusicMiner zunächst klanglich analysiert. Am Ende der Berechnung mittels Techniken wie der Pareto-Dichte-Schätzung oder Neuronalen Netzen steht ein "hochdimensionaler Merkmalsvektor".

In Form einer so genannten SoundMap lässt sich dieser grafisch als Höhenverteilung darstellen: Musikstücke zum Beispiel, die einander verwandte "Sounds" besitzen, sind dabei nahe beieinander auf demselben Höhenniveau zu finden. Bis zu 200.000 Titel lassen sich so auf einen Blick erfassen. "Wird diese Technik zum Beispiel in mp3-Player implementiert", so Ultsch, "könnte man dem Gerät sagen, es soll von einem bestimmten Lied aus einfach weiter in die 'Nachbarschaft' wandern und andere Lieder mit ähnlichen Klangmerkmalen spielen." Die MusicMiner Software entstand unter der Mitarbeit der Studierenden Mario Nöcker, Christian Stamm, Michael Thies, Ingo Löhken, Niko Efthymiou und Martin Kämmerer. Das Programm unterliegt der GNU Public License und wird demnächst unter http://musicminer.sf.net kostenfrei aus dem Internet zu beziehen sein.

Kontakt

Dr. Bärbel Grieb: Referentin für Forschung und Transfer, Philipps-Universität Marburg, Biegenstraße 10, 35032 Marburg
Tel.: (06421) 28 26938, E-Mail: grieb@verwaltung.uni-marburg.de

Professor Dr. Norbert Hampp: Fachbereich Chemie, Institut für Physikalische Chemie, Hans-Meerwein-Straße, Gebäude H, 35032 Marburg
Tel.: (06421) 28 25775, E-Mail: hampp@staff.uni-marburg.de

Professor Dr. Alfred Ultsch: Fachbereich Mathematik und Informatik, Hans-Meerwein-Straße, 35032 Marburg
Tel.: (06421) 28 22185, E-Mail: ultsch@informatik.uni-marburg.de


Thilo Körkel, Philipps-Universität Marburg
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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