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Universität Bern, 05.04.00

Der lange Schweif des Hyakutake

upb. Auf der Suche nach neuen Erkenntnissen zum Sonnenwind stiess eine Forschergruppe auf den unerwartet langen Schweif eines Kometen. 500 Millionen Kilometer vom Kometen Hyakutake entfernt wurden Teilchen registriert, die sich als zu dessen Schweif gehörend erwiesen.

Bei einem "nicht geplanten Vorbeiflug" am Kometen Hyakutake am 1. Mai 1996 registrierte ein Instrument der Sonnensonde Ulysses einen Strom einfach geladener schwerer Ionen. Beim Vergleich mit Daten, die das Gas, das über Halley und andere Kometen abgeben, stellte sich heraus, dass die chemische Zusammensetzung dieser Ionen mit derjenigen von Kometengasen übereinstimmte.

Das Instrument, welches diese Entdeckung überhaupt erst ermöglichte, ist das SWICS (Solar Wind Ion Composition Spectrometer), ein Spektrometer, das die Zusammensetzung des Sonnenwindes erfasst. Dieses Instrument wurde gemeinsam von der University of Maryland, den Universitäten Bern und Braunschweig sowie dem Max-Planck-Institut für Aeronomie entwickelt. Seit 1990, dem Jahr, in dem diese Sonde von der NASA und der ESA gemeinsamen auf ihre Bahn geschickt wurde, um die Pole der Sonne zu erforschen, funktioniert es problemlos an Bord von Ulysses.


George Gloeckler von der University of Maryland und Johannes Geiss vom International Space Science Institute (ISSI) in Bern sind die Leiter des SWICS-Experiments. Sie und eine Gruppe weiterer Forscher aus den USA, der Schweiz und Deutschland berichten über die unerwarteten Ergebnisse des "Vorbeiflugs" in der britischen Wissenschaftszeitschrift Nature vom 6. April 2000.

Bei der Nachprüfung fanden die Wissenschaftler, dass die Sonne, der Komet Hyakutake (der sich vor vier Jahren so spektakulär präsentiert hatte), und die Solarsonde Ulysses sich auf einer Linie befanden, als ihr Instrument die Kometen-Ionen registrierte. Daraus schlossen sie, dass diese tatsächlich vom Kometen Hyakutake stammen mussten, obwohl dieser zu dem Zeitpunkt 500 Millionen Kilometer von Ulysses entfernt war.

Seit Jahrtausenden haben Menschen beobachtet, dass Kometen einen langen Schweif haben, aber niemand hätte erwartet, Gasmoleküle eines Kometen in 500 Millionen Kilometer Entfernung zu entdecken.

Worin liegt die Bedeutung dieser Entdeckung? Professor Johannes Geiss erklärt, dass damit erwiesen ist, dass Instrumente wie das SWICS Schweife sehr kleiner Kometen entdecken können, die sich mit anderen Methoden nicht aufspüren lassen.

Noch ist die Frage offen, wie viele solcher "Mini-Kometen" im Sonnensystem herumschwirren. Eine Antwort darauf wäre indessen nicht nur von wissenschaftlichem Interesse; sie hätte auch eine sehr praktische Bedeutung. Kometeneinschläge auf der Erde, auch wenn die Kometen winzig sind, können eine Katastrophe auslösen. So schlug offenbar ein kleiner Komet im Jahre 1908 bei Tonguska in Sibirien ein und zerstörte ein grosses bewaldetes Gelände. Hätte dieser Einschlag in einem bewohnten Gebiet stattgefunden, die Folgen wären kaum auszudenken gewesen.

Falls Sie weitere Informationen wünschen, nehmen Sie bitte zwischen 8.30 und 17.30 Uhr Kontakt auf mit:

Diane Taylor
ISSI
Hallerstrasse6
3012 Bern,
Tel. 031 631-4896
Fax: 031 631-4897
E-mail: taylor@issi.unibe.ch
http://vega.unibe.ch/

Sie kann Sie auch mit dem Direktor des International Space Science Institute, Prof. Johannes Geiss, der einer der beiden Leiter des Projektes ist, in Verbindung bringen.


Prof. Dr. Annemarie Etter, Universität Bern
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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