Hilfe: Sie befinden sich auf...

Friedrich-Schiller-Universität Jena, 14.04.05

Archiv

... einer Artikelseite. Sie zeigt den vollständigen Text einer Nachricht.
Sie können auf die im Artikel enthaltenen Bilder klicken, um eine größere Version des Bildes angezeigt zu bekommen.

Am Fuß der Seite finden Sie drei Boxen mit weiteren Aktionsmöglichkeiten:
Über die linke Box können Sie zum vorhergehenden, bzw. nachfolgenden Artikel in diesem Bereich navigieren.
In der mittleren Box können Sie diesen Artikel bewerten.
In der rechten Box kommen Sie zu einer Druckversion dieses Artikels, Sie können den Link dieses Artikels an einen E-Mail-Empfänger verschicken und Sie können diesen Artikel auf einen Merkzettel legen, um ihn leichter wiederzufinden.

Hilfe: Generell zu dieser Seite

Bei NETZGUT finden Sie Nachrichten aus dem Netz.
Zu der Nachricht Ihres Interesses können Sie auf drei Wegen gelangen:

Im Archiv sind die Nachrichten nach Bereichen getrennt.
Unter Themen finden Sie Nachrichten bereichsübergreifend zu einem bestimmten Thema.
Über die Schlagworte gelangen Sie zu den Artikeln, denen eben jene Schlagworte zugeordnet wurden. Auch diese Einordnung ist bereichsübergreifend.

Übrigens: Der Hilfe-Button gibt Ihnen zu jeder Seite die passenden Informationen.

Friedrich-Schiller-Universität Jena, 14.04.05

Kristall-Atome bleiben selbst beim Schmelzen träge

Physikerteam mit Jenaer Beteiligung publiziert in "Science" Details zum Phasenübergang

Prof. Sokolowski-Tinten in einem Laserlabor am Institut für Optik und Quantenelektronik der Universität Jena.
Foto: Scheere/FSU-Fotozentrum

Röntgenbeugungsbild einer Laser-bestrahlten Indium-Antimonid-Oberfläche: Wo der Femtosekunden-Laserimpuls (rotes Oval) das Material angeregt hat, ist ein sehr schnelles Verschwinden der Röntgenbeugung zu beobachten. Dies ist ein eindeutiger Nachweis für den Übergang von der geordneten Festphase in die ungeordnete Flüssigkeit.
Abbildung: Sokolowski-Tinten/FSU

Sperrfrist: 14.04.2005, 20:00 Uhr MESZ

(Jena) Wie und warum schmilzt ein Festkörper? Was ist flüssig? Diese scheinbar simplen Fragen sind gar nicht so einfach zu beantworten und auch heute noch Gegenstand aktueller Forschung. Einer internationalen Wissenschaftlergruppe ist es jetzt gelungen, die Bewegungen der Atome beim Schmelzen direkt und quasi in Echtzeit zu beobachten und so wichtige neue Einblicke in den Ablauf des Fest-Flüssig-Phasenübergangs zu gewinnen. Die Forscher haben exemplarisch das schnelle laserinduzierte Schmelzen eines Halbleiters (hier von Indium-Antimonid) mit Hilfe der zeitaufgelösten Röntgenbeugung untersucht und dazu eine neuartige Röntgenquelle, die Sub-Picosecond Pulse Source (SPPS) am Linearbeschleuniger SLAC (Stanford, USA) verwendet.


Ihre detaillierten Forschungsergebnisse, an denen der Experimentalphysiker Prof. Dr. Klaus Sokolowski-Tinten (42) von der Universität Jena wesentlichen Anteil hat, werden am 15. April in der international renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. ["Atomic-Scale Visualization of Inertial Dynamics", Science, Vol. 308, Heft 5720].

"Der Prozess des Laser-induzierten Fest-Flüssig-Phasenübergangs ist durch die Geschwindigkeit der Atome definiert, die sie unmittelbar vor der Laseranregung hatten", fasst Prof. Sokolowski-Tinten das zentrale Ergebnis zusammen. Der Laserimpuls, das konnten die Forscher beobachten, befreit die Atome schlagartig von ihren Bindungen untereinander und die Atome behalten, ihrer Trägheit folgend, anfangs einfach den Bewegungszustand vor der Anregung bei. Diese Bewegung ist vollkommen ungeordnet und durch die statistische Natur der Temperaturbewegung der Atome bestimmt. "Das eine Atom weiß zunächst nicht, was das andere Atom macht und das Material befindet sich unmittelbar nach der Anregung in einem merkwürdigen Zwischenzustand: Einerseits sind die Atome noch regelmäßig angeordnet wie in einem kristallinen Festkörper, anderseits verhalten sie sich schon wie die Atome in einer Flüssigkeit", verdeutlicht der Experimentalphysiker von der Universität Jena.

Ganz wesentlich für den Erfolg des Experimentes waren die kurzen Röntgenimpulse der SPPS, der ersten Beschleuniger-basierten Röntgenquelle, mit der es möglich ist, Röntgenimpulse von weniger als 100 Femtosekunden (1 fs = 10 hoch minus 15 s) zu erzeugen. "Das ist mindestens dreimal kürzer als das, was bisher im Röntgenbereich möglich war. Weil aber das Laser-induzierte Schmelzen so schnell ist, hätte das gleiche Experiment mit längeren Impulsen überhaupt nicht funktioniert", betont Prof. Sokolowski-Tinten, dessen Spezialgebiet am Institut für Optik und Quantenelektronik der Universität Jena die Ultrakurzzeit-Röntgenphysik ist. "Mit unseren Ergebnissen haben wir aber nicht nur etwas Neues über das schnelle Schmelzen gelernt, sondern auch gezeigt, dass man mit solchen Beschleuniger-Röntgenquellen wirklich im Ultrakurzzeitbereich experimentieren kann", so Sokolowski-Tinten weiter. Deshalb hat das Experiment an der SPPS einen ganz wesentlichen Pilotcharakter für die Milliarden-schweren Freie-Elektronenlaser-Projekte LCLS (ebenfalls bei SLAC in Stanford) und EURO-XFEL beim DESY in Hamburg. "SPPS gibt uns schon heute eine kleine Vorschau dessen, was in wenigen Jahren möglich sein wird", meint Prof. Sokolowski-Tinten. Denn mit diesen "Lichtquellen der 4. Generation" wollen Forscher in Zukunft chemische Reaktionen filmen, die atomare Struktur von (Bio)Molekülen entschlüsseln und dreidimensionale Aufnahmen aus der Nanowelt machen.

Kontakt:
Prof. Dr. Klaus Sokolowski-Tinten
Institut für Optik und Quantenelektronik der Universität Jena
Max-Wien-Platz 1, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 947250
E-Mail: sokolowski@ioq.uni-jena.de


Axel Burchardt, Friedrich-Schiller-Universität Jena
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

Weitere Artikel in diesem BereichBewerten Sie diesen ArtikelToolbox
Sehr individuell: magnetische Nanopartikel 
 Laudatio Hermes Award 2005 von Prof. Dr. Wolfgang Wahlster