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Fraunhofer-Gesellschaft, 24.01.07

Fraunhofer ITWM wird TheoPrax-Partner

"Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir", könnte das Motto von TheoPrax lauten, denn die Verbindung von Theorie und Praxis ist Ziel dieser Lehr- und Lernmethode; durch lehr- und studienplanintegrierte Projektarbeit wird die Wirtschaft mit der Ausbildung verzahnt. Seit 1996 wächst so deutschlandweit ein Netzwerk zwischen Schulen, Hochschulen und Firmen: über 40 Professoren aus Universitäten, Fachhochschulen und Forschungsinstituten, über 60 allgemein- und berufsbildende Schulen sowie mehr als 60 Industriefirmen jeder Größe beteiligen sich mittlerweile an TheoPrax.

Seit einiger Zeit gehört auch das Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik ITWM zu den Partnern: Dr. Joachim Linn, Mitarbeiter der Abteilung "Mathematische Methoden in Dynamik und Festigkeit" fungiert dabei als Auftraggeber; Auftragnehmer ist eine Studentengruppe des Fachbereichs Mathematik der TU Kaiserslautern, die in einem Modellierungsseminar Aufgabenstellungen aus der Praxis bearbeitet. Gegenstand ihrer Arbeit ist eine reale Aufgabe aus einem Industrieprojekt des Fraunhofer ITWM: "Simulation von Kabelverformungen in Echtzeit". Anwendungen sind zum einen die Simulation der Bewegung von Fertigungsrobotern, zum anderen die Auslegung von Bremsschläuchen im Motorraum. Die Studenten erstellen u.a. ein Kabelmodell und rechnen einfache Testbeispiele damit.
Die Studentengruppe definiert Arbeitspakete und Zeitschritte und macht ein Projektangebot, das mit Dr. Linn verhandelt wird; erscheint es ihm unangemessen, wird nachverhandelt, inhaltlich wie preislich - wie im "echten Leben" also. Alle drei Wochen finden Projekttreffen statt. Der Wissenschaftler wechselt für diese Zusammenarbeit die Seiten, denn normalerweise erstellen die Fraunhofer-Forscher solche Projektangebote für ihre Kunden. Das verdiente Geld erhält die AG "Technomathematik", die als TheoPrax-Partner die Kabel-Gruppe betreut und damit weitere Schüleraktivitäten finanziert. Die Studenten freuen über Büchergutscheine, "behütete" Berufserfahrung und - natürlich einen Seminarschein. Gleiches gilt für ein weiteres TheoPrax-Projekt am ITWM, in Auftrag gegeben von Dr. Jan Mohring von der Abteilung "Transportvorgänge" zum Thema Ortung in der Roboternavigation anhand von LEDs. U. a. sollten Beugungseffekte bei Kameraaufnahmen von LEDs analysiert und Fehlerabschätzungen für die ermittelten Objektpositionen gefunden werden. Wie sein Kollege ist auch Dr. Mohring sehr zufrieden mit der Arbeit der Studenten und beschäftigt nun einen von ihnen als Hiwi.
Dr. Nicole Marheineke, am Fachbereich Mathematik der TU zuständig für die Betreuung der Studenten, freut sich über die enge Verbindung von ITWM und Uni, für die sie selbst gutes Beispiel ist, denn sie hat ihre Doktorarbeit am ITWM geschrieben. "Diese enge Verzahnung eröffnet den Studenten eine ganz wichtige Perspektive für die Zeit nach dem Studium; sie lernen den Wert ihrer Arbeit einschätzen, werden ernst genommen und merken, wie wichtig sog. Softskills sind."
Gemeinsam mit Dr. Martin Bracke, ebenfalls Mathematiker an der TU und in Kaiserslautern Ansprechpartner für TheoPrax, kümmert sie sich auch um die andere Zielgruppe von TheoPrax: die Schulen. In Absprache mit den Lehrern bearbeiten sie mit Schülern einfache Probleme der mathematischen Modellierung; mit einer 11. Klasse eines Gymnasiums in Bitburg beispielsweise die Optimierung einer Produktionsstraße. Mit einer 10. Klasse am Weiherhof-Gymnasium in Kirchheim-Bolanden haben sie alltägliche Fragestellungen aus mathematischen Gebieten modelliert: Wie schieße ich den optimalen Elfmeter? Wie sieht die Euromünzenverteilung in Europa aus?
Martin Bracke freut sich, dass es endlich auch in Rheinland-Pfalz ein TheoPrax-Zentrum gibt, denn vor allem die Studenten profitieren sehr von den Projekten: "Es ist überraschend, wie sich das Engagement und die Verbindung der Studenten zur bearbeiteten Fragestellung durch den Ernstcharakter in TheoPrax im Vergleich zu bisherigen Projekten erhöht!" Dieser Effekt soll zukünftig auch verstärkt mit den Schulprojekten erzielt werden.
Bundesweit wurden bislang 350 Projekte abgeschlossen.

Weitere Informationen:


Ilka Blauth, Fraunhofer-Institut, Fraunhofer-Gesellschaft
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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