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Siemens AG, 15.07.03

Europäischer Führerstand für Züge

Zündschlüssel drehen und los geht's: Auto- und auch Lastwagenfahrer kommen mit fast jedem Modell auf Anhieb zurecht, weil sie die wichtigsten Bedienelemente immer an derselben Stelle finden. So leicht haben es die Lokführer der europäischen Bahnbetreiber nicht. Darum muss heute noch häufig an den Staatsgrenzen wegen unterschiedlicher Standards der Triebzug ausgewechselt werden - und der Fahrer gleich mit. Das ist für die geplanten europaweiten Hochgeschwindigkeitstrassen ein undenkbares Szenario. Deshalb haben Europas Zughersteller das von der EU geförderte Forschungs- und Entwicklungsprojekt "European Driver`s Desk" (EUDD) ins Leben gerufen. In dem Projekt entsteht der Prototyp eines einheitlichen Führerpultes für den kompletten grenzüberschreitenden Zugverkehr.
Aus Sicherheits- und Kostengründen kommen Testfahrten auf einer echten Lokomotive nicht in Frage. Das Konsortium hat deshalb einen Demonstrator für Probefahrten mit dem neuen Zug-Cockpit entwickelt. Die Kabine stammt von Bombardier, von Siemens die Leittechnik und das Modell zweier Strecken im Computer. Programmiert wurde die Tauernstrecke, für die ICE-Strecke Kassel-Würzburg wurden die Daten der Deutschen Bahn aufbereitet. Fast 40 Lokführer aus sechs Ländern haben den Führerstand der Zukunft im Virtual-Reality-Labor von Siemens in München-Perlach getestet. Der Versuchsaufbau bot dafür die perfekte Illusion: Signal auf Grün, Hebel auf Beschleunigung und schon zog die Landschaft vorbei. Bahnhöfe, Signalanlagen, Strommasten, Berge und Bäume - alles war mit großer Liebe zum Detail abgebildet. Drei Videoprojektoren warfen das Bild auf eine 180 Grad-Leinwand. Sogar die Geräuschkulisse war von echten Lokomotiven.
Die Lokführer füllten anschließend Fragebögen aus, anhand von Videoaufzeichnungen und der Daten des Fahrtenschreibers gewannen die Projektpartner weitere Erkenntnisse. Die Lokführer äußerten sich durchweg positiv darüber, dass sie erstmals in eine Neuentwicklung eingebunden wurden. Sie lobten unter anderem die verschiebbare Sonnenblende, die vergrößerte Fußnische und die höhenverstellbare Tischfläche, die aufgrund der reduzierten Anzahl der Bedienelemente aufgeräumt wirkt.
(Foto unter http://www.siemens.com/ts-bild/sots200303)

Weitere Informationen:


Dr. Norbert Aschenbrenner, Siemens AG
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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