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Friedrich-Schiller-Universität Jena, 12.04.05

EinStein würfelt nicht!

Mathematiker der Universität Jena entwickeln Brettspiel zum Einstein-Jahr

Prof. Althöfer und sein EinStein-Spiel.
Foto: Scheere/FSU-Fotozentrum

Jena (12.04.05) "Jedenfalls bin ich überzeugt, dass der Alte nicht würfelt", schrieb 1926 Albert Einstein an Max Born. Die Nachwelt machte daraus "Gott würfelt nicht!" - und das vermeintliche Einstein-Zitat wurde zum Allgemeingut. Passend zum Einstein-Jahr 2005 hat es Prof. Dr. Ingo Althöfer von der Universität Jena aufgegriffen und für den Titel eines neuen Spiels genutzt. "EinStein würfelt nicht" heißt das Brettspiel, das der Mathematiker entwickelt hat und das gerade auf den Markt gekommen ist. Es ist auch das offizielle Begleitspiel der Wanderausstellung "Gott würfelt nicht - Spiel in der Wissenschaft, Wissenschaft im Spiel", die am 17. Juli in Göttingen eröffnet wird.


Die Regeln des etwas an Backgammon erinnernden Spieles sind einfach. Zwei Spieler haben jeweils sechs (Einstein)Figuren im Wert von 1 bis 6. Der Spieler, der am Zug ist, würfelt und darf dann den Stein mit der gewürfelten Nummer um ein Feld gerade oder schräg nach vorne bewegen. Ziel ist es, die gegnerische Ecke des Spielbretts mit einem Stein zu erobern. Klingt einfach - und ist es auch.

Doch gegen Althöfer oder gegen einen anderen starken Spieler zu gewinnen, ist alles andere als simpel. "Die Besonderheit des Spiels liegt darin, dass man auch seine eigenen Steine schlagen darf und dadurch mehr Beweglichkeit für die verbleibenden Figuren erhält", erläutert Althöfer. Wenn ein Spieler nur noch einen Stein übrig hat, muss er nicht mehr würfeln: Ein Stein würfelt nicht! Althöfers Tipp: "Weniger Steine kommen schneller voran". Daher rät der erfahrene Spieler dazu, möglichst früh zwei bis drei eigene Steine zu schlagen, denn nicht die Masse bringt den Sieg. "In diesem Spiel ist eben auch das Material relativ", sagt Althöfer in Anspielung auf Einstein. Im Internet wird derzeit der Holländer Theo van der Storm (aus Amsterdam) als stärkster menschlicher EinStein-Spieler "gehandelt".

Das Entwickeln und Verbessern von Spielen ist jedoch nicht Selbstzweck an Althöfers Lehrstuhl für Mathematische Optimierung, wo bereits mehrere Spiele entstanden sind. "Das Spiel zeigt, wie Wissenschaft in der Praxis funktioniert und macht Mathematik anschaulicher", erläutert Althöfer. So lässt sich etwa mit dem EinStein-Spiel die Wahrscheinlichkeits-Rechnung ganz plastisch lernen. Außerdem wird beim Spieleerfinden als Hilfsmittel intelligente Software eingesetzt, die am Lehrstuhl im Rahmen von Diplomarbeiten entstanden ist.

Der Informatikstudent Andreas Schäfer hat in einer Semesterarbeit ein Computerprogramm namens "RocknRoll-Baby" entwickelt, das das Spiel momentan wohl besser beherrscht als jeder Mensch. Das musste Jenas bester "EinSteiner", Dr. Stefan Schwarz, am eigenen Leib erfahren. Der Mitarbeiter an Althöfers Lehrstuhl verlor im "Prüfungswettkampf" - es ging um den Seminarschein für Andreas Schäfer - gegen das "Baby" ganz deutlich mit 3:17.

Der Mathematikdoktorand Jörg Sameith hat unter Mithilfe von Stefan Schwarz ein weiteres EinStein-Programm geschrieben, bei dem sich die Spielstärke in Stufen einstellen lässt. Der Reiz für dieses freiwillige Engagement liegt bei Sameith und Schwarz darin, "ein starkes Programm zu haben, das einen zwingt, selber möglichst gut zu spielen. Bis zur Spielstufe ,Geselle' spielt man gut mit", so Schwarz. Gegen die Meisterstufe verlieren aber selbst die Entwickler bei längeren Partieserien fast immer.

Das Brettspiel "EinStein würfelt nicht" existiert in zwei Varianten. Die Version mit bunten Holzrobotern als Figuren - "Ein sehr schnelles Zweierspiel für Jung und Alt" - wird von der Edition Perlhuhn (Göttingen) zum Preis von 18 Euro vertrieben. Die Ausführung mit Glas-Spielsteinen ist im 3-Hirn-Verlag von Althöfers Lehrstuhl erhältlich (E-Mail: althofer@minet.uni-jena.de), in der Holzschachtel für 15,80 Euro, in der Socke für 12 Euro.

Einen Preisnachlass verspricht Prof. Althöfer demjenigen, der ihm eine gute Bezugsquelle für passende Socken (mit Einstein-Logo!) nennt, denn "ich habe bisher noch keine Einstein-Socken gesehen", bedauert der Mathematiker von der Universität Jena.

Kontakt:
Prof. Dr. Ingo Althöfer
Institut für Angewandte Mathematik der Universität Jena
Ernst-Abbe-Platz 1-4, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 946210
Fax: 03641 / 946202
E-Mail: althofer@minet.uni-jena.de


Axel Burchardt, Friedrich-Schiller-Universität Jena
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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