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DFG Forschungszentrum MATHEON Mathematik für..., 12.11.07

Vom Dietrich zum Sicherheitsschlüssel

Mathematiker des DFG-Forschungszentrums MATHEON entwickeln neues mathematisches Modell, mit dem sie die Wirksamkeit eines Wirkstoffes am Computer einschätzen können. Damit konnten sie jetzt einen neuen Wirkstoff für die Diabetes-Behandlung simulieren, der eine hohe Wirksamkeit und sehr geringe Nebenwirkungen verspricht.

Dockingsimulation des neuen Wirkstoffes

Diabetes ist eine Volkskrankheit, vor allem die Zahl der so genannten Typ 2-Diabetiker steigt mit zunehmenden Alter, neue medikamentöse Therapie-Ansätze scheitern bisher an erheblichen Nebenwirkungen. Deshalb ist man weltweit auf der Suche nach wirkungsvolleren und unschädlicheren Medikamenten. Dr. Marcus Weber, Mathematiker am DFG-Forschungszentrum MATHEON ist es jetzt gelungen, gemeinsam mit Alexander Bujotzek einen Wirkstoff zu simulieren, der hier eine optimale Lösung verspricht. Allerdings fehlt den beiden Forschern noch ein industrieller Partner, der die Synthetisierung des bisher nur im Computer existierenden Wirkstoffes finanzieren könnte.


Im Magen-Darm-Trakt jedes Menschen befinden sich Inkretine, die einerseits die Insulinausschüttung und die Insulinsynthese positiv beeinflussen, andererseits die Magenentleerung verlangsamen und das Hungergefühl reduzieren und so den Zuckerhaushalt regeln. Das körpereigene Enzym Dipeptidylpeptidase 4 (DPP4) baut diese Inkretine jedoch schon nach kürzester Zeit ab und verhindert somit deren positive Wirkung auf den Zuckerhaushalt.

Die Arbeitsgruppe "Computational Drug Design" am Zuse-Institut in Berlin hat sich nun eine Reihe bereits in der Forschung befindlicher DPP4-Inhibitoren angeschaut und im Computer simuliert. Dabei wurde auch ein Wirkstoff untersucht, der bereits in der Röntgenstrukturanalyse große Unsicherheiten aufwies und dessen Bindungsverhalten deshalb nicht genau bekannt war. "Wir haben entdeckt, dass dieser Wirkstoff zwar mit der Schnauze an das DPP4 andockte, aber wie ein freundlicher Hund mit seinem Schwanz wedelte. Dieses Wedeln zeigte an, dass dieser Wirkstoff noch nicht spezifisch genug für die DPP4 war. Der Wirkstoff war also wie ein simpler Dietrich, der viele Türen öffnen und verschließen konnte, wir aber suchten ja den Sicherheitsschlüssel, der nur für ein ganz bestimmtes Schlüsselloch passt.", schildert Marcus Weber. Also versuchten er und Alexander Bujotzek, dieses lose Ende durch eine große Gruppe zu ersetzen, die genau auf die DPP4 passen und so den "Schwanz" zur Ruhe zu bringen sollte.

Diese Umstrukturierung des Wirkstoffes ist den beiden Wissenschaftlern nun in der Simulation gelungen. Auch eine ursprüngliche "ungünstige Chemie" des Wirkstoffes konnte gemeinsam mit dem Chemiker Jörg Rademann vom Leibnitz-Institut für Molekulare Pharmakologie in Berlin-Buch beseitigt werden. Gleichzeitig hat Marcus Weber ein mathematisches Modell entwickelt, mit dem er die Wirksamkeit eines Wirkstoffes am Computer einschätzen und feststellen kann, ob und wenn ja welche unwirksamen Teile es gibt. Ebenso kann mit der Simulation die Wirkungsweise des Stoffes bildlich dargestellt werden.

"Damit können wir nun wichtige Designvorgaben zur gezielten Entwicklung spezifischer Wirkstoffmoleküle machen und diese Vorgaben auch überprüfen", ist sich Marcus Weber sicher. Jetzt allerdings müsste der Wirkstoff aus dem Computer in die Wirklichkeit transportiert, also tatsächlich hergestellt und dann klinisch getestet werden. "Doch dazu", so der Mathematiker, "fehlt vor allem eine finanzielle Unterstützung von der Industrie".

Weitere Informationen erhalten Sie bei Dr. Marcus Weber, +49 (0)30 84185-189, Email weber@zib.de

Weitere Informationen:


Rudolf Kellermann, DFG Forschungszentrum MATHEON Mathematik für Schlüsseltechnologi
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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Ein Modell ist allgemein eine auf bestimmte Zwecke ausgerichtete vereinfachende Beschreibung der Wirklichkeit. In der wissenschaftlichen Theoriebildung ist ein Modell das Ergebnis einer abstrahierenden und Relationen hervorhebenden Darstellung des behandelten Phänomens. Ein Modell entsteht, wenn Elemente aus dem Phänomen abstrahiert und zueinander in Beziehung gesetzt werden. Die Funktion des Modells besteht darin, aus den dargestellten Zusammenhängen Bedingungen und Prognosen bezüglich des Phänomens (oder Problems) ableiten zu können. Wikipedia


 
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Die Simulation oder Simulierung ist eine Vorgehensweise zur Analyse von Systemen, die für die theoretische oder formelmäßige Behandlung zu kompliziert sind. Dies ist überwiegend bei dynamischem Systemverhalten gegeben. Bei der Simulation werden Experimente an einem Modell durchgeführt, um Erkenntnisse über das reale System zu gewinnen. Im Zusammenhang mit Simulation spricht man von dem zu simulierenden System und von einem Simulator als Implementierung oder Realisierung eines Simulationsmodells. Letzteres stellt eine Abstraktion des zu simulierenden Systems dar (Struktur, Funktion, Verhalten). Der Ablauf des Simulators mit konkreten Werten (Parametrisation) wird als Simulationsexperiment bezeichnet. Dessen Ergebnisse können dann interpretiert und auf das zu simulierende System übertragen werden. Wikipedia


 
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Wirkstoffe sind Substanzen, die in geringer Dosis in einem Organismus eine spezifische Wirkung bzw. eine Reaktion hervorrufen. Wird ein Wirkstoff zu therapeutischen Zwecken am Menschen oder am tierischen Körper angewandt, so bezeichnet man ihn als Arzneistoff. Das deutsche Arzneimittelgesetz definiert Wirkstoffe als Stoffe, die dazu bestimmt sind, bei der Herstellung von Arzneimitteln als arzneilich wirksame Bestandteile verwendet zu werden oder bei ihrer Verwendung in der Arzneimittelherstellung zu arzneilich wirksamen Bestandteilen zu werden (AMG § 4 (19)). Andere wirkstoffhaltige Produkte sind zum Beispiel Pflanzenschutzmittel. Wikipedia


 

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