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Bertelsmann Stiftung, 22.10.03

Bertelsmann Stiftung legt Verhaltenskodex für Suchmaschinen im Internet vor

Neue Initiative soll Informationszugang transparenter machen und Qualität verbessern

München, 22. Oktober 2003. Die Bertelsmann Stiftung legt heute im Rahmen der Münchner Medientage einen Verhaltenskodex für Betreiber von Suchmaschinen vor. Der freiwillige Ko­dex soll den Zugang zu Informationen im Internet transparenter machen und die Qualität und Bedienbarkeit von Suchmaschinen verbessern. Die Initiative wird bereits von AOL Deutsch­land, Microsoft MSN Deutschland und der Allesklar.com AG unterstützt. Die Bertelsmann Stiftung lädt alle Suchmaschinenbetreiber in Deutschland ein, sich auf den Verhaltenskodex zu verpflichten.


Suchmaschinen sind die Wegweiser der Informationsgesellschaft: Über 90 Prozent der Internetnutzer finden sich nur mit ihrer Hilfe im Netz zurecht. "Suchmaschinen entscheiden heute - ähnlich wie Journalisten - mit darüber, welche Themen überhaupt wahrgenommen werden", sagte Prof. Dr. Marcel Machill, Journalistik-Professor an der Universität Leipzig und Berater der Bertelsmann Stiftung. Während sich Journalisten jedoch an den Pressekodex halten müssten, gebe es für Suchmaschinenbetreiber keine verbindlichen Qualitätsstandards. Dies wolle die Bertelsmann Stiftung mit ihrer Initiative ändern.

Dass Suchmaschinen keine objektiven Werkzeuge sind, zeigt eine neue Studie der Bertels­mann Stiftung: Zum einen werden die Suchergebnisse zunehmend von außen durch kommer­zielle Website-Anbieter manipuliert, die eine Top-Platzierung ihrer Websites erzielen wollen. Problematisch ist dieses "Spamming" vor allem, wenn Minderjährige nach der Eingabe von harmlosen Suchbegriffen auf pornografische oder extremistische Websites gelockt werden. Zum anderen gibt es auch interne Manipulationen: Viele Suchmaschinenbetreiber verkaufen Einträge in die Trefferlisten. Das Problem: Die bezahlten Treffer sind für die Nutzer oft nur schwer als Werbung erkennbar.

Auf den Münchner Medientagen diskutieren hochrangige Experten über die Aufgaben und Probleme von Suchmaschinen und die verschiedenen Lösungsansätze von Medienpolitik und -wirtschaft. Dabei geht es insbesondere um die Frage, inwieweit Selbstregulierungsinitiativen einen Beitrag zur Lösung der Probleme leisten können. Der von der Bertelsmann Stiftung entwickelte "Code of Conduct" sieht vor, dass die Nutzer über die grundlegenden Funktionen einer Suchmaschine aufgeklärt werden, insbesondere über die Kriterien zum Ranking der Trefferlisten. Werbung soll eindeutig gekennzeichnet werden. Kinder und Jugendliche sollen möglichst nicht in Kontakt mit jugendgefährdenden Inhalten kommen. Weiterhin in Planung: Ein Gütesiegel für Suchmaschinen.

AOL Deutschland, Microsoft MSN Deutschland und die Allesklar.com AG unterstützen die Initiative und wollen den Verhaltenskodex in die Praxis umsetzen. "Diese Anbieter", so Pro­jektmanager Carsten Welp, "signalisieren dem Nutzer und dem Gesetzgeber, dass sie ihre gesellschaftliche Verantwortung ernst nehmen." In einem nächsten Schritt will die Bertels­mann Stiftung gemeinsam mit den Suchmaschinenbetreibern eine "Freiwillige Selbstkontrolle Suchmaschinen" etablieren, mit der der Verhaltenskodex auf breiter Ebene implementiert werden soll.

Rückfragen an: Prof. Dr. Marcel Machill, Telefon: 0 52 41 / 81-81 350
Carsten Welp, Telefon: 0 52 41 / 81-81 361

weitere Informationen: www.bertelsmann-stiftung.de/suchmaschinen

Hinweis zu Studie und Verhaltenskodex:

Die ausführlichen Ergebnisse der Suchmaschinen-Studie und der Code of Conduct sind in der Publikation "Wegweiser im Netz. Qualität und Nutzung von Suchmaschinen" (Verlag Bertelsmann Stiftung, Gütersloh 2003, ISBN 3-89204-714-6) nachzulesen. In der Studie wur­den Bedienerfreundlichkeit und inhaltliche Qualität der meistgenutzten deutschen Suchma­schinen untersucht. Eine empirische Nutzerbefragung gibt Aufschluss über die Erfahrungen der Nutzer bei der Informationssuche; weiterhin wurde in einem Laborexperiment das tat­sächliche Verhalten von Suchmaschinennutzern erforscht.

Weitere Informationen:


Julia Schormann, Bertelsmann Stiftung
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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