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Freie Universität Berlin, 13.02.04

Algorithmen für die Mimik - Numerische Modellierung des Gesichts für eine optimale Operationsplanung

Bewusstes und unbewusstes Mienenspiel ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Kommunikation von Angesicht zu Angesicht. Personen, deren mimisches Ausdrucksvermögen durch Krankheit oder Unfall reduziert ist, können weniger soziale Informationen übermitteln. In der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie können organische Ursachen mehr oder weniger gut operativ ausgeglichen werden. Dr. Evgeny Gladilin ist es in seiner Dissertation am Fachbereich Mathematik und Informatik der Freien Universität Berlin gelungen, ein numerisches Modell des Gesichtsweichgewebes zu entwickeln, mit dem nicht nur die Vorhersage des postoperativen Erscheinungsbildes des Patienten, sondern auch seiner individuellen Mimik möglich ist. Dabei können einzelne Muskelbewegungen und sogar komplexe Gesichtsausdrücke vorausberechnet werden. Mit diesem Verfahren kann die dreidimensionale OP-Planung und die chirurgischen Ergebnisse optimiert werden.


Virtuelle Verlängerung des Unterkieferknochens

Gesichtsweichgewebe besteht aus verschiedenen Komponenten (vor allem Zellen, intrazellulärer Matrix, Fasern), deren mechanische Eigenschaften sich einerseits untereinander, andererseits in jedem Gesichtspunkt unterscheiden. Ausschlaggebend für eine Modellierung sind die räumliche Verteilung der unterschiedlichen Geweben und die Ausrichtung der Faserstrukturen, vor allem die von Kollagen und Elastin. Dieser komplexe "Materialmix" kann aber näherungsweise durch ein vereinfachtes Multilayer Modell, bestehend aus Haut-, Fett-, Knorpel- und Muskelschichten unterschiedlicher Steifigkeiten, beschrieben werden.


Der erste Schritt in Richtung eines virtuellen Patienten bestand in der realistischen Abbildung seiner Anatomie im Rechner. Zu diesem Zweck wurde aus Daten der Computertomografie mit Hilfe des am Zuse Institut Berlin (ZIB) entwickelten Visualisierungsprogramms AMIRA ein dreidimensionales geometrisches Modell erstellt. Dieses Modell ist ein Gitter mit mehreren hunderttausend bis mehreren Millionen Tetraedern (von vier Dreiecken begrenzte Raumelemente). Zur voraussagenden Berechnung des Weichgewebes wurde ein biomechanisches (nichtlinear elastisches) Modell entwickelt, mit dem sowohl statische Verformung des Gesichtsgewebes bei Knochen umstellenden Operationen (z.B. Verkürzung oder Verlängerung des Unterkiefers) als auch die durch die Muskelkontraktionen ausgelösten Gesichtsmimiken simuliert werden konnten.

Das auf der so genannten Finite Elemente Methode basierte numerische Modell wurde in mehreren Studien erfolgreich getestet, bei denen das postoperative Erscheinungsbild von insgesamt elf Patienten vorausgesagt wurde. Die Kooperationspartner des am ZIB angesiedelten "Computer Assisted Surgery"-Projektes, in dessen Rahmen diese Studien durchgeführt wurden, sind zur Zeit das University Hospital Basel (Schweiz), Karolinska Hospital (Stockholm, Schweden) und FB Mundkiefer-Gesichtschirurgie der Universität Leipzig und Universität Erlangen-Nürnberg.

von Matthias Manych

Weitere Abbildungen finden Sie auf unserer Homepage unter:
http://www.fu-berlin.de/...p/archiv/pdw04/pdw_04_003.html

Weitere Auskünfte erteilt Ihnen gern:
Dr. Evgeny Gladilin, Zuse Institut Berlin, Takustr. 7, 14195 Berlin, Tel.: 030 / 84185-158, E-Mail: gladilin@zib.de, Internet: www.zib.de/gladilin

Weitere Informationen:


Ilka Seer, Freie Universität Berlin
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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