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Forschungszentrum Karlsruhe in der..., 14.11.03

Zukunftstechnologie auf dem Prüfstand

Der Bericht gibt nach einer Abgrenzung des Begriffs "Nanotechnologie" und einer Betrachtung der deutschen Aktivitäten im internationalen Vergleich einen Überblick über die wichtigsten Anwendungsfelder der Nanotechnologie. Vertieft untersucht werden die Anwen-dungen der Nanotechnologie in ausgewählten Industriebranchen, insbesondere in der Informations- und Kommunikationstechnik und in den Lebenswissenschaften. Abgerundet wird der Bericht durch eine kritische Durchsicht von "Nano-Visionen", eine Diskussion von Chancen und Risiken dieser Zukunftstechnologie sowie eine Identifizierung des Handlungsbedarfs in Politik und Forschung.


Nanotechnologie ist ein Sammelbegriff für eine weite Palette von Technologien, die sich mit Strukturen und Prozessen im Größenbereich der Nanometerskala befassen. Ein Nanometer ist ein Milliardstel Meter (10-9 m) und bezeichnet einen Grenzbereich, in dem die Oberflächeneigenschaften gegenüber den Volumeneigenschaften der Materialien eine immer größere Rolle spielen und zunehmend quantenphysikalische Effekte berücksichtigt werden müssen.

Der Bericht des vom Forschungszentrum Karlsruhe betriebenen Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag bescheinigt Deutschland im internationalen Ver-gleich eine zur Zeit starke Position in der Nanotechnologie, sowohl bei der Zahl der wissenschaftlichen Veröffentlichungen als auch bei den Patentanmeldungen.

Der Bericht sieht Potenziale für Anwendungen der Nanotechnologie in fast allen Industriezweigen, auch in solchen, die eher zum Lowtech-Bereich gerechnet werden. Unter die Lupe genommen werden sechs Branchen: Automobilindustrie, Luft- und Raumfahrtindustrie, Bauwesen, Textilindustrie, Energiewirtschaft und chemische Industrie. Ein spezieller Fokus liegt auf Anwendungen in der Informations- und Kommunikationstechnik sowie in den Lebenswissenschaften. In allen Bereichen werden hohe Entwicklungspotenziale durch den Einsatz von Nanotechnologie identifiziert. Insgesamt ist der Entwicklungsstand von Produkten, Produktideen und Konzepten der Nanotechnologie sehr unterschiedlich; entsprechend reicht ihr Realisierungszeitpunkt von der Gegenwart bis weit in die Zukunft.

Die mit einer Weiterentwicklung der Nanotechnologie verbundenen Wachstumschancen werden im Bericht für fast alle Branchen der Wirtschaft als sehr hoch eingeschätzt. Allerdings ist an vielen Stellen noch der Übergang von der wissenschaftlichen Forschung zum Produktionsprozess zu leisten.

Für die Umwelt und unsere Gesundheit werden von der Nanotechnologie einerseits positive Folgen durch neue Therapieansätze, medizintechnische Entwicklungen und Ressourcenschonung erwartet. Andererseits werden hier auch die möglichen negativen Folgen einer unkontrollierten Freisetzung von Nanopartikeln diskutiert.

Die Empfehlungen des Berichts an die Politiker zur Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen sind umfassend:

* Die Voraussetzungen für die erfolgreiche Weiterentwicklung der Nanotechnologie und die breite wirtschaftliche und gesellschaftliche Nutzung ihrer Potenziale müssen geschaffen oder verbessert werden.

* Die Nanotechnologie muss in der öffentlichen Forschungsförderung ein prioritärer Bereich bleiben, damit die deutsche Forschung ihre derzeit starke internationale Position in diesem Bereich behaupten kann.

* Zur Untersuchung von Umwelt- und Gesundheitsfolgen nanotechnologischer Produkte und Verfahren sind verstärkte Forschungsanstrengungen erforderlich.

* Die gesellschaftlichen und ethischen Aspekte der Entwicklung und Anwendung der Nanotechnologie sollten erforscht werden.

* Das Informationsangebot an die Öffentlichkeit sollte ausgeweitet werden. Außerdem sind neue interdisziplinäre Ansätze in Ausbildung und Nachwuchsförderung notwendig.

* Politische Entscheidungen über die Notwendigkeit nanotechnologie-spezifischer Regulierungen müssen in absehbarer Zeit getroffen werden.

Der Bericht geht nach der Abnahme durch den Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung des Deutschen Bundestages in Druck und wird ab Anfang Dezember verfügbar sein. Reservierungen nimmt das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) entgegen (Tel. 030 284910). Eine Zusammenfassung ist im Internet auf den Seiten des TAB unter http://www.tab.fzk.de/de/aktuell.htm erhältlich.

Das Forschungszentrum Karlsruhe ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, die mit ihren 15 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2,1 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands ist. Die insgesamt 24 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Helmholtz-Gemeinschaft forschen in den Bereichen Struktur der Materie, Erde und Umwelt, Verkehr und Weltraum, Gesundheit, Energie sowie Schlüsseltechnologien.

Joachim Hoffmann 13. November 2003

Weitere Informationen:


Inge Arnold, Forschungszentrum Karlsruhe in der Helmholtz-Gemeinschaft
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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