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Universitätsklinikum Tübingen, 14.04.05

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Universitätsklinikum Tübingen, 14.04.05

Volkswagen Stiftung fördert Tübinger Neurowissenschaften

Die Volkswagen Stiftung bewilligt zehn Vorhaben über insgesamt 3,9 Millionen Euro in ihrer neurowissenschaftlichen Förderinitiative "Dynamik und Adaptivität neuronaler Systeme - Integrative Ansätze zur Analyse kognitiver Prozesse". Zwei dieser Projekte sind in Tübingen angesiedelt, ein weiteres findet unter Beteiligung eines Tübinger Neurowissenschaftlers statt.

Projekt 1
527.800 Euro gehen an das Vorhaben "Von Helmholtz's missing reference signals: Do they reflect an adapting action of the cerebellum on the cerebral cortex" von Professor Dr. Hans-Peter Thier vom Zentrum für Neurologie, Abteilung Kognitive Neurologie der Universität Tübingen, Professor Dr. Shabtai Barash, Department Neurobiology, The Weizmann Institute of Science, Rehovot/Israel und Professor Dr. Mitchell Glickstein, Neuroscience & Behaviour Group, Department Anatomy & Developmental Neurobiology; University College London/Großbritannien.


Filter des Sehens
Dass unser Gehirn zu einem stabilen Eindruck von visuellen Reizen kommt, ist - genau genommen - erstaunlich, denn Augen und Körper bewegen sich nahezu ununterbrochen. Möglich wird das ruckelfreie Bild der Welt durch einen vorgeschalteten Informationsabgleich: Unser Gehirn vergleicht Informationen, die unsere Augen liefern, mit unseren Erwartungen. Ereignisse, die unerwartet und deswegen besonders relevant sind, filtert es so aus dem beständigen Strom einlaufender Informationen heraus und leitet sie weiter zur bewussten Wahrnehmung. Umgekehrt können die Informationsanteile, die nichts Neues enthalten, verworfen werden. Dazu gehören auch die visuellen Folgen von Augenbewegungen - denn: Das Gehirn hat sie erwartet, sie liefern keine neuen Informationen, also wird ihr Zugriff auf das Bewusstsein unterbunden.

Die Wissenschaftler dieses Vorhabens möchten die Gehirnstrukturen und die neuronalen Mechanismen identifizieren, die diesen so genannten inferenziellen Prinzipien zu Grunde liegen. Insbesondere überprüfen sie die Hypothese, wonach in frontalen Augenfeldern ein erster grober Entwurf einer visuellen Erwartung augenbewegungs-induzierter visueller Bewegung erzeugt und dieser dann durch eine enge Interaktion mit spezifischen Teilen des Kleinhirns optimiert wird. Ihre Forschungsansätze schließen Einzelzellelektrophysiologie genauso ein wie die Analyse anatomischer Projektionssysteme und die reversible Inaktivierung solcher Systeme im Tierversuch. Sollte sich die Hypothese bestätigen, müssten zahlreiche bisher existierende Modelle umgeschrieben werden.

Projekt 2
285.700 Euro erhält das Vorhaben "Dynamics of human executive functions and their relation to genotypes in the dopaminergic system" von Professor Dr. Thomas F. Münte vom Institut für Psychologie II, Abteilung Neuropsychologie der Universität Magdeburg, Professor Dr. Ludger Schöls vom Hertie-Institut für Klinische Hirnforschung der Universität Tübingen und Professor Dr. Antoni Rodriguez-Fornells, Department Basic Psychology, Faculty of Psychology der University of Barcelona.

Projekt 3
80.700 Euro bekommt das methodisch orientierte Einzelvorhaben "Vibro-tactile stimulator suited for Magnetoencephalography and functional Magnetresonancetomography" von Privatdozent Dr. Christoph Braun vom MEG-Zentrum der Universität Tübingen.

Die Berührung der Haut und das Ertasten von Gegenständen lösen im Gehirn komplexe Verarbeitungsschritte aus, die im Prinzip mit modernen Untersuchungsgeräten, wie dem Magnetoenzephalographen (MEG) und dem funktionellen Kernspintomographen (fMRT) erfasst werden können. Die Untersuchung der Gehirnaktivität bei Berührungsreizen stellt jedoch extreme Anforderungen an die Reizapparatur, die bislang nur unzureichend gelöst sind. Da im MEG die äußerst geringe magnetische Aktivität des Gehirns registriert wird, und im fMRT die Gehirndurchblutung in einem starken, aber präzise eingestellten Magnetfeld erfasst wird, dürfen vom eingesetzten Reizgerät keinerlei elektromagnetische Störung ausgehen. In dem Tübinger Projekt wird daher eine Reizapparatur entwickelt, die die Darbietung von Berührungsreizen, die vom Kitzeln bis zum Nadelstich reichen können, in empfindlichen Laborumgebungen ermöglicht.

Ansprechpartner für nähere Informationen:

Projekt 1
Universitätsklinikum Tübingen
Zentrum für Neurologie, Kognitive Neurologie
Prof. Dr. Hans-Peter Thier
Tel. 0 70 71 / 29-8 30 57, E-Mail thier@uni.tuebingen.de

Projekt 2
Universitätsklinikum Tübingen
Hertie-Institut für klinische Hirnforschung
Prof. Dr. Ludger Schöls
Tel. 0 7 0 71 / 29-8 04 45, E-Mail Ludger.Schoels@med.uni-tuebingen.de

Projekt 3
Universitätsklinikum Tübingen
MEG-Zentrum
Priv.-Doz. Dr. Christoph Braun
Tel. 0 70 71 / 29-8 77 05, E-Mail christoph.braun@uni-tuebingen.de

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Wir bitten um ein Belegexemplar.

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Tübingen
Otfried-Müller-Str. 47, 72076 Tübingen
Tel. 07071/29-8 01 12, -8 10 20, -8 36 59, Fax 07071/29 45 45
E-Mail oeffentlichkeitsarbeit@med.uni-tuebingen.de
www.medizin.uni-tuebingen.de/cgi-bin-all/pm.cgi


Dr. Ellen Katz, Universitätsklinikum Tübingen
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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