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Umweltbundesamt (UBA), 04.05.00

Verkehrstelematik: Kein Allheilmittel zur Verringerung der Umweltbelastungen

Die Studie zeigt, dass der ausschließliche Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnik - selbst wenn dieser sehr umfassend ist - eine dauerhaft umweltverträgliche Mobilität nicht sichern kann. Insgesamt wurden die Umweltwirkungen der Telematik im Straßenverkehr an insgesamt zehn verschiedenen Einzelsystemen untersucht: Systeme zur kollektiven und individuellen Verkehrsbeeinflussung (Streckenbeeinflussung auf Autobahnen, dynamische Zielführungssysteme) sowie Informations- und Kommunikationssysteme (Park & Ride, Lkw-Flottenmanagement). Betrachtet wurden zwei Untersuchungsräume: Für den innerörtlichen Verkehr ein Teil des Straßennetzes von Köln-Deutz, für den überörtlichen Verkehr ein Teil des Autobahnnetzes im Rhein-Main-Gebiet.

Bislang gibt es hinsichtlich der Umweltwirkungen von Telematiksystemen im Straßenverkehr nur wenige quantitative und überwiegend auf spezielle Einzelfälle bezogene Erkenntnisse aus verschiedenen Pilotversuchen. Die aktuelle Untersuchung liefert erstmals quantitativ abgestützte und nach einheitlicher Methodik ermittelte Informationen über die mit dem Einsatz von Telematiksystemen im Straßenverkehr verbundenen Umweltwirkungen.

Berechnet wurden die wichtigsten toxischen Luftschadstoffe, wie Kohlenmonoxid, Stickoxide und Rußpartikel, der Ausstoß des klimawirksamen Kohlendioxids sowie für den innerörtlichen Bereich die Lärmwirkungen auf die Anwohner. Telematiksysteme können nennenswert zur Verminderung des Kraftstoffverbrauchs und der Abgase beitragen, wenn sie zu einer Verringerung der Pkw- oder Lkw-Fahrleistungen führen. Eine spürbare Verringerung des Verkehrslärms durch Telematik ist hingegen nicht möglich. Dazu sind verkehrsplanerische und technische, an den Lärmquellen ansetzende Lösungen gefragt, wie zum Beispiel lärmarme Reifen und Straßendecken.

Am besten entlasten Systeme mit einer automatischen Gebührenerhebung die Umwelt. Damit wird allerdings vergleichsweise stark in das Verkehrsgeschehen eingegriffen. Eine umfassende Erhebung von Straßengebühren ist ohne Telematiksysteme nicht möglich.

Eine positive Bilanz bezüglich Energieverbrauch und Abgasen ergibt sich auch bei Systemen, die die Frachtdisposition im Güterverkehr (Vermeidung von Lkw-Leerfahrten) unterstützen und die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel fördern. Automatische Zielführungssysteme hingegen können das Autofahren attraktiver machen, können für mehr Verkehr sorgen und damit auch zu erhöhtem Schadstoffausstoß beitragen.

Zusätzlich zu den einzelnen Systemen wurden die Auswirkungen des Zusammenspiels verschiedener Telematiksysteme in zwei Szenarien untersucht, die auf eine effiziente Gestaltung der Verkehrsabläufe und eine möglichst starke Umweltentlastung zielen. In der Gesamtbilanz ist im Szenario "Effizienzsteigerung" lediglich eine Minderung der Schadstoff- und Kohlendioxidemissionen in der Größenordnung von 2 % zu erwarten. Im Szenario "Umweltentlastung" konnte in Abhängigkeit von Wochentag und Untersuchungsraum eine maximale CO2-Reduktion von 13 % bis 17 % nachgewiesen werden. Etwa drei Viertel dieser Minderungen würden allerdings aus der Erhebung von Straßenbenutzungsgebühren resultieren, nicht aus der Leittechnik selbst.

Berlin, den 04.05.2000

! Die Veröffentlichung "Umweltwirkungen von Verkehrsinformations- und -leitsystemen im Straßenverkehr" wird in Kürze in der Reihe TEXTE des Umweltbundesamtes erscheinen. Eine zehnseitige Zusammenfassung in Papierform gibt es bei der Pressestelle des Umweltbundesamtes, Fax: 030/8903-2798, E-mail: jana.schmidt@uba.de.


Jana Schmidt, Umweltbundesamt (UBA)
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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