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Leibniz Universität Hannover, 27.06.07

Hannoversche Forscher bauen Tsunami-Frühwarnsystem in Indonesien aus

Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert Projekt der Leibniz Universität Hannover mit rund 1,2 Millionen Euro

Unter der Leitung des Franzius-Instituts für Wasserbau und Küsteningenieurwesen der Leibniz Universität Hannover entsteht in einem interdisziplinären Verbundprojekt eine Weiterentwicklung des Tsunami-Frühwarnsystems im Indischen Ozean auf der Grundlage von detaillierten Überflutungs- und Evakuierungssimulationen für die Stadt Padang in West Sumatra, Indonesien. Dafür arbeiten die hannoverschen Experten um Prof. Torsten Schlurmann mit führenden Wissenschaftlern aus ganz Deutschland sowie indonesischen Partnern zusammen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das auf drei Jahre angelegte Projekt mit rund 1,2 Millionen Euro.


Die Stadt Padang ist mit etwa einer Million Einwohnern die drittgrößte Stadt Sumatras und durch ihre unmittelbare Küstenlage auf Meeresniveau eine Hochrisikozone in einer von Erdbeben und dadurch von Tsunamis gefährdeten Region. An der gesamten Westküste Sumatras kann ein Tsunami die küstennahen Städte in etwa 18 bis 20 Minuten erreichen. Das Projekt "Last-mile - Evacuation" soll mit wissenschaftlichen Erkenntnissen über die detaillierte Überflutungsdynamik und optimale Frühwarn- und Evakuierungsmechanismen in Padang zu dem ebenfalls vom BMBF geförderten Großprojekt zum Aufbau eines Tsunami-Frühwarnsystems im Indischen Ozean (GITEWS) beitragen, das das GeoForschungsZentrum Potsdam leitet.

Für "Last-mile - Evacuation" kombinieren die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des interdisziplinären Forschungsverbundes satellitenbasierte Erdbeobachtungsdaten, Simulationen der Überflutungsdynamik sowie das voraussichtliche Evakuierungsverhalten der Bevölkerung. Mittels der Daten entsteht eine "visualisierte, künstliche Welt" der Stadt Padang. Zudem wird eine Fläche von 500 Quadratkilometern dafür in einem Teilvorhaben des Projekts mit einem Stereo-Kamerasystem beflogen, wodurch Geländehöhen und auch Einzelgebäude hochpräzise erfasst werden können. Die Forscher wollen den Verkehrsfluss im Falle einer Flucht in großen Teilen des Straßennetzes simulieren.

Ziel des Projekts ist die ganzheitliche und effektive Bestimmung der Tsunami-Frühwarnkette in der Stadt Padang. Dieses Ziel baut auf den Komponenten der Detektion des Tsunamis im Tiefwasser sowie der Prozessierung der Daten und der Alarmauslösung im zentralen indonesischen Krisen- und Informationszentrum auf und stellt damit ein lokal angepasstes Warnsystem in Padang her. Letztlich sollen die Evakuierungsmechanismen und darauf aufbauend Empfehlungen der Entfluchtung in Padang bereitgestellt werden. Durch die Simulation der Verkehrsflüsse sollen Probleme bei der Evakuierung (sogenannte "bottlenecks") erkannt und - soweit möglich - frühzeitig entschärft werden. Seit dem verheerenden Tsunami am 26. Dezember 2004 arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler indonesischer und deutscher Forschungsinstitute an der Einrichtung eines zuverlässigen Tiefwasser-Frühwarnsystems mit GPS-Bojen und Ozeanboden-Drucksensoren, das Ende des kommenden Jahres als Prototyp vor der Küste Indonesiens funktionstüchtig sein soll.

Das Verbundvorhaben "Last-mile - Evacuation" bezieht lokale Behörden und Nicht-Regierungsorganisationen in Padang sowie indonesische Forschungseinrichtungen ein. Zudem ist die Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in der Region geplant. In Deutschland sind unter anderem das Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit der Universität der Vereinten Nationen (UNU-EHS), die Universität Würzburg, die Technische Universität Berlin, das Deutsche Institut für Luft- und Raumfahrt (DLR) sowie kleine und mittelständische Unternehmen beteiligt.

Hinweis an die Redaktion:
Für nähere Informationen steht Ihnen Prof. Dr. Torsten Schlurmann, Geschäftsführender Leiter des Franzius-Instituts, unter Telefon +49 511.762-2572 oder per E-Mail unter schlurmann@fi.uni-hannover.de gern zur Verfügung.


Dr. Stefanie Beier, Leibniz Universität Hannover
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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