Hilfe: Sie befinden sich auf...

Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, 10.06.02

Archiv

... einer Artikelseite. Sie zeigt den vollständigen Text einer Nachricht.
Sie können auf die im Artikel enthaltenen Bilder klicken, um eine größere Version des Bildes angezeigt zu bekommen.

Am Fuß der Seite finden Sie drei Boxen mit weiteren Aktionsmöglichkeiten:
Über die linke Box können Sie zum vorhergehenden, bzw. nachfolgenden Artikel in diesem Bereich navigieren.
In der mittleren Box können Sie diesen Artikel bewerten.
In der rechten Box kommen Sie zu einer Druckversion dieses Artikels, Sie können den Link dieses Artikels an einen E-Mail-Empfänger verschicken und Sie können diesen Artikel auf einen Merkzettel legen, um ihn leichter wiederzufinden.

Hilfe: Generell zu dieser Seite

Bei NETZGUT finden Sie Nachrichten aus dem Netz.
Zu der Nachricht Ihres Interesses können Sie auf drei Wegen gelangen:

Im Archiv sind die Nachrichten nach Bereichen getrennt.
Unter Themen finden Sie Nachrichten bereichsübergreifend zu einem bestimmten Thema.
Über die Schlagworte gelangen Sie zu den Artikeln, denen eben jene Schlagworte zugeordnet wurden. Auch diese Einordnung ist bereichsübergreifend.

Übrigens: Der Hilfe-Button gibt Ihnen zu jeder Seite die passenden Informationen.

Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, 10.06.02

Fossilien weisen den Weg zum Schwarzen Gold

Ölbohrungen sind teuer - und allzuoft erfolglos: In 80 bis 90 Prozent aller Versuche trifft der Bohrkopf nicht ins Schwarze, sondern landet in wertlosem Sediment. Bei jeder Fehlbohrung setzten Firmen so mehrere Millionen Euro in den sprichwörtlichen Sand. Dabei gibt es einen Ausweg: Winzige versteinerte Einzeller können Experten verraten, wo es sich zu suchen lohnt - eine aussterbende Kunst, die weltweit nur noch wenige Spezialisten beherrschen. Ein Mikropaläontologe der Universität Bonn bildet nun in Zusammenarbeit mit der Firma RWE/DEA Nachwuchswissenschaftler in dieser Disziplin aus.

Mikrofossilien (Foto: AG Langer). Bilder zu dieser Pressemitteilung finden Sie im Netz unter http://www.uni-bonn.de/Aktuelles/Pressemitteilungen/153_02.html

Manche sehen aus wie Zwei-Euro-Münzen aus Kalk. Für Ölfirmen können sie bares Geld bedeuten: Einzeller aus der Gruppe der Foraminiferen. In den Sedimenten der Meere finden sich mitunter wahre Massengräber dieser Urtierchen, runde, flache Scheiben oder kleine, bauchige Linsen, manche glatt, manche mit bizarren Fortsätzen versehen. Gemeinsam ist ihnen die poröse Kalkhülle, von der sie umgeben sind - und die sie für die Suche nach dem Schwarzen Gold so interessant machen. Denn Sedimente mit einem hohen Foraminiferen-Anteil können in den löchrigen Kalkschalen Öl und Gas aufsaugen wie ein riesiger Schwamm - ideale Bedingungen für die Entstehung einer großen Lagerstätte.


"Erdöl entsteht bei Druck und hohen Temperaturen aus organischem Material, meistens in einer Tiefe von mehreren Kilometern unter der Landoberfläche oder dem Meeresboden", erklärt Professor Dr. Martin Langer vom Bonner Institut für Paläontologie. Von dort wandert das Öl ähnlich wie in einem Löschpapier durch die darüberliegenden Gesteinsschichten, bis es beispielsweise von einer Tonschicht wie von einem Deckel aufgehalten wird. Ob die Lagerstätte ergiebig ist, hängt - außer von der Form des "Deckels" - wesentlich von der Speicherfähigkeit des Lagergesteins ab.

Um den begehrten Energieträger aufzuspüren, führen die Firmen in vielversprechenden Regionen eine Art "Ultraschall-Untersuchung" durch: Sie erzeugen Schallwellen, deren Ausbreitung und Reflexion im Boden sie mit Hilfe von Geofonaufnahmen verfolgen. Am Rechner entstehen aus den seismischen Messwerten Bilder, die den Schichtverlauf im Boden zeigen - und auf denen das geschulte Auge potenzielle Lagerstätten erkennen kann. "Die Bilder haben aber leider eine begrenzte räumliche Auflösung", erläutert Professor Langer. "Häufig bohren die Firmen ein paar hundert Meter neben der richtigen Stelle. In der angegebenen Tiefe stoßen sie dann nur auf trockenes Gestein." Anhand der Mikrofossilien, die der Bohrer aus der Tiefe ans Tageslicht befördert, können Experten schließen, ob die Lagerstätte wirklich "ein trockenes Loch" ist - oder ob sie noch gar nicht erreicht wurde. Die Fossilfunde ermöglichen sogar, die seismische Landkarte "einzunorden": Indem der Mikropaläontologe die Funde mit den vorhergesagten Schichten vergleicht, kann er erkennen, wo genau die Bohrung gesetzt werden sollte oder wie sie beim nächsten Versuch korrigiert werden muss.

"Die industrielle Mikropaläontologie ist eine alte Kunst", so Professor Langer. "Alle großen Ölförderfirmen habe früher eigene Fossil-Experten beschäftigt." Als dann die Stunde der Seismik schlug, meinte man, mit der neuen Messtechnik alleine zum Ziel zu kommen. "Seit 1980 wurden zahlreiche Mikropaläontologen entlassen; entsprechend schlecht steht es um den Nachwuchs." Viele Firmen haben inzwischen ihren Irrtum erkannt; es fehlt jedoch an Fachleuten, die Nachwuchswissenschaftler entsprechend schulen können. Im vergangenen Frühjahr hat der Bonner Fossilforscher zum ersten Mal eine Fortbildung auf diesem lange vernachlässigten Gebiet angeboten - mit riesigem Erfolg: "Wir hatten Bewerber, die für den 2-Tages-Kurs aus den USA, Indien oder Südafrika angereist wären."

Weltweit werden heute lediglich noch an einer Handvoll Instituten in den USA und Europa Mikropaläontologen für die Ölindustrie ausgebildet. Nach dem erfolgreichen Testlauf hat Professor Langer nun das Ziel, die Fortbildungsveranstaltung langfristig an der Universität zu etablieren. "Bonn hat eine lange mikropaläontologische Tradition, wir verfügen über eine der größten Sammlungen weltweit. Wir haben eine gute Chance, international ein Anlaufpunkt für diese fast vergessene Forschungsrichtung zu werden."

Weitere Informationen: Professor Dr. Martin Langer, Institut für Paläontologie der Universität Bonn, Tel.: 0228/73-4026 oder -3103, E-Mail: martin.langer@uni-bonn.de

Weitere Informationen:


Frank Luerweg, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

Weitere Artikel in diesem BereichBewerten Sie diesen ArtikelToolbox
RUBIN 1/02: Produkte aus dem Computer 
 Neuer Meilenstein in der Brennstoffzellen-Entwicklung - Zweifacher Weltrekord bei der SOFC