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Technische Universität Berlin, 02.09.02

Brustkrebs punktgenau aufspüren

Rund 45.000 Frauen in Deutschland erkranken jährlich an Brustkrebs. Medizintechniker der TU Berlin haben mit Kollegen der Charité Berlin nun ein Gerät entwickelt, mit dem frühzeitig erkannter Brustkrebs und damit kleinste Tumore millimetergenau punktiert werden können.

Für den Nachweis von Mammakarzinomen stehen heute unterschiedliche bildgebende Verfahren wie die Röntgenmammographie, die Sonographie und die Magnetresonanztomographie (MRT) zur Verfügung. Der Prototyp I, der für die magnetresonanztomographisch (MRT)-gestützte Brustkrebsbiopsie entwickelt wurde, befindet sich seit Anfang dieses Jahres in der Berliner Charité im Stadium der klinischen Erprobung.

Die neue Einrichtung macht es möglich, ein medizinisches Instrument exakt in die Tumorposition zu fahren und einzusetzen. Experimente mit der speziell entwickelten Navigationsmechanik, mit der fast uneingeschränkt jeder Punkt in der Brust erreicht werden kann, zeigen eine sehr hohe Treffergenauigkeit, so dass sich mit diesem System auch bereits kleinste Tumore punktieren, markieren oder therapieren lassen würden.
Zusätzlich wird zur Sicherstellung der Diagnose häufig eine Gewebebiopsie durchgeführt, bei der kleine Gewebeproben aus dem Tumorbereich entfernt werden. Diese ermöglichen dann bei einer anschließenden Untersuchung des Gewebes noch eine genaue Differenzierung des Befundes. In technischer Sicht bestehen jedoch vereinzelt Probleme, wenn die zu biopsierenden Areale sehr klein sind und diese mit dem vorhandenen Instrumentarium nicht zuverlässig getroffen werden können. Mit dem neuen Gerät der TU-Wissenschaftler können auch diese kleinen Areale in der Brust markiert werden, so dass bei einem eventuell notwendigen chirurgischen Eingriff das zu entfernende Gewebe sofort gefunden werden kann.
Dies ist ein entscheidender Vorteil gegenüber konventionellen manuell geführten Methoden, deren Anwendung oft ungenau ist. Nach schneller Bestimmung der Tumorkoordinaten werden mit dieser neuartigen Einrichtung nicht nur Gewebeentnahmen sicherer. Im Bedarfsfall können sämtliche Punktionsvorgänge exakt wiederholt werden.
Doch die magnetresonanztomographische Untersuchung stellt zur Zeit noch eine Sonderindikation dar und wird nur dann von den Krankenkassen bezahlt, wenn die anderen Verfahren der Röntgen- und Ultraschalltechnik trotz eines Verdachts auf Mammakarzinom keinen eindeutigen Brustkrebsnachweis liefern können.
Ein großer Vorteil der MRT-Untersuchung ist die hohe Nachweisbarkeit auch kleinerer Brustkrebsareale, denn immer noch erkranken rund 45.000 Frauen jährlich neu an Brustkrebs und 18.000 Frauen sterben sogar durch den bösartigen Tumor in der Brust.
Die entwickelte Einrichtung ist flexibel einsetzbar und kann nach geringfügiger Modifizierung auch an andere MRT-Gerätetypen adaptiert sowie mit anderen diagnostischen Geräten kombiniert werden. Die Verwendung spezieller Konstruktionen und Werkstoffe macht den ungestörten Einsatz innerhalb der starken Magnetfelder und engen Platzverhältnisse des MRT ohne Probleme möglich.
Die Berliner Medizintechniker arbeiten bereits an einem weiteren Prototyp, einem automatisch steuerbaren Punktionsroboter.

Datenbank
Forschungsprojekt: Entwicklung einer vollautomatisch gesteuerten Biopsieeinrichtung zur histologischen Untersuchung von Tumoren in der Mammadiagnostik im Zusammenhang mit kernspintomografischen Untersuchungen
Ansprechpartner: Prof. Dr.-Ing. Ulrich Boenick, E-Mail: medtech@bmt1.kf.tu-berlin.de, Dipl.-Ing. Oliver Wendt, E-Mail: owendt@bmt1.kf.tu-berlin.de
Kontakt: : TU Berlin, Institut für Konstruktion, Mikro- und Medizintechnik, Dovestr. 6, 10587 Berlin, Tel: 030/314-21608; Fax: 030/314-21098
Fachgebiet: Biomedizinische Technik

Wissenschaftsdienst der Technischen Universität Berlin, September 2002, 3. Jg. Weitere aktuelle Berichte im Internet unter: www.tu-berlin.de/forschung-aktuell

Weitere Informationen:


Ramona Ehret, Technische Universität Berlin
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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