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Hauptverband der gewerblichen..., 04.06.03

Beste Luft auf hoher See

BIA untersucht hygienische Verhältnisse auf Hochseeschiffen

(bgi) - Die hygienischen Verhältnisse auf Hochseeschiffen sind unproblematisch - das ist das vorläufige Ergebnis eines Forschungsprojektes, das die See-Berufsgenossenschaft gemeinsam mit dem Berufsgenossenschaftlichen Institut für Arbeitsschutz - BIA in Sankt Augustin durchgeführt hat. Seit Anfang 2001 haben Mikrobiologen und Arbeitsmediziner die hygienischen Verhältnisse auf Hochseeschiffen untersucht. BIA-Projektleiterin Dr. Annette Kolk ist gerade zurück von ihrer spektakulärsten Expedition innerhalb dieser Untersuchungsreihe: Gut drei Wochen war die Mikrobiologin unterwegs auf der "FS-Polarstern" bei einer Expedition des Alfred-Wegener-Instituts in polare Gewässer.


Auslöser für das Projekt war die Beobachtung von Arbeitsmedizinern der See-BG, dass etwa die Hälfte der bei ihnen versicherten Seeleute an Erkrankungen der oberen Atemwege leidet. Mit dem Projekt sollte geprüft werden, wie hoch die Bakterien-und Schimmelpilzgehalte in Arbeitsbereichen auf Schiffen grundsätzlich sind und ob eventuell durch die Klimaanlagen auf Schiffen zusätzlich Bakterien und Schimmelpilze verteilt werden. Auf Schiffen ist häufig Raum der begrenzende Faktor, die Anlagen müssen deshalb platzsparend gebaut sein. Konsequenz häufig: Sie sind für Reinigungs- und Wartungsarbeiten schwer zugänglich. Genau diese Hygiene ist jedoch für das Vorkommen von Mikroorganismen in solchen Anlagen von großer Bedeutung. Somit sollten das Befeuchterwasser aus derartigen Anlagen sowie die übrige Wasserversorgung zum Beispiel auf das mögliche Vorkommen von Legionellen untersucht werden. Alle Analysen wurden unter unterschiedlichen klimatischen Verhältnissen (gemäßigte Breiten, Tropen und kalte Klimate) durchgeführt, um beurteilen zu können, ob das Klima den Betrieb der Klimaanlagen beeinflusst und damit auch für die Qualität der Raumluft eine Rolle spielt.

Für die Mikrobiologen des BIA war dieses Projekt insofern eine besondere Herausforderung, als sie zunächst einmal eine mobile Laborausstattung für mikrobiologische Untersuchungen zusammenstellen mussten. Insbesondere bei Messungen mit Klimazonenwechsel war es nicht möglich, die mikrobiologischen Proben zur Analyse ins heimische Labor zu transportieren. Die meisten dieser Proben vertragen keine langen Lagerzeiten, sondern müssen innerhalb von 24 Stunden nach der Probenahme aufgearbeitet werden.

Erstes Ziel war daher die Entwicklung einer Messstrategie und die Beantwortung der Frage, welche Möglichkeiten zur Durchführung von Laborarbeiten an Bord eines Schiffes bestehen.

Nach Messungen in gemäßigten und tropischen Breiten war jetzt die Untersuchung der Verhältnisse auf der "Polarstern" der krönende Projektabschluss. "Dieses Schiff war für uns aus mehreren Gründen ein ideales Objekt", betont Kolk. Zum einen verfügt das Schiff mit 43 Mann Besatzung über eine vergleichsweise hohe Anzahl von Beschäftigten. Zum anderen hat es relativ viele Aufbauten. Dadurch bedingt hat die Polarstern wie zum Beispiel auch Fährschiffe mehrere Klimaanlagen, die das Hauptuntersuchungsobjekt der Studie darstellten. Da das Schiff überwiegend in kalten, trockenen Klimaten kreuzt, muss die Luft, die zur Klimatisierung der Räume verwendet wird, künstlich befeuchtet werden. Gerade das Befeuchterwasser bietet Bakterien oft ideale Lebensbedingungen.

Während der dreiwöchigen Expedition auf der "Polarstern" untersuchte Kolk gemeinsam mit Dr. Irene Breuer, Leiterin des Referats Arbeitstoxikologie bei der See-BG Luftproben auf ihren Bakterien- und Pilzsporengehalt. Einen weiteren Schwerpunkt stellte die Wasserversorgung dar, die ebenfalls auf Mikroorganismen und insbesondere Legionellen untersucht wurden. Luft- und Wasserproben haben die beiden Wissenschaftlerinnen direkt an Bord aufgearbeitet. Feste Materialproben wurden gelagert und werden jetzt im heimischen Labor untersucht. Dasselbe gilt für die Bestimmung von Bakterienarten. Hierfür wurden an Bord lediglich Reinkulturen angelegt, die kühl gelagert und nach der Rückkehr im mikrobiologischen Labor des BIA identifiziert werden.

"Nach unseren bisherigen Untersuchungen auf einem Fährschiff, zwei Containerschiffen und dem Forschungsschiff "Polarstern" in verschiedenen Klimazonen gibt es keine außergewöhnlichen Bakterien- und Schimmelpilzgehalte in der Atemluft klimatisierter Räumen auf Schiffen", resümiert Kolk. Schimmelpilzsporen gebe es eher weniger, Bakterien etwas mehr als an Land in der normalen Umgebungsluft. "Auf einem Schiff ist die Luft eher besser als zuhause! Seeleute erkranken häufig erst, wenn sie zuhause sind, was möglicherweise daran liegt, dass ihr Immunstatus sich eben bei mindestens dreimonatiger Aufenthaltsdauer an die niedrigeren Konzentrationen an Bord angepasst hat", vermutet Kolk.

Ansprechpartnerin:
Dr. Annette Kolk, 02241 / 231-2663
annette.kolk@hvbg.de

Pressestelle:
Andreas Baader, 02241 / 231-1206
presse@hvbg.de
Dr. Dagmar Schittly, 030 / 288763-62
dagmar.schittly@hvbg.de


Andreas Baader, Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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