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Charité-Universitätsmedizin Berlin, 19.12.02

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Charité-Universitätsmedizin Berlin, 19.12.02

Wie zufrieden sind türkische Frauen im deutschen Krankenhaus?

Bei zunehmendem Wettbewerb der Krankenhäuser um Patienten wird deren Zufriedenheit mit dem Aufenthalt dort - als ein Maßstab der Qualitätssicherung - die Belegung des Hauses mitbestimmen. Was aber bestimmt Zufriedenheit? Bei Kranken ausländischer Herkunft zum Teil auch aus anderen Kulturkreisen, wie sie in Großstädten vielfach anzutreffen sind, könnte Zufriedenheit sich aus anderen Quellen speisen als bei der deutschen Bevölkerung.
Tatsächlich stellte eine Studie an der "Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe" der Charité erhebliche Unterschiede zwischen deutschen und Migrantinnen türkischer Herkunft fest. Frau Dr. Theda Borde (MPH) und ihre Arbeitsgruppe nutzte als Instrument zur Feststellung der Patientenzufriedenheit einen ausführlichen, 27 Seiten umfassenden Fragebogen. Er wurde von 320 Frauen deutscher und 262 türkischer Herkunft in wahlweise deutscher oder türkischer Sprache am Tag der Aufnahme und - in kürzerer Form - am Tag der Entlassung von gynäkologischen Stationen ausgefüllt.

Die Fragen bezogen sich auf acht sogenannte Kernbereiche der Zufriedenheit (medizinische Versorgung, Unterbringung, Pflege, Verpflegung, Aufklärung, psychosoziale Betreuung und die Berücksichtigung migrationsspezifischer Bedürfnisse sowie Tagesablauf). Miterfaßt wurde aber auch soziodemographische und migrationsspezische Daten (Migranten in erster oder zweiter Generation), Schulbildung und deutsche Sprachkenntnisse, Grundwissen um Gesundheit, psychische Befindlichkeit oder Kontakte zu niedergelassenen Gynäkologen.
Die Auswertung der Untersuchung, die in der Fachzeitschrift "Das Gesundheitswesen" publiziert wurde (2002 [64] 476-485) ergab,
· dass in allen acht Kernbereichen der Krankenhausaufenthalt von Migrantinnen schlechter beurteilt wurde als von deutsche Patientinnen,
· dass die Zufriedenheit um so geringer ausfiel, je geringer die Sprachkenntnisse und je niedriger der Bildungsgrad waren, und
· dass Frauen jüngeren Alters mit gutartigen Krankheiten die Versorgung kritischer beurteilten als ältere Frauen mit bösartigen Krankheiten.
Unter den acht Kernbereichen wurden die Medizinische Versorgung , die Pflege und der Wohnkomfort von Patientinnen deutsche wie türkischer Herkunft am positivsten bewertet. Im Vergleich zu Deutschen zeigten sich die Migrantinnen aber deutlich unzufriedener mit der Information und ärztlichen Aufklärung sowie mit der psychosozialen Betreuung während des Klinikaufenthaltes. Frau Dr. Borde sieht in beiden Bereichen dringenden Handlungsbdarf und betont, daß Krankenhäuser in Deutschland bisher unzureichend auf die Versorgung von Kranken unterschiedlicher soziokultureller Herkunft eingestellt seien. Da bei sprachlichen Kommunikationsproblemen nicht auf qualifizierte Dolmetscher sondern auf Familienangehörige oder zufällig anwesende Laien zurückgegriffen werde, würden Informationen über die Erkrankung und die Therapie verzerrt und zum Teil gar nicht vermittelt. Eine psychosoziale Betreuung entfalle nicht selten gänzlich.
Ein weiterer Faktor hoher Unzufriedenheit, übrigens auch bei deutschen Patientinnen, war die Krankenhausverpflegung, obwohl auf Besonderheiten der Bedürfnisse islamischer Patientinnen zumindest in Form von vegetarischen Gerichten Rücksicht genommen worden war. Hier, so könnte man meinen, liessen sich Patientinnen über die Kunst des Kochs gewinnen. (18.12.02) Silvia Schattenfroh


Dr. med. Silvia Schattenfroh, Charité-Universitätsmedizin Berlin
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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