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Private Universität Witten/Herdecke gGmbH, 13.02.04

Sind Zahnbetterkrankungen (Parodontitis) ein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen?

Neue Erkenntnisse von Univ.-Prof. Dr. Wolf-Dieter Grimm, Leiter des Lehrstuhles und der Abteilung für Parodontologie der Fakultät für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde an der Universität Witten/Herdecke


Menschen mit einer schweren Erkrankung des Zahnhalteapparates (chronische und aggressive marginale Parodontitis) haben gegenüber Menschen mit gesundem Zahnfleisch ein etwa 1,5 mal höheres Risiko für Herzkrankheiten, so Erkenntnisse von Prof. Dr. Wolf-Dieter Grimm, Leiter der Abteilung für Parodontologie der Universität Witten/Herdecke. Den Ergebnissen liegen internationale klinisch-kontrollierten Studien und eigene experimentelle Untersuchungen Grimms zugrunde. Bei einer bestehenden schweren Entzündung des Zahnhalteapparates ist das Risiko, an einem Herzinfarkt zu erkranken 1,8 mal höher und 2,8 mal höher einen Schlaganfall zu erleiden. Als Erklärung für diese Risikoerhöhung, Erkrankungen des Gefäßsystems zu erleiden, sind anaerobe (unter Sauerstoffausschluss sich vermehrende) Bakterien anzusehen, die im schwer entzündeten Zahnhalteapparat gehäuft vorkommen, erklärte Grimm. Diese anaeroben Bakterien unterstützen wahrscheinlich die Entwicklung gefährlicher Gefäß-Innenwandveränderungen, die die Bildung von Blutklümpchen verstärken können, wie Grimm in tierexperimentellen Untersuchungen und klinisch-kontrollierten Studien in Übereinstimmung mit anderen internationalen Forschungsgruppen belegen konnte.

Ein erhöhtes Risiko bedeute jedoch nicht, dass jeder Mensch mit Zahnfleischentzündungen auch Herz-/Kreislaufkrankheiten bekommen müsse, betonte Grimm. Nach seinen Erkenntnissen steige jedoch in den entwickelten Industrieländern die Wahrscheinlichkeit, dass schwere Entzündungen des Zahnfleisches die Erkrankungsrate für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen können. In Übereinstimmung mit internationalen epidemiologischen Untersuchungen leiden zehn bis 14 Prozent der über 35jährigen Deutschen an einer schweren Erkrankung des Zahnhalteapparates.

Wirksame Vorbeugung sei möglich, so Grimm: Die Parodontologie, das Fachgebiet der Zahnmedizin, das die spezialisierte Behandlung der Zahnbetterkrankungen durchführt, verfüge heute über differenzierte Methoden, um das Fortschreiten von Zahnfleischerkrankungen erfolgreich zu stoppen. In enger Zusammenarbeit mit dem Hauszahnarzt sind die spezialisierten Behandlungszentren für Parodontologie in der Lage, die Weichgewebeentzündung zu behandeln und verloren gegangenen Zahnhalteapparat zu regenerieren.

Kontakt: Univ.-Prof. Dr. Wolf-Dieter Grimm, Tel.: +49 2302/926-626

Weitere Informationen:


Dr. Olaf Kaltenborn, Private Universität Witten/Herdecke gGmbH
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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