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Universität Leipzig, 09.03.00

Wegweisender Erfolg in Alzheimer-Forschung

Einen Erfolg auf dem Weg zu einer Erklärung und möglichen Therapie der Alzheimerschen Erkrankung kann Prof. Dr. Thomas Arendt vom Paul-Flechsig-Institut für Hirnforschung an der Universität Leipzig gerade vorweisen. Seine bereits 1993 aufgestellte Hypothese, wonach die Nervenzellen zugrunde gehen, weil ihre Teilungsregulation gestört ist, scheint sich zu erhärten.

Um Schäden auszugleichen, aktiviert die Nervenzelle - so die Annahme - ein Zellteilungsprogramm, obgleich sie sich als differenzierte Zelle nicht mehr teilen kann. Die daran beteiligten molekularen Prozesse ähneln denen, die bei der Tumorentstehung ablaufen. Nach Aktivierung des Zellteilungsprogramms kann die Nervenzelle dieses nicht vollständig durchlaufen, kann aber auch nicht mehr zurück in den Ruhezustand. Die Alternative, die ihr bleibt, ist der Zelltod. Von dieser Hypothese ausgehend, hat der Leipziger Wissenschaftler nun in eine Zelle ein Gen hineingebracht, das ihren Eintritt in den Teilungsprozeß verhindern sollte. Das Gen wirkte tatsächlich protektiv, durch diese Fixierung im Ruhezustand wurde die Zelle widerstandsfähiger gegen Schädigungen. "Das Prinzip funktioniert erst mal", sagt Arendt erfreut.

Diesem erfolgreichen Experiment war eine andere Erkenntnis vorangegangen: Lymphozyten (weiße Blutkörperchen) tragen an ihrer Oberfläche die gleichen Rezeptoren wie die Nervenzellen für Signalmoleküle, die Wachstumsprozesse stimulieren (neurotrophen Faktoren). Daher eignen sie sich als Zellmodell, praktisch als Ersatz für eine Nervenzelle, an dem man die Rezeptor- vermittelte Zellteilung testen kann: Arendt stimulierte also Lymphozyten von Alzheimer- Patienten mit neurotrophen Faktoren und stellte fest, daß auch sie Störungen im Teilungsverhalten aufweisen.

Würden sich diese Anfangserfolge weiter bestätigen, so hätte man über eine Untersuchung von Lymphozyten einerseits ein Instrument zur Früherkennung der Alzheimer Krankheit in der Hand. Andererseits könnte Arendts "Vision", die Krankheit mit einer in den Zellteilungsmechanismus von Nervenzellen eingreifenden Gentherapie in ihrem weiteren Fortschreiten hemmen zu können, Realität werden.

Mit sieben namhaften europäischen Einrichtungen will Arendt diese Spur weiter verfolgen. In einem mit drei Millionen Mark geförderten EU-Projekt, das über vier Jahre läuft und dessen Leitung ihm obliegt, wird er zusammen mit dem Weizmann-Institut in Israel, dem Karolinska- Institut in Schweden und den Universitäten von Barcelona, Florenz, Kuopio (Finnland), von Newcastle upon Tyne und von Würzburg unter dem Thema "Mechanismen der Zellzyklus- Aktivierung bei Neurodegeneration" an diesem Problem arbeiten.

In einem internationalen Symposium zur Gründung ihres Forscherverbundes kommen die Projektpartner vom 17.-19.3.2000 zu ihrem ersten Treffen in der Tagungsstätte der sächsischen Hochschulen, dem Landsitz "Energie" Wilhelm Ostwalds in Großbothen zusammen. Die Tagung wird am 18.3.2000, 8.30 Uhr eröffnet. Die Presse ist herzlich eingeladen.


Dr. Bärbel Teubert-Seiwert, Universität Leipzig
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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