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Universitätsklinikum Essen, 17.10.06

Wegweisend für Deutschland

Referenzzentrum für Erwachsene mit angeborenen Herzerkrankungen gegründet - Weltweiter Mangel an Fachärzten

Allein in Deutschland haben 200.000 bis 300.000 Menschen einen angeborenen Herzfehler. Jedes Jahr kommen rund 5000 weitere hinzu. Noch vor wenigen Jahrzehnten bedeutete diese Diagnose einen sehr frühen Tod - meist in den ersten Lebensjahren. Dank der medizinischen Fortschritte erreichen 85 Prozent der Betroffenen nun das Erwachsenenalter. Damit geraten sie in eine "medizinische Versorgungslücke". Für ihre lebenslange Behandlung gibt es weltweit nur wenige ausgebildete Mediziner. Um dieser Situation entgegenzuwirken gründen das Westdeutsche Herzzentrum Essen und das Deutsche Kinderherzzentrum Sankt Augustin jetzt das erste universitäre "Referenzzentrum für angeborene Herz- und Gefäßerkrankungen" in NRW.


Bereits seit zwei Jahren arbeiten beide Häuser eng zusammen. Am 17. Oktober wird die Kooperation nun offiziell besiegelt. "Egal, ob der Patient sich hier oder in Sankt Augustin vorstellt, Spezialisten aus beiden Kliniken stimmen sich gemeinsam über die besten Therapiemöglichkeiten ab", erläutert Prof. Raimund Erbel, Direktor der Essener Uni-Klinik für Kardiologie. Das gilt sowohl für Operationen als auch für Kathetereingriffe. "Allein in Essen operieren wir jährlich etwa 1.200 Patienten am offenen Herzen. Hinzu kommen 2.500 Herzkatheteruntersuchungen", berichtet der Direktor der Uni-Klinik für Thorax- und Kardiovaskuläre Chirurgie Prof. Heinz Günther Jakob, der zusammen mit Prof. Erbel seit drei Jahren das Westdeutsche Herzzentrum Essen leitet. Auch in St. Augustin ist die Erfahrung an Herzbehandlungen sehr groß: "Jährlich operieren wir rund 500 Patienten, weitere 600 behandeln wir per Herzkatheter", so PD Dr. Martin Schneider, Chefarzt der Kinderkardiologie in der Asklepios Kinderklinik Sankt Augustin.

"Sowohl in Deutschland als auch im Ausland gibt es nur sehr wenige Kardiologen auf dem Gebiet der Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern", macht Prof. Raimund Erbel auf die schwierige Behandlungssituation der Betroffenen aufmerksam. Die Folge: Erwachsene müssen häufig in Kinderkliniken aufgenommen werden, die nicht für die Diagnose und die Therapie von Erwachsenen ausgerichtet sind. Kardiologen für Erwachsene haben wiederum meistens nur geringe Kenntnisse und Erfahrungen mit angeborenen Herzkrankheiten. Eine problematische Situation für die Patienten, denn häufig benötigen sie neben einer intensiven medizinischen Beratung weitere Operationen oder Herzkatheteruntersuchungen. "Mehrere Dutzend Patienten haben in den vergangenen beiden Jahren bereits von der engen Zusammenarbeit der beiden Kliniken profitiert", sind sich die drei Mediziner einig und hoffen, dass ihre Arbeit wegweisend sein wird für die Behandlung Erwachsener mit angeborenen Herzfehlern.

Prof. Raimund Erbel, Direktor der Klinik für Kardiologie und des Westdeutschen Herzzentrums Essen, Universitätsklinikum Essen, Tel: 02 01 / 7 23 - 48 00, erbel@uni-essen.de;
Prof. Heinz Günther Jakob, Direktor der Klinik für Thorax- und Kardiovaskuläre Chirurgie, Direktor des Westdeutschen Herzzentrums Essen, Universitätsklinikum Essen, Tel: 02 01 / 7 23 - 49 00, heinz.jakob@uni-essen.de;
PD Dr. Martin Schneider, Chefarzt der Kinderkardiologie in der Asklepios Kinderklinik Sankt Augustin; m.schneider@asklepios.de


Kristina Gronwald, Universitätsklinikum Essen
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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