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Charité-Universitätsmedizin Berlin, 14.04.00

Warum Medikamente bei verschiedenen Menschen unterschiedlich wirksam sind

Erbgutvarianten gefunden, die die Empfindlichkeit für Arzneimittel bestimmen

AUS DER MEDIZIN FÜR DIE MEDIEN 10 - 2000

Ein verbreitetes Problem bei der Behandlung von Patienten mit Medikamenten ist die individuell unterschiedliche Reaktion der Menschen auf das gleiche Arzneimittel. Beim einen wirkt es, beim anderen nicht, der eine spürt Nebenwirkungen, der andere nicht.
Eine (von vermutlich mehreren) Ursachen dafür ist jetzt am "Institut für Klinische Pharmakologie" der Charité im Rahmen des vom Bundesforschungsministerium mit 7,5 Millionen Mark geförderten Leitprojektes "Pharmakogentische Diagnostik"gefunden worden ("Proc.Natl.Acad.Sci."97 [2000] 3473-3478).

In Zusammenarbeit mit dem "Dr. Margarete Fischer-Bosch Institut für Klinische Pharamakologie" in Stuttgart und der Firma "Epidauros Biotechnology" in München entdeckten die Wissenschaftler Variationen im Erbgut, speziell im Aufbau des sogenannten Multi-Drug-Resistence-Gens (MDR-1). Dieses Gen wird immer dann "angeschaltet", wenn die Zelle sich zur Wehr setzen will gegen giftige Substanzen. Sie produziert dann PGP, ein Protein, das in der Zellmembran sitzt und die Funktion des "Rausschmeißers" hat. In Krebszellen ist das MDR-1-Gen besonders aktiv. Diese Zellen bilden große Mengen von PGP, um beispielsweise zellzerstörende Chemotherapeutika wieder aus der Zelle heraus zu schaffen. Klinisch wirkt sich das in raschem Wirkverlust der Medikamente aus. Der Patient wird "resistent".
Das MDR-1-Gen kommt natürlicherweise in zahlreichen Variationen vor. Die Wissenschaftler haben jetzt 15 Varianten gefunden, die sich in der Folge bestimmter DNA-Bauteile unterscheiden. Eine Gen-Variante (ein Polymorphismus im sogenannten Exon 26) findet sich bei jedem vierten Menschen und dürfte die Wirksamkeit und die Nebenwirkungsrate von hunderten von Arzneimitteln ganz erheblich beeinflussen. Träger dieser sogenannten TT-Variante, die von beiden Eltern ererbt wird, produzieren nur sehr geringe Mengen von PGP im Darm. Die Resorption von Arzneimitteln aus dem Darm ins Blut wird deshalb wenig gestört, sodaß die Wirkstoffkonzentration im Blut relativ hoch ist. Patienten mit dieser Genvariante dürfen viele Medikamente (etwa Herzmittel wie das Digoxin) deshalb nur in relativ niedriger Dosis einnehmen.
Gleicherbige Träger der anderen Gen-Variante (CC), die aber seltener vorkommt, produzieren dagegen relativ viel PGP. Dadurch gelangen Arzneimittel aus dem Darm nur in geringerem Umfang ins Blut. Menschen mit dieser genetischen Ausstattung müssen Arzneimittel in relativ höherer Dosierung einnehmen, um die erwünschte Wirksamkeit zu erreichen.
Für die Arzneimitteltherapie ist es also wichtig und hilfreich, zu wissen, welches genetische Muster der einzelne Patient besitzt. Der Direktor des Charité-Instituts, Ivar Roots, erwartet, daß binnen ein bis zwei Jahren ein sehr preisgünstiger Test zur Erkennung der Varianten im MDR-1-Gen zur Verfügung stehen wird.
Die neuen Erkenntnisse sind auch für die Pharmaindustrie von großer, auch wirtschaftlicher Bedeutung: Sie wird Medikamente zukünftig nicht mehr für alle, sondern gezielt für die Träger bestimmter Erbgutprofile entwickeln. So lassen sich die Risiken von Unwirksamkeit und unerwünschten Wirkungen von vornherein verringern, bzw. vermeiden. Silvia Schattenfroh
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Charité
Medizinische Fakultät der
Humboldt Universität zu Berlin

Dekanat
Pressereferat-Forschung
Dr. med. Silvia Schattenfroh
Augustenburger Platz 1
13353 Berlin

FON: (030) 450-70 400
FAX: (030) 450-70-940

e-mail: silvia.schattenfroh@charite.de


Dr. med. Silvia Schattenfroh, Charité-Universitätsmedizin Berlin
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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