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Charité-Universitätsmedizin Berlin, 02.12.02

Vorhersage langfristiger Prognose bei Akuter Lymphatischer Leukämie im Kindesalter

Die Heilungschance bei Kindern, die an Akuter Lymphatischer Leukämie (ALL) erkranken und in spezialisierten Zentren nach bewährten Protokollen Chemotherapie erhalten, ist hoch. Dennoch kommt es bei 20 bis 30 Prozent der zunächst Geheilten zu einem Rückfall, den ein Drittel von ihnen nicht überlebt. Dies könnte damit zusammenhängen, dass es bisher schwierig war, diese Kinder ihrer Prognose entsprechend nach dem Rückfall angemessen zu behandeln.
Jetzt hat eine Arbeitsgruppe um die Diplom-Ernährungswissenschaftlerin Cornelia Eckert aus der "Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Onkologie und Hämatologie" der Charité die Wahl der Zweit-Therapie erleichtert. Die Forschergruppe verwendete hoch empfindliche molekulargenetische Methoden, mit denen die Zahl leukämischer Zellen im Blut weit genauer als bisher festgestellt werden kann. Sie nutzte dazu bestimmte Marker von Leukämiezellen, die mit der sogenannten Polymerasekettenreaktion (PCR) deutlich gemacht werden können.
Entscheidend für die Prognose von Kindern mit Rückfällen ist, wie schnell die Zahl der Leukämiezellen im Knochenmark nach erneuter Chemotherapie abnimmt. An Hand einer retrospektiven Studie von Patienten mit ALL konnten Eckert und ihre Kollegen feststellen, dass langfristiges Überleben dann zu erwarten ist, wenn zu einem definierten Zeitpunkt (dem Tag 36 der Therapie) unter tausend Zellen nur noch höchstens eine Leukämiezelle nachweisbar ist. Dagegen wird die Prognose um so ungünstiger, je größer der Anteil der Leukämiezellen ist.
Die Kinder mit günstiger Prognose haben gute Aussichten, mit der zweiten Chemotherapie geheilt zu werden. Ihnen kann eine Knochenmarkstransplantation, die ja mit nicht unerheblichen Risiken verbunden ist, erspart bleiben. Dagegen sollten Kinder mit ungünstigerer Prognose einer Knochenmarkstransplantation zugeführt werden.Das neue Vorgehen kann also Kinder mit günstiger Prognose vor für sie übermäßiger Therapie schützen. Nach Ansicht von Eckert könnte wahrscheinlich die genauere Bestimmung bösartiger Zellen im Therapieverlauf auch die Einschätzung der Prognose bei anderen Krebserkrankungen erleichtern.
Die Arbeit von Eckert und Kollegen ist in der renommierten englischen Fachzeitschrift "The Lancet" Band 358, Seite 1239-41, erschienen und die Berliner Krebsgesellschaft hat Cornelia Eckert dafür den diesjährigen Curt Meyer-Gedächtnispreis verliehen.
Silvia Schattenfroh (2. 12. 02)


Dr. med. Silvia Schattenfroh, Charité-Universitätsmedizin Berlin
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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