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Universität zu Köln, 16.08.04

Versorgungslücken bei verhaltensauffälligen Kindern

Versorgungslücken bei verhaltensauffälligen Kindern
6 Monate Wartezeit sind an der Tagesordnung

Kinder mit Auffälligkeiten im Verhalten oder Teilleistungsstörungen gelangen erst nach langen Wartezeiten, die zum Teil ein halbes Jahr betragen können, an einen für ihr Problem zuständigen Therapeuten. Die meisten von ihnen haben zu diesem Zeitpunkt bereits eine "Patientenkarriere" mit mehreren Ärzten bzw. Institutionen hinter sich. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kinder- und Jugendalters der Universität zu Köln unter Leitung von Dr. Antje Muthers-Huboi.


Zu den Verhaltensauffälligkeiten zählen psychische Störungen wie zum Beispiel Essstörungen, Sprachstörungen wie Stottern oder Stammeln, aber auch Verhaltensstörungen wie Hyperaktivität. In der Diagnose und Therapie dieser Auffälligkeiten tut sich eine Versorgungslücke auf, denn die Kinder sich nicht so stark psychisch erkrankt, dass sie in die Zuständigkeit einer allein psychiatrischen Einrichtung fallen. Auch die Jugend- und Sozialämter sind nicht für sie zuständig, da sie nicht als behindert gelten. Daher suchte ein Großteil aller Patienten mehrere Institutionen auf, bevor sie in die richtigen Hände kamen.

Erschwert wird die Situation durch ein unzureichendes Netz an niedergelassenen Kinder- und Jugendtherapeuten. Nach Angaben der Medizinerin wird die empfohlene Dichte von einem Therapeuten auf 80.000 Einwohner bei weitem nicht erreicht. Zudem wissen die Patienten und ihre Eltern nicht um die notwendigen Schritte und Angebote.

Die Gründe hierfür sind vielfältig. Zum einen fällt es den Eltern wesentlich leichter, mit ihren Kindern den Haus- oder Kinderarzt aufzusuchen als einen Psychiater oder Psychologen. Dr. Muthers-Huboi betont, dass der Stellenwert des Hausarztes bei der Versorgung von Verhaltensauffälligkeiten daher sehr hoch sei. Allerdings zeigte sich auch, dass bei vielen verhaltensauffälligen Kindern keine psychotherapeutischen Therapiemaßnahmen eingeleitet werden, da für den Hausarzt die körperlichen Symptome im Vordergrund stehen.

Andererseits ist die Behandlung sehr stark von der Bereitschaft der Betroffenen zur Therapie abhängig. Die Medizinerin stellte fest, dass nach außen gerichtete Störungen, wie Verhaltensstörungen, weitaus häufiger psychotherapeutisch behandelt werden als nach innen gerichtete Störungen, wie zum Beispiel Essstörungen. Bei diesen wird der Schwerpunkt ebenfalls häufig auf die körperlichen Symptome gelegt. Darüber hinaus sind Kinder aus sozial besser gestellten Gesellschaftsschichten wesentlich stärker in psychotherapeutischen Einrichtungen vertreten als Kinder aus den mittleren Schichten. Grundsätzlich werden mehr Jungen als Mädchen behandelt. Wenn sich Kinder in Behandlung befinden, dann engagieren sich die Eltern stark für die Behandlung. Der Grund wird im hohen Leidensdruck der Eltern und Kinder gesehen, sowie im Willen von Eltern und Patient, den begonnenen Weg "zu Ende zu gehen".

Verantwortlich: Manuela Zimmermann

Für Rückfragen steht Ihnen Professor Dr. Gerd Lehmkuhl unter der Telefonnummer (0221)478 - 0, der Fax-Nummer (0221)478 - 6104 und der E-Mail Adresse Gerd. Lehmkuhl@uni-koeln.de zur Verfügung.
Unsere Presseinformationen finden sie auch im Internet unter: http://www.uni-koeln.de/organe/presse/pi/index.html
Für die Übersendung eines Belegexemplars wären wir Ihnen dankbar.


Anneliese Odenthal, Universität zu Köln
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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