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Universität Duisburg-Essen, 29.12.05

Nach Verkaufsstopp für ein Handbuch - Medizinprofessor fordert Fairness

Nach dem Ende des Rechtstreits über das homöopathiekritische Handbuch "Die andere Medizin" der Stiftung Warentest ruft Professor Dr. med. Gustav Dobos vom Essener Universitätsklinikum zu einer fairen und sorgsamen Diskussion über alternativen Therapien auf.

Die Stiftung Warentest hatte eine von der Deutschen Homöopathieunion beantragte einstweilige Verfügung des Landgerichts Hamburg anerkannt und den Vertrieb des Buches eingestellt. Professor Dobos, Schulmediziner und Inhaber des einzigen deutschen Lehrstuhls für Naturheilkunde, gestiftet durch die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, kritisiert, dass an Naturheilverfahren, aber auch an die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) Maßstäbe angelegt werden, nach denen auch eine Reihe von schulmedizinisch anerkannten Verfahren als "nicht wirksam" eingestuft werden müssten. "Der forschungspolitisch bedingte Mangel an validen Studien in Deutschland wird häufig benutzt, um die "andere Medizin" pauschal zu diskreditieren. Hier muss endlich umgedacht werden."


Professor Gustav Dobos behandelt die Patienten in seiner Essener Klinik am Knappschafts-Krankenhaus mit einer Kombination aus schulmedizinischen und naturheilkundlichen Verfahren. Aufgabe seines Lehrstuhls ist es nicht zuletzt, die Wirksamkeit von nicht-schulmedizinischen Therapien wissenschaftlich zu untersuchen. "Es gibt eindeutig erhebliche Defizite in diesem Forschungsfeld. Das erlaubt aber nicht den Schluss, dass naturheilkundliche Verfahren grundsätzlich unwirksam sind", erläutert Dobos.

In Essen werden beispielsweise Patienten mit internistischen Erkrankungen wie chronischen Lungenerkrankungen, chronischen Darmerkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Patienten mit chronischen Schmerzen erfolgreich behandelt, indem die Schulmedizin gezielt um Methoden der Naturheilkunde ergänzt wird. Zugleich werden Behandlungsverläufe und -ergebnisse nach strengen Kriterien dokumentiert und evaluiert. "Mittlerweile gibt es zahlreiche Belege dafür, dass diese Kombination aus Patientensicht, aber auch objektiv bisweilen bessere Ergebnisse erzielt, als eine eindimensionale Therapie", betont Dobos.

Das Beispiel des Handbuchs der Stiftung Warentest zeige, dass Methoden außerhalb der Schulmedizin gleichsam reflexartig abgewertet würden. Denn nicht nur die dem Handbuch zu Grunde liegende Methodik sei fragwürdig: Die einstweilige Verfügung wurde nämlich erlassen, weil der Eindruck erweckt wurde, für ein bestimmtes homöopathisches Schnupfenmittel gebe es keine Wirksamkeitsnachweise. Dabei ist das Mittel in Wirklichkeit ein zugelassenes Arzneimittel, das alle schulmedizinischen Kriterien erfüllt. "Offenbar hat den Autoren das Wort homöopathisch genügt, um auf weitere Recherchen zu verzichten", vermutet Dr. Henning Albrecht, Geschäftsführer der Essener Karl und Veronica Carstens-Stiftung, die sich seit Jahren die wissenschaftliche Aufarbeitung von Naturheilkunde und Homöopathie zum Ziel gesetzt hat.

Mit der Ausgrenzung alles nicht schulmedizinischen, so der Schulmediziner, würden nicht nur mögliche Heilungschancen vernachlässigt, sondern auch der Patientenwille missachtet. Immerhin hatte eine Allensbachstudie im Spätsommer zu Tage gefördert, das über zwei Drittel der Deutschen sich für eine Kombination von Schulmedizin und TCM entscheiden würden - wenn sie denn die Wahl hätten.

Redaktion: Monika Rögge, Tel.: (0201) 183-2085
Weitere Informationen: Prof. Dr. Gustav J. Dobos, Tel.: (0201) 805-4002;
E-Mail: gustav.dobos@uni-essen.de


Monika Roegge, Universität Duisburg-Essen
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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