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Charité-Universitätsmedizin Berlin, 20.08.04

Vereinfachtes Verfahren zur Behandlung verengter Gefäße

Die Aufdehnung verengter Herzkranzgefäße mit Hilfe eine Ballons an der Spitze eines Herzkatheters (Ballondilatation) ist seit Jahrzehnten ein Standardverfahren zur Behandlung bzw. Verhinderung von Herzinfarkten. Üblicherweise werden seit den 90er Jahren nach der Dilatation noch sogenannte Stents (sich selbst entfaltende Metallkörbchen) in das verengte Gefäß eingesetzt, die es auf Dauer offen halten sollen. Diese Stents sind zum Teil mit Medikamenten beschichtet, die die Narbenbildung und damit erneute Verengung der Gefäße im Bereich der Stents verhindern sollen. Dies gelingt aber keineswegs immer. Vielmehr kommt es in 20 bis 40 % der Fälle zu erneuter Verengung oder gar zum Verschluß des Gefäßes (Re-Stenose) innerhalb der ersten 6 bis 9 Monate nach der Behandlung.

Jetzt hat die Arbeitsgruppe um Professor Dr. Bruno Scheller von der Universität des Saarlandes in Homburg und Professor Dr. Ulrich Speck vom "Institut für Radiologie" der Charité ein neues vereinfachtes und risikoärmeres Verfahren entwickelt, das auf Stents und damit auch auf die Risiken im Zusammenhang mit ihrer Einsetzung, gänzlich verzichtet.
Statt der Stents, wird bei dem neuen Verfahren der Ballon an der Katheterspitze mit einem Medikament (Paclitaxel, "Taxol") beschichtet. Während der relativ kurzen Zeit der Aufdehnung des Gefäßes gibt die Oberfläche des Ballons einen Großteil der Wirksubstanz an die Gefäßwand ab, die sie sehr schnell aufnimmt. Mit dieser Behandlung wird die Rate der Wiederverschlüsse (Re-stenose-Rate) in der risikoreichen Zeit von 6 bis 9 Monaten nach der Dilatation gegenüber der bisherigen Versorgung mit Stents um bis zu 72 Prozent verringert. Das heißt, praktisch werden auf diese Weise Re-stenosen fast vollständig verhindert. Besonders fiel auf, daß im dilatierten Bereich der Gefäße keine Neubildung von Narbengewebe (sog. Neo-Intima) auftrat, die das Gefäß verengen würde.
Die Wissenschaftler haben ihre Erkenntnisse an Schweinen erhoben und jüngst in der renommierten Fachzeitschrift "Circulation" (Bruno Scheller, Ulrich Speck et al. [2004] 110, 810-814) publizieren können. Zur Zeit wird das neue Verfahren an Patienten mit Verengungen der Herzkranzgefäße in zahlreichen Kliniken in Deutschland erprobt. Dazu gehören nicht nur die kardiologischen Kliniken der Charité und der Universität des Saarlandes sondern auch Kliniken in Freiburg und Mannheim.
Die Dilatation mit beschichtetem Ballon eignet sich aber nicht nur zur Aufdehnung von Herzkranzgefäßen, sondern prinzipiell auch zur Erweiterung verengter Gefäße in den Beinen, insbesondere im Knie- und Unterschenkelbereich, wo Gefäßverengungen zu schmerzhaften Durchblutungsstörungen (Schaufensterkrankheit) führen. In Kliniken in Berlin, Bad Krozingen, Greifswald und Tübingen wird das neue Verfahren deshalb auch an Patienten mit solchen Durchblutungsstörungen auf seine Wirksamkeit hin überprüft.
(20.8.04) S. Schattenfroh)


Dr. med. Silvia Schattenfroh, Charité-Universitätsmedizin Berlin
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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