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Klinikum rechts der Isar der Technischen..., 18.07.08

Wie unser eigenes Gesicht Emotionen verstärkt; aktuelle Veröffentlichung in "Cerebral Cortex"

Worauf beruht die Fähigkeit eines Menschen, sich in die Gefühle seines Gegenübers hineinzuversetzen? Eine interdisziplinäre Forschergruppe am Klinikum rechts der Isar der TU München um den Neurologen PD Dr. Bernhard Haslinger und den Diplompsychologen Dr. Andreas Hennenlotter ist einer möglichen Voraussetzung auf der Spur: Die Wissenschaftler konnten nachweisen, dass Signale, die von der Gesichtsmuskulatur und -haut ausgehen, die Hirnregionen beeinflussen, die für die Verarbeitung von Emotionen verantwortlich sind. Da Menschen häufig unbewusst die Gesichtsausdrücke ihres Gegenübers imitieren, könnte dies eine wesentliche Grundlage für die Übertragung von Emotionen sein. Die Ergebnisse wurden jetzt in der Fachzeitschrift "Cerebral Cortex" veröffentlicht.

Die Abbilung zeigt die deutlich geringer ausgeprägte Mimik bei der Ausführung eines wütenden Gesichtsausdruckes im Falle von mit Botulinumtoxin (BTX) behandelten "Zornesfalten". Die rechte Abbildung zeigt in Gelb die Abnahme der Gehirnaktivität im Bereich der linken Amygdala infolge der dadurch bewirkten Abmilderung des sensorischen Feedbacks.

Es war bereits seit längerem bekannt, dass die sensorischen Signale, die in der Muskulatur und Haut des Gesichts bei emotionalen Gesichtsausdrücken entstehen (sog. "sensorisches Feedback") die subjektive Empfindung von Gefühlen verstärken. Unklar war jedoch, wie dieser Verstärkungsmechanismus im Einzelnen funktioniert.
Die Wissenschaftler um PD Dr. Haslinger untersuchten nun erstmals mittels funktioneller Magnet-Resonanz-Tomographie (fMRT), wie die Gehirnaktivität beeinflusst wird, wenn das sensorische Feedback bei der Ausführung emotionaler Gesichtsausdrücke abgemildert wird. Dazu schwächten sie mit Hilfe einer kosmetischen Behandlung der "Zornesfalten" mit Botulinumtoxin vorübergehend die Gesichtsmuskulatur der Versuchsteilnehmer.
Die Ergebnisse der Studie waren deutlich: Die Anwendung von Botulinumtoxin bewirkte nicht nur, dass die emotionale Mimik weniger ausgeprägt war, sondern führte gleichzeitig zu einer Abnahme der Gehirnaktivität im Bereich emotionsverarbeitender Hirnregionen wie der linken Amygdala.
Dies liefert erstmals einen Beleg dafür, dass bei der Nachahmung emotionaler Gesichtsausdrücke sensorisches Feedback von Seiten der mimischen Muskulatur und Haut die Aktivität in emotionsverarbeitenden Netzwerken des Gehirns beeinflusst. Da Menschen dazu tendieren, die Gesichtsausdrücke ihres Gegenübers nachzuahmen, könnte dies einen wesentlichen Mechanismus für die Übertragung von Emotionen im Rahmen sozialer Kontakte darstellen.

Originalarbeit:
Hennenlotter A, Dresel C, Castrop F, Ceballos Baumann AO, Wohlschlager AM, Haslinger B. The Link between Facial Feedback and Neural Activity within Central Circuitries of Emotion--New Insights from Botulinum Toxin-Induced Denervation of Frown Muscles. Cereb Cortex. 2008 Jun 17. [Epub ahead of print].

Pressekontakt:
Klinikum rechts der Isar
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tanja Schmidhofer
Tel.: 089 / 41 40 - 20 46
E-mail: schmidhofer@lrz.tum.de


Tanja Schmidhofer, Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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