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Universitätsklinikum Heidelberg, 08.10.03

Am Uniklinikum Heidelberg wird bis 2007 eine Schwerionenanlage zur Krebsbehandlung errichtet

Versorgungslücke bei lokal begrenzten Tumoren geschlossen / Wissenschaftler untersuchen verschiedene Bestrahlungsformen

Die geplante Schwerionenanlage des Universitätsklinikums Heidelberg. / Abb.: Universitätsbauamt Heidelberg.

Das Universitätsklinikum Heidelberg wird eine Schwerionenanlage zur Behandlung bösartiger Tumoren errichten, die 2006 in Betrieb geht. Der Beschleuniger wird derzeit bereits gefertigt; mit dem Bau der Anlage wird voraussichtlich noch in diesem Jahr begonnen. Die Kosten für die Errichtung dieser innovativen Anlage betragen ca. 72 Millionen Euro und werden zu gleichen Teilen vom Bund und vom Klinikum getragen. Die Schwerionenanlage wird auf dem Areal der Heidelberger Universitätskliniken errichtet und von der Radiologischen Universitätsklinik betrieben, deren Ärztlicher Direktor seit 1. Oktober 2003 Privatdozent Dr. Dr. Jürgen Debus ist. Es ist vorgesehen, dass ab 2007 ca. 1.000 Patienten pro Jahr in der Heidelberger Schwerionenanlage überwiegend ambulant behandelt werden.


Wissenschaftliche, technische und klinische Vorarbeiten für dieses Projekt wurden im Rahmen eines Gemeinschaftsprojektes der Radiologischen Universitätsklinik Heidelberg, der Gesellschaft für Schwerionenforschung Darmstadt (GSI) und des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg (DKFZ) in Kooperation mit dem Forschungszentrum Rossendorf (FZR) geleistet. Dafür wurde in den vergangenen fünf Jahren am Schwerionen-Synchrotron der GSI gemeinsam eine medizinische Bestrahlungseinheit aufgebaut, in der jährlich etwa 70 Patienten der Radiologischen Universitätsklinik Heidelberg mit sehr gutem Erfolg, etwa 70 Prozent Heilungserfolg, behandelt wurden. Die Lizenzen für die Bestrahlungsanlage und die entwickelten Bestrahlungsverfahren wurden dem Heidelberger Klinikum von der GSI kostenfrei überlassen.

International führende Stellung in der Teilchentherapie

In dem Pilotvorhaben konnten neue zukunftsweisende Methoden der Bestrahlung und Überwachung entwickelt und erfolgreich angewandt werden. Dazu zählen das weltweit erstmalig realisierte Rasterscan-Verfahren, mit der ein Tumor zielgenau dreidimensional unter Online-Kontrolle der Position des Therapiestrahles im Patienten bestrahlt werden kann. Darüber hinaus konnte erstmals eine biologisch orientierte und optimierte Bestrahlungsplanung für die Tumortherapie mit Ionen etabliert werden. Mit diesen Innovationen nimmt das Projekt international führende Stellung in der Teilchentherapie ein.

Die Heidelberger Schwerionenanlage schließt ein bedeutsames Versorgungsdefizit in Deutschland und ganz Europa: Allein in Deutschland sterben jährlich etwa 80.000 Patienten an lokal begrenzten Krebserkrankungen, weil ihr Tumor nicht entfernt oder mit anderen Therapiemethoden beherrscht werden kann. Für etwa 8.000 bis 11.000 dieser Patienten, vornehmlich mit inoperablen Schädelbasis- und Hirntumoren, Weichteilsarkomen oder Prostatakarzinomen, bedeutet der Einsatz von Teilchenstrahlen, das heißt von Protonen und Ionen, Behandlungserfolge. Dies haben klinische Studien in den USA und Japan, wo derartige Anlagen bereits betrieben werden, gezeigt, ebenso die vorläufigen Ergebnisse der Heidelberg/Darmstädter klinischen Studien. Protonen und Ionen weisen gegenüber der konventionellen Photonenbestrahlung eine wesentlich günstigere Dosisverteilung auf: Die Strahlendosis kann bei gleichzeitiger Schonung des gesunden Gewebes erhöht werden. Für Ionen ergibt sich zusätzlich eine erhöhte biologische Wirksamkeit, da sie einen noch größeren Teil ihrer Energie an dem gewünschten Ort im Tumorgewebe abgeben.

Behandlung von Patienten mit inoperablen Tumoren, Weichteilsarkomen und Prostatakarzinomen

Für Heidelberg ist der Bau einer Therapieanlage geplant, an der sowohl Protonen als auch verschiedene Ionen (Helium, Kohlenstoff, Sauerstoff) zum Einsatz kommen. Dies wird es erlauben, vergleichende klinische Studien innerhalb der Teilchentherapie, das heißt zur Anwendung von Ionen oder Protonen bei verschiedenen Tumoren, durchzuführen. Mehrere Forschergruppen des Klinikums sowie seiner Kooperationspartner werden sich mit technischen und medizinischen Weiterentwicklungen der Verfahren befassen. Klinisch werden bislang nur unbefriedigend behandelbaren Tumoren im Vordergrund stehen, insbesondere inoperable Schädelbasis- und Hirntumoren, Weichteilsarkome sowie Prostatakarzinome. Darüber hinaus sollen auch solche Erkrankungen behandelt werden, bei deren herkömmlicher Behandlung gravierende Spätfolgen auftreten können, zum Beispiel Tumoren bei Kindern und Jugendlichen.

Ansprechpartner:
Privatdozent Dr. Dr. Jürgen Debus, Leiter der Radiologischen Universitätsklinik Heidelberg
Tel.: 06221 / 568201 (Sekretariat)
E-Mail: Juergen_Debus@med.uni-heidelberg.de

Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
http://www.med.uni-heidelberg.de/aktuelles/

Weitere Informationen:


Dr. Annette Tuffs, Universitätsklinikum Heidelberg
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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